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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:45

The Fighter

19.04.2011

They never come back?

»Läuft die Kamera?« Die Kamera läuft und sie zeigt Dicky. Kaum dass die Aufnahme begonnen hat, erklingt seine Frage. Aufmerksamkeit spürt Dicky (Christian Bale) instinktiv und genießt sie. »Das ist die Geschichte meines Comebacks!«, verkündet er stolz. Er ist der Star des Dokumentarfilms, mit dessen wackeligen Handkamerabildern The Fighter beginnt. Es gibt noch einen anderen Kämpfer in David O. Russels komplexem Drama. Von LIDA BACH.

 

Russel ist der Star des Sportfilms, der gebrochene Held des Boxerdramas und der Kämpfer um seine große Liebe des romantischen Subplots: Micky Ward (Mark Wahlberg), dessen Geschichte auf der des realen Boxweltmeisters Micky Ward basiert. Er tritt erst später linkisch vor die Kamera, neben seinen Bruder den »Stolz von Lowell«. Lowell ist eine heruntergekommene Arbeiterstadt, in deren Randbezirken Gescheiterte, die Junkies und der »white trash«, die verarmte weiße Unterschicht, leben. Menschen wie Dicky. Die Reportage, die als Film im Film Dickies Alltag aufzeichnet, handelt von Crack-Sucht. Beachtung kennt Dicky von früher nur als Bewunderung. Seit sein Ruhm verblichen ist, verwechselt er die beiden manchmal.

 

Dickys Mutter Alice liebt ihren ältesten Sohn. Seinen Halbbruder Micky liebt sie nur, wenn er Erfolg hat, denn Mickys Erfolg macht indirekt Dicky erfolgreich. Wichtiger als dessen Ruf als Manager, ist sein Ruf als Legende: »Der Stolz von Lowell«, der seinem kleinen Bruder alles beigebracht hat. Dessen Aufstieg folgt dem Muster eines klassischen Sportdramas. Frustrierende Niederlagen stehen am Anfang. Das vielversprechende junge Talent wurde verschlissen durch das Missmanagement seiner Mutter und seines Bruders, der einst selbst Boxchampion war. Eine letzte Chance taucht aus dem Nichts auf. Micky zeigt, dass er gewinnen kann – auch die Liebe zu der Kellnerin Charlene (Amy Adams).

 

Seelenkämpfe

Mickys Kämpfe sind innere. Das Leid über seine Niederlagen bereiten, verschließt er in sich. In einer wortlosen Szene zeigt Russel »The Fighter« allein nach einem verlorenen Kampf. Erst jetzt ertönt die Ringglocke. Wem die Stunde schlägt. Dass sie ihm schlägt, seiner großen Stunde, begreift Micky fast zu spät. Mehr als die eigenen enttäuschten Hoffnungen quält Micky, dass er die seines Bruders enttäuscht. Für ihn und Alice macht er sich wortwörtlich zum Prügelknaben, der im Ring zusammengeschlagen wird in Kämpfen, die keine sind – weil sein Manager und Bruder sogar Gegner aus höheren Gewichtsklassen stellt. »Ich bin derjenige der kämpft – nicht Du«, sagt Micky einmal. Doch es ist kein Ausbruch wie Marlon Brandos fundamentales »I could have been somebody« in Die Faust im Nacken. Nur ein schwaches Aufbegehren, auf welches später unweigerlich »Du bist mein Held, Dicky« folgt. Obwohl Poster, Synopsen und die Reihenfolge der Credits anderes suggerieren, ist Wards Karriere im Grunde nur ein Nebenstrang der Handlung.

 

Russels Biopic erzählt nicht die Geschichte eines Protagonisten, sondern einer dysfunktionalen Familie und der psychischen Mechanismen, welche die Figuren aneinander binden. Russels Rückbesinnung auf die ursprüngliche Hauptfigur gegen Filmende wirkt beinah pflichtschuldig. Als habe sich der Regisseur auf einmal erinnert, welcher Protagonist der Berühmtere ist. Doch es sind nicht immer die berühmteren Namen, hinter denen sich die interessanteren Biografien verbergen. Mark Wahlbergs zurückhaltendes Spiel zeugt von seinem Verständnis für Russels fast instinktive Verschiebung des Handlungsfokus.

 

Dickies Satz zu Beginn, der seine Egozentrik zu besiegeln scheint, verweist auf dessen emotionale Rückkehr zu Selbstrespekt anstelle von Egozentrik, zu einem Minimum an Anteilnahme am Leben anderer. The Fighter zeigt ein doppeltes Comeback: ein sportliches und ein menschliches. »Wir sind zwei sehr unterschiedliche Kämpfer«, sagt Dicky zu Beginn. Ihren schauspielerischen und dramaturgischen Kampf verdankt The Fighter den filmischen Sieg.

 

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