Propaganda definiert T.H. Qualter so: »P. ist der bewusste Versuch eines Individuums oder einer Gruppe, die Verhaltensweisen anderer Gruppen unter Benützung der Kommunikationsmittel zu formen, zu kontrollieren oder zu verändern, mit der Absicht, dass die Reaktion der so Beeinflussten in jeder gegebenen Situation die vom Propagandisten erwünschte sein wird.« Und Richard Taylor fasst es noch kürzer: »P. ist der Versuch, die öffentlichen Meinungen eines Publikums durch die Übermittlung von Ideen und Werten zu beeinflussen.«
Der Film wurde im 20. Jahrhundert zum mächtigsten Medium der Propaganda. Die Nationalsozialisten wussten das sehr genau, und sie »benützten« dieses »Kommunikationsmittel« ebenso wie den Rundfunk für ihre Zwecke. Propaganda: das ist Werbung für politische Ideen, im Nationalsozialismus also unter anderem für die Ausrottung der Juden. Sie musste plausibel gemacht werden. Die Hemmungen der christlichen und humanistischen Zivilisation, so gering sie sein mochten, mussten überwunden werden. Dabei spielt der Dokumentarfilm eine besondere Rolle. Er zeigt eine scheinbare Wirklichkeit, und auf diese Täuschung fallen Zuschauer bis heute immer wieder herein. Indem man Feindbilder schafft und bestärkt, fördert man die Einigkeit derer, die zur eigenen Gruppe gehören.
1942 wurde im Warschauer Ghetto ein Film gedreht, der einerseits nachweisen sollte, dass die dort internierten Juden, die drei Monate später in die Vernichtungslager deportiert wurden, ein »normales« Leben führen konnten, andererseits aber Juden als vertierte Untermenschen zeigte oder auch als Privilegierte, die ihre eigenen Landsleute verachteten und ausbeuteten. Der Film wurde nie fertiggestellt oder zur Aufführung gebracht. Jetzt liegt das Material vor, und es ist nicht übertrieben, wenn man es als sensationell bezeichnet. Es dokumentiert hinter allen Inszenierungsbemühungen und Beschönigungsversuchen die tatsächlichen Zustände im Ghetto und liefert zugleich ein einzigartiges Beispiel für die Mechanismen von Propaganda.