Noch absurder als der hiesige Verleihtitel, den Der Sandmann des Schweizer Regisseurs und Drehbuchautors Peter Luisi verpasst bekam, ist die Handlung: Dass deren Originaltitel an den Abendgruß im Kinderfernsehen genauso wie an einen finsteren Heavy-Metal-Song von Metallica erinnert, ist Ironie des Schicksals. Man könnte es auch als subtile Pointe der Hass-Liebe-Geschichte interpretieren, doch Subtilität oder Pointen traut man dem Filmemacher nach dem Ansehen seines fünften Kinowerks kaum zu. Für jene, die ihn durchstehen müssen, wird Ein Sommersandtraum zum Sommersandalptraum. Nicht anders als dem Plot ergeht es Hauptcharakter Benno, dem Unmengen an Sand ähnlich ins Alltagsgetriebe geraten.
Benno (Fabian Krüger) hasst Sand. Noch mehr aber hasst der eingebildete Briefmarkenexperte Sandra (Frölein Da Capo). Die emotionale Ausgangssituation stellen die Ereignisse auf den Kopf, während quälend die Handlung verrinnt. Das gesamte Konzept gleicht einer Eieruhr. Wer für letztere eine filmische Metapher sehen möchte, sollte die skurrile Romanze anschauen. Alle anderen amüsieren sich vermutlich besser beim Betrachten der Eieruhr, ein uraltes Symbol für die Lebenszeit. Die von Benno zerrinnt im wahrsten Sinne zwischen dessen Fingern. Er verliert Sand: erst eine Prise, schließlich Eimer voll. Seine Wohnung ähnelt der Sahara, er selbst einem menschlichen Streufahrzeug. Es kriselt in seiner Beziehung mit der attraktiven Patrizia (Florine Elena Deplazes), beruflich und physisch, da Benno rasant (sprich: ra-sand) an Masse verliert. Benno selbst und sein Leben werden immer poröser. Die flaue Handlung ist schon lange versandtet.