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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:57

Toast - im Kino!

15.09.2011

Bread & Butter

»Mama hatte eine Abneigung gegen frische Produkte.« Zaghafte Bemühungen, seine Mutter in eine Küchenfee zu verwandeln, haben es Nigel Slater gelehrt. Frisches wird nicht serviert in Wolverhampton, nicht in den Sechzigern, nicht in dem adretten Mittelschichthaushalt, in dem der kochbegeisterte Grundschüler mit seinem verbissenen Vater (Ken Stott) lebt - und vor allem nicht in Toast. Frisches ist immer riskant, erst recht, wenn es innovativ zubereitet wird. Die zuverlässigsten Dinge kommen aus der Konserve und selbst die wird nur mangelhaft aufgewärmt. Nach der gleichen Methode, die der Filmbeginn zeigt, bereitet S. J. Clarkson seine biografische Komödie vor. Bis in die Kinos schaffte es das britische TV-Spiel. LIDA BACHs Geschmack traf es nicht.

 

»Es ist unmöglich jemandem etwas vorzuwerfen, der einem Toast gemacht hat«, behauptet Nigel (Oscar Kennedy). Das titelgebende Röstbrot ist für ihn mehr als die kulinarische Ausflucht, als die es seine Mutter (Victoria Hamilton) auftischt. Toast ist Symbol für Behütung, Heimeligkeit und zuverlässige Rituale der englischen Mittelschicht. Toast schmeckt allen, und jeder kriegt ihn richtig hin. Verständlich, dass Clarkson seine spitzfindige Coming-of-Age-Geschichte danach benannte. Doch selbst Toast kann Nigels Welt und die des Films nicht zusammenhalten. Lag es an zu viel Toaster-Qualm oder eingeatmeten Brotkrümeln in der Lunge? Nigels Mutter verstirbt an chronischem Asthma, und Vater und Sohn zerfließen in Tränen wie Butter auf doppelt geröstetem Weißbrot. Mrs. Potter (Helena Bonham Carter) bringt beide auf den Geschmack. Mr. Slater findet die kochbegabte neue Putzfrau mehr als appetitlich, Nigel hingegen zerfrisst der Neid. Was tut sie in den Zitronen-Baiser-Kuchen, das er nicht zufügt?

 

Küchenphilosophie

Den athletischen Gärtner (Matthew McNulty) beobachtet er mit wunderlich frühreifem Interesse angesichts seines infantilen Unverständnisses gegenüber Erwachsenenthemen, das Toast auch beim Zuschauer anzunehmen scheint. Dass Nigel unter der Bettdecke in Kochbüchern schmökert, als wären sie Pornohefte, soll seine Berufung und Besonderheit implizieren. Mag der jugendliche Nigel auch schüchtern einen Arbeitskollegen küssen, ist er tatsächlich so verklemmt, dass er nicht einmal ein ungewaschenes Radieschen probiert. Nur nichts Frisches, ob in Küche oder im Kino. Nigels zimperlicher Hintergrundkommentar enthüllt seine Besonderheit darin, sein kleinbürgerliches Umfeld an Spießigkeit noch zu übertreffen. Der entscheidende Makel von Mrs. Potter ist in Toast, der auf den Memoiren des britischen Kochstars Nigel Slater basiert, ihre Herkunft: »Sie ist unsere Putzfrau!«, erinnert Nigel seinen Vater: »Guck, wo sie lebt. Sie lebt in einem Mietshaus!« Sie sei ein Niemand, sagt Nigel seiner Stiefmutter, die er und Clarkson niemals als Mrs. Slater anerkennen.

 

»Du wirst bestimmt einmal etwas Interessantes«, meint Nigels Schulkamerad Warrel (Frasier Huckle). Nigel protestiert entschieden. Er wolle nichts Interessantes werden. Woran der spätere Spitzenkoch scheitert, gelingt Toast mit Bravour. Der Regisseur verbrennt sich die Finger an dem verbürgerlichten Subplot, den er gleich einer heißen Brotscheibe jongliert. Akkurate Details und schauspielerische Finesse werden so dick aufgetragen, dass die dünne Grundlage darunter verschwindet. Nostalgie und Bourgeoisie verschmelzen zu einer larmoyanten Kitchen-Sink-Comedy, deren süßlicher Charme schließlich bitter aufstößt. Das Problem mit den Leuten hier sei, dass sie so engstirnig sind, heißt es in der kulinarischen Komödie einmal. Gleiches gilt auch für Clarksons Kinodebüt, das ähnlich seinem Titel nur nett aufbereitetes Massenprodukt ist.

 

Nachdem er fast den gesamten Plot ausschließlich in Küche und Esszimmer verbracht hat, arrangiert sich Nigel am Todestag seines Vaters flugs mit seiner Homosexualität und seiner Zukunft, die ihn im Londoner Savoy Hotel erwartet. Kein Wunder, dass der Küchenchef den Teenager vom Land ohne Referenzen in die Sterne-Küche lässt: die Rolle ist eine Cameo des echten Slater. Was sagt sein filmisches alter Ego Nigel Mrs. Potter unter dem Vorbehalt, dass sie eine Angestellte sei, zum Abschied nochmal? »Geh' zurück nach Wolverhampton.«

 

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