Dirty Gerry
Die Atmosphäre, in der sich Kurioses, Burleskes und unsicheres Sentiment vermischen, schenkt der Charakterkomödie mehr Charme als der bisweilen grenzwertige Humor. Der irische Klan der McDonaghs muss einen sechsten Sinn für Humor haben, der, um bei den skurrilen Redewendungen von The Guard zu bleiben, dem Zentrum eines kosmischen Wurmlochs gleicht. Der tiefschwarze alles Umliegende verschlingende Nihilismus von Michael McDonaghs Kinodebüt beherrschte schon Brügge sehen...und sterben seines Bruders Martin. Vielleicht ist diese eigentümliche und eigensinnige Komik auch ein spezielles Charakteristikum der Iren. Als solcher sei Rassismus Teil seiner Kultur, polemisiert Gerry Boyle gegenüber dem FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle).
Nicht das Äußere zähle, heißt es einmal – sondern das Innere, das einen auffrisst. Dies gilt nicht nur für den Krebs von Gerrys Mutter (Fionnula Flanagan), sondern die verkappte Engstirnigkeit von The Guard. Eine Spur zu selbstgerecht führt die Kriminalsatire den Agenten vor, dessen Professionalität, Intelligenz und Feingefühl ihn zum Gegensatz Boyles machen. Dieser kleine Schritt ist jener, mit dem McDonagh die Grenze des guten Geschmacks überschreitet. Takt bedeutet zu wissen, wie weit man zu weit gehen kann. Der Held trägt seine Unart gleich einer Medaille, die ihn für außergewöhnliche Verdienste verliehen wurde. Dieses Herauskehren der eigenen Stumpfheit enthüllt sich im Lauf der Handlung unfreiwillig als Bigotterie. Indem sie die Beschränktheit der Kleinstädter als das rechte Maß aufstellt, etikettiert sie indirekt Kultiviertheit und Liberalität als verwerflich. Bedankt sich Boyle, nachdem ihn Everrett als einen unkonventionellen Polizisten bezeichnet hat, möchte man dessen Kontra zustimmen: »Das war nicht als Kompliment gemeint!« Jedenfalls nicht als Kompliment ohne Einschränkungen.