Reines Genrekino
Man kann sich Mick leicht als gealterte Version von McConaugheys Geburt als Leinwandstar denken, Jake Tyler Brigance aus Die Jury (1996): angepasst, desillusioniert, die Ideale aus dem Blickfeld verloren, geschieden, seine Exfrau eine Staatsanwältin, er selbst ein Verteidiger der reichen Weißen …; bis dieser Fall seinen moralischen Kompass wieder einnordet. So klischeehaft wie seine Besetzung präsentiert sich auch Ryan Philippe als intriganter Bösewicht, der dermaßen unschuldig guckt und zynisch grinst, als stünde er für einen Nachdreh zu Eiskalte Engel (1999) vor der Kamera. Hätte Philippe in L.A. Crash (2004) nicht bewiesen, dass er auch anders kann, man würde es nicht glauben. Auch moralisch erscheint Der Mandant höchst anfechtbar. Weil das US-Justizsystem einmal mehr versagt, darf man sich als Zuschauer mitfreuen, wenn hartgesottene Rocker stattdessen selbst zur Tat schreiten. Und wo das »Böse«, das »reine Böse« zitiert wird, erscheint auch die Todesstrafe fast wie ein Segen. Soweit die Anklage.
Das letzte Wort aber gebührt auch in dieser Filmkritik der Verteidigung. Machen wir es kurz, meine Damen und Herren: Der Mandant ist Genrekino, reines Genrekino, ein Justizthriller, der nur den einen Anspruch verfolgt, zu unterhalten. Knapp zwei Stunden lang, also die gesamte Filmdauer hindurch, gelingt ihm das nahezu perfekt. Dabei ist er immer wieder für eine Überraschung gut. Ob das logisch ist oder nicht, darüber mag man eigentlich gar nicht nachgrübeln, so mitreißend und stilsicher ist das Ganze erzählt. Eine Lincoln-Limousine als rollendes Büro, McConaughey, smart und scharfzüngig, mit einer Bande Motorradrockern als Geleitschutz. Das ist doch einfach nur cool, oder? Möge die Jury sich zur Beratung zurückziehen – in den Kinosaal.