Ladies of Burlesque
Sie alle spielen sich selbst oder eine Variation ihrer selbst. Kokett tänzeln die Protagonistinnen von der Fiktion in die Realität und drehen eine Pirouette in der Mitte. Die Bühne ist die Brücke zwischen Wirklichkeit und Illusion, die auf der Leinwand eine prickelnde Liaison eingehen. Wenn die Cabaret New Burlesque auftritt, ist dies dann fiktional, weil die reale Show für ein Drehbuch nachgeahmt wird? Lässt sich eine solche Show überhaupt nachahmen oder ist sie zwangsläufig wirklich, weil der Akt des Vorführens die Vorführung erst zu dem macht, was sie ist: eine Show? Nur eines ist gewiss – die Show muss weitergehen! Le Havre, Nantes, Bordeaux. Unterwegs verführen die Akteurinnen Gelegenheitsbekanntschaften, irritieren Hotelgäste und streiten sich mit ihrem Manager.
»It´s bump and grind, bump and grind,
All the time bump and grind
Let´s go, On with the show!«
(David Rose)
Matthieu Almaric macht sich mit selbstironischer Einsicht zu diesem Joachim, der Hauptfigur der Handlung ist und dennoch Nebendarsteller gegenüber der faszinierenden Burlesque-Truppe bleibt. So freimütig wie auf der Bühne tanzen ihm seine Stars auf der Nase herum. »Das nervt mich langsam!«, beklagt sich der geschiedene Familienvater. Langsam nervt es auch das Publikum, doch bevor Tournee zur kreischenden Nummernrevue wird, bröckelt die unbeschwerte Fassade. Mimi unterdrückt Tränen, als ein Assistent den Wunsch seiner Tochter nach »Leben« verspottet. Wenn sich selbst das sprühende Potpourri aus Improvisation und Spontanität nicht wie Leben anfühlt, ist das Leben dann nur eine »leere Hülle«? So nennt die Revue-Gruppe das heruntergekommene Hotel, in dem die Tournee anstelle von Paris endet. Almarics schillerndes filmisches Vaudeville blickt nicht zurück, nur nach vorn: »Who cares? We have to keep on going.«