Unheimliche Begegnung der extraterrestrischen Art
Das nicht sonderlich komplizierte anfängliche Rätselraten kompensiert die zweite Filmhälfte durch ausführliche Erklärungen, damit auch ja nicht der leiseste Hauch von Mysterium bleibt. Seit 1958 sitzt ein außerirdisches Wesen auf der Erde fest. 1958? Das Jahr des Trinidad Island Ufos! Weil die fünf Protagonisten nicht die einzigen sind, die immer und überall eine Filmausrüstung im Handgepäck haben, kennt fast jeder dieses Fluggerät. Es ist jenes, das auf dem Poster in Agent Mulders Büro, abgebildet ist, auf dem »I want to believe!« steht. Jos Sheriff-Vater (Kyle Chandler) und Alices Trinker-Vater (Ron Eldard) hingegen will niemand glauben – oder nur die Falschen. Erster wird von Colonel Nelec unter Arrest gestellt, zweiter mit Pillen ruhiggestellt.
Ein Gesetzeshüter mit vagen Theorien über seltsame Vorgänge ist einfach glaubhafter, als ein Alkoholiker, der den aus Militärgefangenschaft entflohenen Alien leibhaftig gesehen hat. Die Väter lernen, dass sie trotz der sozialen und moralischen Kluft, die verantwortungslose Arme von heldenhaften Mittelstandbürgern trennt, eine Gemeinsamkeit haben: ihre Kinder. Der Titel wäre ideal für deren Geschichte, ein Kinderabenteuer im Geiste von Es oder Stand by me, das jedoch niemals gezeigt wird.
Vielleicht wirkt Abrams berechnende cineastische Sentimentalität so geschmacklos, weil die Zeit nostalgischer Coming-of-Age-Filme um Abenteuer und Freundschaft vergangen ist, weil die Welt nicht mehr naiv genug dafür ist. Doch Abrams scheint eingehüllt in einen Mikrokosmos aus selbstverliebtem Reaktionismus und Steven-Spielberg-Vernarrtheit. Super 8 ist eine Hymne auf heuchlerische Familienwerte, ein reaktionäres kleinstädtisches Ideal und manipulatives Melodram. Eine Hymne auf nostalgische Coming-of-Age-Filme ist er nicht. Eher ein Tanz auf ihrem Grab.