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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:44

HOP - Osterhase oder Superstar

07.04.2011

Neun Monate Brechreiz

»Nein, das ist eine Ikone der Feiertagskultur!« Doch! Pünktlich zum Osterfest legt Tim Hill ein richtig faules Filmei ins Kino. Einen saisonalen Auftritt der Chipmunks erspart der Regisseur deren Kinoabenteuers dem Zielpublikum. Stattdessen inszeniert er in dem grellen Familienfilm HOP – Osterhase oder Superstar? einen ungenierten Abklatsch des altbekannten Plots um animierte musizierende Tierchen, die zur Verblüffung der Realprotagonisten sprechen können. LIDA BACH begibt sich auf die cineastische Ostereiersuche.

 

Vor Schokoladeneiern müssen Fred (James Marsden) und E. B. (Sprecher: Russel Brand) Antworten auf lebensentscheidende Fragen finden. Die eigenen Träume verwirklichen oder elterliche Erwartungen erfüllen? Letztes selbstverständlich. Freds Vater (Gary Cole) ist einfach unsensibel, wenn er den über dreißigjährigen Sohn auffordert, zu arbeiten und auszuziehen. Ähnlich ergeht es Osterhasensohn E. B.. Statt nach Wunsch seines Vaters in die Pfotenstapfen von Generationen von Osterhasen zu treten, will er auf die Pauke hauen – vor großem Publikum. Letztes soll mit Hop im Kino gelingen. Dabei weiß E.B. Aus eigener Erfahrung, wie nachhaltig Oster-Zwang traumatisieren kann: »Ganze neun Monate lang hat der Anblick eines bemalten Eis bei mir Brechreiz ausgelöst.« Gleiches würde nach dem Ansehen von HOP selbst Carl Peter Fabergé sagen.

 

»Das ist wirklich gut - auf eine rüde, primitive, für mich fast persönlich beleidigende Art.« (E.B.)

Osterhase oder Superstar?, fragt der absurde deutsche Untertitel. Der Osterhase ist beides in dem schrillen Animations-Abenteuer. Seine Ikonisierung gleicht der des Weihnachtsmanns. Christliche Fundamentalisten könnten darin heidnische Propaganda wittern. Küken Carlos (Hank Azaria) will selbst das »magische Eierzepter« im Oster-Imperium schwingen. Hier werden Hershey´s Kisses™ und Jellybeans™ am Fließband produziert. Sollte HOP nicht zum Kassenschlager werden, ist der Budgetausgleich durch die Schleichwerbung gesichert. Den Hasenherrscher plant der mit spanischem Akzent sprechende Carlos in roter Suppe zu ertränken, die aussieht wie ein riesiges kochendes Gazpacho. Dass nicht nur Rache ein Gericht ist, das kalt serviert wird, sondern auch Gazpacho, weiß Hill offenbar nicht. Dafür kennt er sich aus mit rassistischen Zwischentönen. Freds gehässige Adoptivschwester ist asiatisch, die fiesen Küken mexikanisch, eine unwirsche Empfangsdame afroamerikanisch und eine ganze Nation, die Ostern gemeinerweise nicht feiert, chinesisch.

 

Lange währt das Erstaunen der menschlichen Charaktere über einen quasselnden Hasen mit musikalischen Ambitionen, der nebenbei Thronfolger des Osterhasen ist, nicht. Dass Hasen eine Vorliebe für Schlagakustik haben ist seit Bambi und seinem Hasenfreund Klopfer quasi Allgemeinwissen. Schauspielveteran David Hasselhoff kann bei seinem Cameo-Auftritt als Talentsucher »The Hoff«, der E. B. die Chancen zu einem großen Auftritt gibt, nur müde seufzen: »Mein Partner war jahrelang ein sprechendes Auto.« Dass seine Ideen weder neu noch originell sind, sollte niemand besser wissen als Regisseur Hill. Neben den Chipmunks brachte er auch Garfield in einer Mixtur aus Live-Action und CGI-Animation auf die Leinwand. Das Resultat war traurig, besonders, wenn man den sarkastischen Kater als Kind liebgewonnen hatte. Filmisch derart malträtiert zu werden, hatte Garfield nicht verdient.

 

Die Chipmunks hingegen irgendwie schon. Dass Streifenhörnchen in den USA als Plage gelten, können selbst Tierfreunde angesichts der Trickfilm-Nager gut nachvollziehen. Die gefährlich nah an den Osterinseln lebenden Australier haben als Abwehrmaßnahme gegen Langohren den »rabbit fence« errichtet. Wie viel Empathie sich für E. B. und seinen Osterkameraden aufbringen lässt, beschreibt treffend ein Dialogzitat: »Du kannst sprechen und pupst Süßigkeiten. Mach das irgendwo anders.«

 

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