Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 04:51

The Fox and the Hound (USA 1981)

16.06.2011

Mein liebster Feind

»Forever!« - Unendlich bedeutsam ist dieses Wort im Disney-Reich, vielleicht noch bedeutsamer als »Once upon a time ...«. Das »forever« beschließt die Zeichentrickmärchen und verankert ihr Happy End in einer unabänderlichen Ewigkeit. »... and they lived happily forever after!« Auch in The Fox and the Hound gibt es ein »forever«, doch in der zartbitteren Freundschaftsgeschichte klingt es nach Vergeblichkeit. Von LIDA BACH

 

Sie werden Freunde sein für immer, nicht wahr?, fragt der kleine Tod seinen Spielgefährten Copper. »Für immer«, verspricht Tods Freund beim Abschied. Doch für immer ist eine lange, lange Zeit. Und Zeit hat die Angewohnheit, die Dinge zu verändern, weiß Tods menschliche Ziehmutter Witwe Tweed. Copper wird zurückkehren als ein echter Killer. Auch seinem einstmals besten Freund würde er töten. Denn Copper ist ein Welpe und Tod ein Jungfuchs. Später wird Copper ein Jagdhund sein und Tod die Beute. Beute von Jägern wurde schon Tods Mutter. Jäger ist Tweeds unwirscher Nachbar Amos Slade. Sein bester Spürhund ist bald nicht mehr der alte Chief, sondern Copper. Und der Bluthund nimmt Tods Fährte auf.

 

Die unterschiedlichen Sichtweisen der Hauptfiguren umrahmen die Tweeds und Slades, welche die den gesellschaftlichen Einfluss symbolisieren. Sie verkörpern zwei Facetten der gleichen Persönlichkeit. In Daniel P. Mannix Romanvorlage zieht Tod der Jäger auf, der die Fuchsmutter erlegt hat und später sein ausgewildertes Heimtier jagt. Konventionelle Schurken gibt es weder im Buch noch im Film. Die gleiche Hand kann schützen und töten. Das erfahren Copper, Tod und sogar Amos Slade. Er wird nicht mit Tod oder Läuterung bestraft. Stattdessen erlaubte der ungewöhnlich nuancierte Kinderfilm Slade, was sonst nie einem Disney-Charakter erlaubt ist: einen Moment der Besinnung und Zweifel an der Richtigkeit eigener Wertvorstellung. Das bigotte Disney-Realitätskonzept unterwandert The Fox and the Hound. Eine persönliche Wahrheit ersetzt Absolutismus. Die Welt ist kein immer gleicher Ort. Sondern ein anderer für jeden, der sie betrachtet.

 

Jenseits der süßlichen Heile-Welt-Botschaft

Den Konflikt verursachen Starrsinn, Angst und äußerer Zwang. Anders als Tod und Copper sind Tweed und Slade unfähig, ihre Gemeinsamkeiten zu erkennen. Beide sind dickköpfig und vereinsamt, beide kompensieren ihre Einsamkeit mit Tierhaltung, beide ziehen zeitgleich ein Jungtier auf. Ihr Charakter ist wie bei den Tierprotagonisten nicht pauschal gut oder schlecht, sondern geprägt durch individuelle Erfahrung, Herkunft und Gesellschaft. Die gutmütige Tweed greift radikaler als Slade in den Lauf der Natur ein, indem sie ein Wildtier aufnimmt und zähmt. Erklärt sie dem ausgewachsenen Tod, sein vertrautes Umfeld sei gefährlich, widerspricht sie einem Verhalten, dass sie ihm selbst anerzogen hat. Amos Slade erkennt die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation. Während seine Nachbarin sie überschreitet, zieht er sie so radikal, dass die Natur ihm als Feind erscheint. Keiner handelt aus Gutmenschentum oder Bosheit. Beide schädigen auf ihre Weise das biologische Gleichgewicht.

 

Als einziger Disney-Klassiker erlaubt er das Nebeneinander unterschiedlicher Perspektiven. Die zurückgenommene Ambiguität bewahrt sich das nuancierte Tierdrama bis zur melancholischen Schlussszene. Einmal überdauert nicht die süßliche Heile-Welt-Botschaft eines einträchtigen Miteinanders. Der offene Ausgang betont die Unvereinbarkeit der einander entgegengesetzten Lebenskonzepte, ohne dem Verzichts-Ethos und der Geschichtsklitterung von Pocahontas zu verfallen. Tods zärtlich-wehmütiger Blick zurück fällt auf eine Freundschaft, die den Tod durch den engsten Vertrauten bringt. Ein solcher Tod trifft Capper in der Romanvorlage. Bevor er seinen Hund erschießt, hält dessen Besitzer ihm die Augen zu. Ebenso verschließt der Abspann dem Publikum die Augen, bevor es dem Tod ins Antlitz sehen muss.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:
Toller Film, vielleicht einer der ergreifendsten Disney-Zeichentrickfilme überhaupt. Der Film lief in Deutschland allerdings unter dem Titel "Cap und Capper - Zwei Freunde auf 8 Pfoten" und ist in Deutschland auch generell als "Cap und Capper" bekannt. Wieso also hier der Originaltitel ohne jeden Verweis auf den deutschen? Dünkel oder Unkenntnis?
| von Niels Kathman, 22.06.2011

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein - Tourplan 2012

»Kabarettisten sind von der schnellen Truppe, zumal solche wie Tretter, die nicht dem allfälligen Comedy-Genre anhängen, sondern richtiges, politisches Kabarett machen ...« ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...