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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:51

Ein Sommersandtraum

01.08.2011

Enter Sandmann

Ein Körnchen reicht aus, um zum Stein des Anstoßes zu werden. Max hegt eine heftige Abscheu gegen Sand. Der Chef einer Philatelie (Beat Schlatter) ist nicht der einzige Charakter, der in Ein Sommersandtraum empfindlich auf Sand reagiert. Und Peter Luisi sorgt mit seiner komödiantischen Groteske dafür, dass auch jenseits der Leinwand das feinst zermahlene Gestein selbst Buddelkasten-Fanatikern verhasst wird. LIDA BACH verließ zerknirscht das Kino.

 

Noch absurder als der hiesige Verleihtitel, den Der Sandmann des Schweizer Regisseurs und Drehbuchautors Peter Luisi verpasst bekam, ist die Handlung: Dass deren Originaltitel an den Abendgruß im Kinderfernsehen genauso wie an einen finsteren Heavy-Metal-Song von Metallica erinnert, ist Ironie des Schicksals. Man könnte es auch als subtile Pointe der Hass-Liebe-Geschichte interpretieren, doch Subtilität oder Pointen traut man dem Filmemacher nach dem Ansehen seines fünften Kinowerks kaum zu. Für jene, die ihn durchstehen müssen, wird Ein Sommersandtraum zum Sommersandalptraum. Nicht anders als dem Plot ergeht es Hauptcharakter Benno, dem Unmengen an Sand ähnlich ins Alltagsgetriebe geraten.

 

Benno (Fabian Krüger) hasst Sand. Noch mehr aber hasst der eingebildete Briefmarkenexperte Sandra (Frölein Da Capo). Die emotionale Ausgangssituation stellen die Ereignisse auf den Kopf, während quälend die Handlung verrinnt. Das gesamte Konzept gleicht einer Eieruhr. Wer für letztere eine filmische Metapher sehen möchte, sollte die skurrile Romanze anschauen. Alle anderen amüsieren sich vermutlich besser beim Betrachten der Eieruhr, ein uraltes Symbol für die Lebenszeit. Die von Benno zerrinnt im wahrsten Sinne zwischen dessen Fingern. Er verliert Sand: erst eine Prise, schließlich Eimer voll. Seine Wohnung ähnelt der Sahara, er selbst einem menschlichen Streufahrzeug. Es kriselt in seiner Beziehung mit der attraktiven Patrizia (Florine Elena Deplazes), beruflich und physisch, da Benno rasant (sprich: ra-sand) an Masse verliert. Benno selbst und sein Leben werden immer poröser. Die flaue Handlung ist schon lange versandtet.

 

Sandburgen sind keine Luftschlösser

»Interessante Metapher«, sagt ein von Benno um Rat ersuchter Psychologe – wofür verrät er nicht, gratuliert aber dafür dem Film indirekt zu seinem vermeintlichen erzählerischen Einfallsreichtum: »Schönes Bild!« Komödiantisch eher ein schlichtes: Wer sich über Erwachsene am Rande eines Sandkastens oder am Strand halbtot lacht, kann damit die eingeschlafenen Kinozuschauer wieder aufwecken. Der Sandmann hat im Kino die gleiche einschläfernde Wirkung wie der Titelcharakter dank des magischen Sandes auf seine Mitmenschen. Weil er durch Egoismus und falsche Wertvorstellungen sein Leben in den Sand gesetzt hat, flieht Benno mittels Traumsand in Morpheus Arme. Im Traum sind es die Sandras, die den Sand semantisch im Namen tragen. Damit die kongeniale Anspielung niemandem entgeht, nennt Benno die Hobbymusikerin und Café-Besitzerin »Sand-ra«. Eine Freundin namens Sandra wurde in der Grundschule von einem Mitschüler mit »Sandra – wie Sand!« veralbert. Für den verstaubten Humor von Ein Sommersandtraum gibt es also durchaus eine Zielgruppe. Im Kinosaal war dieses nicht vertreten, dort lachte niemand.

 

 

Untalentiert ist keiner der spielfreudigen Akteure, die ihre Charaktere gekonnt widerwärtig und armselig einsam formen. Das sympathische Ensemble ringt vergeblich um den Klamauk, dessen infantile Moral auf Sand gebaut ist: Verträume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Letztes gilt auch für den filmischen »Sommersandtraum«, mit dem Der Sandmann im Kino einschläfert.

 

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