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Freitag, 25. Mai 2012 | 04:59

Nichts zu verzollen - ab heute im Kino!

28.07.2011

Die spinnen, die Belgier!

Nicht einmal der Tod ist umsonst – und wir sprechen hier nicht von Beerdigungskosten! »Es gibt einen Zoll für den Himmel?«, fragt Ruben entsetzt, als er hört, dass er an Gottes Pforte nicht kassieren darf, sondern kassiert wird – sollte er als Belgier seinen Hass gegen die französischen Nachbarn nicht ablegen. Wenige Tage vor Inkrafttreten des Schengen-Abkommens läuft der auf Hochtouren, genau wie die Reibereien mit Rubens französischem Dienstpartner Mathias Ducatel. Der Kinoklamauk hingegen kommt nicht so recht in Fahrt, findet LIDA BACH.

 

Keine Frühlingsweihen für die Zollkontrolleure: Eine Schreckensnachricht erschüttert im Jahr 1986 die französisch-belgische Zollgrenze so nachhaltig, dass sie sieben Jahre später völlig fällt. Für den schärfsten Wachhund im belgisch-französischen Kaff Courquain ist die Grenzöffnung ein Ereignis von kosmischer Bedeutung. Wohin soll Ruben (Benoit Poelvoorde) nun mit seinen anti-französischen Vorurteilen? Ein »Camembert« ist für den verbissenen Familienvater, der seinem Sohn (Joachim Ledeganck) gegenüber selbst die Sterne zum Eigentum des Belgischen Königreichs erklärt, auch der neue Streifenkollege Mathias (Dany Boon). Dass Rubens Lieblingsfeind mit dessen Schwester Olivia (Karin Viard) verlobt ist, entgeht ihm auf der Jagd nach einem Schmugglerring, der wiederum dümmer ist, als der Zoll erlaubt.

 

Zöllner ohne Grenzen

Es geht um Ressentiments, Animositäten und Vorurteile in dieser launigen Grenzer-Komödie. Nicht zufällig genau wie bei dem Erfolgsfilm Willkommen bei den Sch´tis, nur bei Weitem nicht so originell und schlagfertig. Sein Charme ist immer noch der alte; gerade darum fühlen sich die Witze in Rien a declarer schal und abgedroschen an. Den Eindruck, dass Boon langsam die Ideen ausgehen, erweckt nicht nur das Handlungskonzept. Bereits die letzte Autorenkomödie Boons drehte sich um einzelne Pointen, doch während die auf immer neue Weise variiert und dabei systematisch auf die Spitze getrieben wurden, reitet der Zoll-Klamauk hartnäckig ein und dasselbe Gag-Repertoire zu Tode.

 

Nicht nur die unausgereiften Charaktere, denen die sympathische Kuriosität und Glaubhaftigkeit der Protagonisten des unverkennbaren filmischen Vorbilds fehlt, auch die Komik kommt angesichts übertriebener Vorurteile und permanenter Frotzeleien schnell an ihre Grenzen. Auffällig viele der Witze werden von den Grenzern über die Kollegen aus dem Nachbarland erzählt, was etwa so reizvoll ist, wie in einer belgisch-französischen Grenzkneipe am Tag des Zöllner-Stammtischs festzusitzen. Der vergnügten Beamtenposse, die der Film sein möchte, kommt Nichts zu verzollen am nächsten, wenn er seine beiden Hauptdarsteller auf engstem Raum oder in Wald-und-Wiesen-Einsamkeit ihren nationalen Zwistigkeiten aussetzt. Die turbulenten Verfolgungsszenen hingegen sind noch schrottreifer als der baufällige »internationale« Dienstwagen, mit dem sie durchgeführt werden.

 

Ob es am oberflächlichen Drehbuch oder seiner unterfordernden Rolle darin lag – Boon scheint die darstellerische Lust zu fehlen. Den idealen Part schrieb er nicht sich, sondern seinem belgischen Berufskollegen auf und jenseits der Leinwand, Benoit Poelvoorde, auf den Leib. In dessen fanatischem Grenzkontrolleur Ruben klingt eine Spur der beklemmenden Soziopathie an, die Poelvoordes Hauptfigur in Remy Belvaux ironischem Thriller Mann beißt Hund auszeichnete. Diese latente Gefährlichkeit verweist auf das ernsthafte Grundthema, das den zwischen Unbedarftheit und politischer Korrektheit schwankenden Plot überfordert. Dass Rubens Xenophobie in einem gekränkten Nationalstolz wurzelt und ihm vom eigenen Vater ähnlich indoktriniert wurde, wie es Ruben seinem Sohn gegenüber tut, sind nur einige der hintergründigen Aspekte, die der Plot so willkürlich aufgreift, wie er sie fallenlässt. Seine in buchstäbliche Mordlust übergehende Feindseligkeit unterminiert die aufgesetzte Heiterkeit.

 

Der vernichtende Abschlussbericht, den Ruben seinem Vorgesetzten nach der ersten Patrouillenfahrt vorträgt, beschreibt treffend den unausgegorenen Kinofilm: »Keiner nimmt uns ernst. Die Ausrüstung ist totaler Schrott. Das Ganze funktioniert nicht.«

 

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