»Also tat ich, was ich mit einem Puzzle mache. Ich starrte es an bis es Sinn machte.« (Paul Soames)
Der amerikanische Spion ist Soames (John Cusack), der Unterweltboss ist Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat), die geheimnisvolle Gangstergattin ist die betörende Anna (Gong Li), Soames toter Freund ist Connor (Jeffrey Dean Morgan), der Botschaftsbeauftragte ist Tanaka (Ken Watanabe) und seine Geliebte die opiumsüchtige Sumiko (Rinko Kikuchi). Sie sind die Heiligen und Sünder der letzten Tage: Vor dem Kriegseintritt der Japaner, vor Pearl Harbor und dem Tod.
»Welche Art Männer sind wir?«, fragt Soames einmal. »Romantiker«, erwidert der undurchsichtige Regierungsbeauftragte Tanaka. Nicht das einzige Mal, dass die Dialoge in Shanghai für den Regisseur zu sprechen scheinen. Er möge Geheimnisse, verrät Soames Anna: »Ich sammle sie.« Halström tut es dem Hauptcharakter gleich, dessen Kommentar aus dem Off unablässig wie der Regen auf Shanghai niedergeht. Ein Rätsel nach dem anderen reiht er auf dem Handlungsfaden zu einer hübschen Kette. Dass der stilgerechte Ausflug ins cineastische Hard-Boiled-Genre die überlegenen Vorbilder der 40er und 50er nicht nur zitiert, sondern mit beinahe masochistischer Präzision nachahmt, gleicht das erlesene Quartett asiatischer Darsteller aus.
Dieses Kriminalspiel glänzt als Kunstperle, deren kleine Fehler man verzeiht, weil man von vornherein weiß, dass sie kein echtes Kinojuwel ist. Nur zu gut weiß Halström, dass seine Genre-Referenzen zu unterhaltsam sind, um ihre Summe als die Nachahmung abzutun, die Shanghai im Grunde ist.