»It´s my favorite part because, you´ll see / Here´s where she meets Prince Charming / But she won´t discover that it´s him ´Til chapter three.« (Belle
Belle verkörpert das Klischee einer in Liebesromane und Abenteuerromanzen versunkenen Schwärmerin. Besonders schwärmt sie für ihren Zukünftigen, »Prince Charming«. Sie kümmert sich um ihren verwirrten Vater, ist fleißig, tierlieb, einfühlsam und sängerisch begabt – wie alle Disney-Prinzessinnen. Vor allem aber ist sie wunderschön. Auch im Märchen fordert das Biest, die Schöne müsse selbst sein Schloss aufsuchen. Hier ist es ihr Vater, der die Tochter für sein Leben verspricht. Die Filmadaption verkehrt seine Skrupellosigkeit ins Gegenteil. Entsetzt widerspricht Belles Vater, als sie sich als Gefangene anbietet. Die Vaterfigur im Original tritt in die Tradition grausamer Märcheneltern, die Kinder aussetzen, verstümmeln oder zu töten beabsichtigen. Belle hingegen opfert sich, wie es Disney-Helden müssen. Wer »verwöhnt, selbstsüchtig und unfreundlich« ist, wird gestraft – wie der verzauberte Prinz, den die Erzähler-Stimme mit besagten Eigenschaften charakterisiert.
Ihre vermeintliche Emanzipation ist verkappter Sexismus. Noch verlogener ist die dramaturgische Botschaft von innerer Schönheit. Der Prinz ist zu Filmbeginn trotz seiner Schönheit hartherzig. Im Disney-Film verstößt dies gegen die Naturgesetze und muss von einer Fee magisch korrigiert werden. Jähzornig und abweisend passt der Charakter des Biestes zur Gestalt. Nachdem es sich geändert hat, wird es erlöst und ist entsprechend seinem Inneren ein schöner Prinz. Ähnlich Cruella DeVil in 101 Dalmatiner, Captain Hook und Cinderellas Stiefschwestern ist Gaston nicht schön, sondern die ins Groteske übersteigerte Version von Attraktivität. Selbst die Dienerschaft des Biestes ist in Möbelstücke verwandelt, die den Charakter (und nach der Erlösung das menschliche Aussehen) spiegeln. Belle ist als Vorabbelohnung für ihre Tugend die Schöne – semantisch und optisch. Warum verrät die singende Dorfbevölkerung: »We don't like what we don't understand, in fact it scares us«
Was nicht offensichtlich ist, ist im wörtlichen Sinne un-geheuer. Oh, und Belles »Abenteuer im großen weiten Irgendwo«, die sie sich erträumt? Werden zertreten bei ihrem romantischen Tanz in Reichtum, Adel, Ehe und vermutlich Kinder. Das Happy End gleicht einer zynischen Erfüllung der Worte Gastons: »This is the day Your dreams come true.« Träume mögen wahr werden in Disney-Märchen, doch welche, bestimmt noch lange nicht die Heldin.