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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:52

Alles Koscher!

30.06.2011

Now I´m a believer

»Alles koscher!« gilt in Mahmuds Leben, obwohl der gebürtige Brite es kaum so formulieren würde wie der hiesige Verleihtitel von Josh Appignanesis bissiger Komödie. Mahmud ist überzeugter Muslim, der seine Ressentiments gegenüber dem jüdischen Taxifahrer Lenny (Richard Schiff) nicht zurückhält. Die Vorurteile der beiden sind nicht die einzigen Antipathien, die es in dem respektlosen Kinovergnügen zu überwinden gilt. LIDA BACH amüsierte sich im Kino.

 

Im Freundeskreis und dem Taxiunternehmen, das er leitet, ist Mahmud (Omid Djalili) unter seinesgleichen. Nur in der Moschee sieht man ihn eher selten, denn der glücklich verheiratete Familienvater nimmt die Gebote des Korans äußerst locker. Das ändert sich, als die Hochzeit seines Sohnes Rashid (Amid Shah) bevorsteht. Für sie muss Mahmud den neuen Stiefvater der Braut Uzma (Soraya Radford) überzeugen, seinen Segen zu geben. Allein, ihm fehlt der Glaube – zumindest in der Schärfe, wie es der fundamentalistische Prediger Arshad Al-Masri (Igal Naor) verlangt. Nur hat Mahmud zu seinem Schrecken festgestellt: Er ist adoptiert – und sein leiblicher Vater ist Jude.

 

Glauben ist alles

Mit satirischem Witz und sozialkritischen Seitenhieben gewinnt Alles Koscher! dem überstrapazierten Thema des Culture-Clash eine originelle und erfrischend respektlose Facette ab. Das konventionelle Handlungsschema der Leinwand-Komödie um Missverständnisse und Voreingenommenheit interpretiert Alles koscher! auf ungewöhnliche Weise um. Anstatt eine andere Kultur mit der westlich-europäischen aufeinanderprallen zu lassen, entspinnt sich der Konflikt zwischen zwei in sie integrierte Minderheiten. Der muslimische Brite Mahmud und der Jude Lenny fühlen sich gegenüber dem anderen als Repräsentanten der Minorität, welcher sie angehören. Dass sie beide alles andere als orthodox sind, macht die anfänglichen Widersacher unterschwellig bereits zu Gleichgesinnten, bevor ein gemeinsames Ziel sie eint. Seinen altersschwachen Vater darf Mahmud nur besuchen, wenn er dessen Pfleger jüdisch erscheint. Dabei helfen soll Mahmud ausgerechnet Lenny.

 

Die beiden Hauptcharaktere spiegeln einander nicht nur in ihrem scharfzüngigen Humor und ätzendem Sarkasmus, sondern vereinen in sich die Extreme von Toleranz und Sturheit. Ohne in Parteilichkeit oder realitätsfremde Schönfärberei zu verfallen, stellt der abgefeimte Humor die Paradoxie religiösen Fundamentalismus´ bloß. Der Glaube entpuppt sich in Alles Koscher! gerade bei denen als aufgesetzt, die ihn nach außen hin am radikalsten vertreten. Arshad ruft nur öffentlich zum Extremismus auf, weil er die Aufmerksamkeit des Publikums und auf einer Bühne zu stehen genießt. Der Originaltitel ist satirische Ironie. The Infidel nennt Appignansi seinen Titelcharakter, obwohl der im Grunde gar nicht ungläubig ist. Die Identitätskrise, in die ihn seine neuentdeckte Abkunft stürzt, verweist auf die zentrale Thematik von Appignansi Komödie: die Kluft zwischen Glaube und Frömmigkeit, zwischen religiöser Identität und Gruppenidentität.

 

Scheint zum versöhnlichen Ende schließlich Alles Koscher!, persifliert die Independent-Komödie es umgehend: gestritten wird weiter, denn das Fehlen einer unverkrampften Streitkultur leistet den Ressentiments erst Vorschub. Kleine Unebenheiten und ein paar grenzwertige Scherze überspielt Omid Dialili, der in Alles koscher! endlich die verdiente Hauptrolle zugestanden bekommt, so nonchalant wie sein unangepasstes Leinwand-Alter-Ego. Der britische Bühnen-Komiker und Schauspieler, der sich als einziger iranischer Stand-up Comedian bezeichnet, ist eines jener unbekannt-bekannten Gesichter, die man im Hintergrund zahlloser Filme sieht. Gladiator, Sex & The City 2 und zuletzt Bernard Roses preisgekröntes Biopic Mr. Nice sind nur einige der Filme, in denen er markante Auftritte hatte. Bezeichnenderweise scheint seine ethnische Herkunft der Grund, warum Dialili oft auf stereotype Nebenfiguren reduziert wird. Wenig scheint in der Filmszene verändert seit den Zeiten, als ihre Abstammung die Karrieren von Anna May Wong, Paul Robeson und Dorothy Dandridge einschränkte. »Es gibt Absurditäten«, kommentiert Djalili seinen Film, »vielleicht ist es besser und einfacher, darüber zu lachen.« Auch wenn es manchmal bitter ist.

 

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