Ehe wem Ehe gebührt
»Einen weiblichen Fight-Club« nennt die grobschlächtige Megan (Melissa McCarthy) die wenig damenhaften Brautjungfern treffend, die statt um Männer um Frauenfreundschaft ringen. So etwas wie eine glückliche Single-Frau scheint es in der gegen den Strich gebürsteten Beziehungskomödie nicht zu geben. Die Handlung platziert ihre weiblichen Charaktere zwischen Skylla und Charybdis. Solo, in einer frisch geschlossenen Ehe verkümmernd, frustrierte Familienmutter (Wendy McLendon-Covey) oder abgelehnte Stiefmutter – jede Variation besitzt ihren eigenen Schrecken. Lillian scheint dem Beziehungsunglück nur zu entgehen, weil ihr der Hochzeitsstress keine Zeit dafür lässt. Auch die äußerlich vollkommene Helen leidet in einer lieblosen Ehe. Ihr Perfektionismus, der sie selbst genauso wie ihr Umfeld quält, kaschiert ihre Angst zu versagen.
Paul Feigs rüde Komödie, deren Drehbuch Hauptdarstellerin Kirsten Wiig mitschrieb, ist ein vorwurfsvoller Fingerzeig auf jahrzehntelange Diskriminierung im Kino. Ja, offenkundig und dabei so allgegenwärtig und gewohnt, dass es wiederum fast verkappt scheint, zeigt sich der Sexismus im Unterhaltungsgenre. Kerle dürfen in Filmen, die auf ein männliches Publikum abzielen, über Sex, Körperflüssigkeiten und Aggressionen lachen, während häufig geflucht wird. Frauen sollen über misslungene Frisuren und peinliche Versprecher lachen, während alle paar Minuten geseufzt oder vielsagend geblickt wird. Gemein! »Das nennt man Humor!«, verkündet eine frühe Szene von Bridesmaids, die gezielt niveaulose Witze und ausführliches Fluchen in eine vorrangig auf ein weibliches Publikum abzielende Komödie bringt. Den Brautalarm, den der deutsche Verleihtitel im Kino ausruft, brauchen die stereotypen Sommerromanzen indes kaum zu fürchten. Wie halbherzig die vermeintliche Invasion eines »Männergenres« ist, beweist schon die oberflächliche Handlung, die auf die beliebten Themen der üblichen Liebeskomödien zurückgreift: Hochzeit, Familienfeste und andere (Beziehungs-)Schwierigkeiten.