Zöllner ohne Grenzen
Es geht um Ressentiments, Animositäten und Vorurteile in dieser launigen Grenzer-Komödie. Nicht zufällig genau wie bei dem Erfolgsfilm Willkommen bei den Sch´tis, nur bei Weitem nicht so originell und schlagfertig. Sein Charme ist immer noch der alte; gerade darum fühlen sich die Witze in Rien a declarer schal und abgedroschen an. Den Eindruck, dass Boon langsam die Ideen ausgehen, erweckt nicht nur das Handlungskonzept. Bereits die letzte Autorenkomödie Boons drehte sich um einzelne Pointen, doch während die auf immer neue Weise variiert und dabei systematisch auf die Spitze getrieben wurden, reitet der Zoll-Klamauk hartnäckig ein und dasselbe Gag-Repertoire zu Tode.
Nicht nur die unausgereiften Charaktere, denen die sympathische Kuriosität und Glaubhaftigkeit der Protagonisten des unverkennbaren filmischen Vorbilds fehlt, auch die Komik kommt angesichts übertriebener Vorurteile und permanenter Frotzeleien schnell an ihre Grenzen. Auffällig viele der Witze werden von den Grenzern über die Kollegen aus dem Nachbarland erzählt, was etwa so reizvoll ist, wie in einer belgisch-französischen Grenzkneipe am Tag des Zöllner-Stammtischs festzusitzen. Der vergnügten Beamtenposse, die der Film sein möchte, kommt Nichts zu verzollen am nächsten, wenn er seine beiden Hauptdarsteller auf engstem Raum oder in Wald-und-Wiesen-Einsamkeit ihren nationalen Zwistigkeiten aussetzt. Die turbulenten Verfolgungsszenen hingegen sind noch schrottreifer als der baufällige »internationale« Dienstwagen, mit dem sie durchgeführt werden.
Ob es am oberflächlichen Drehbuch oder seiner unterfordernden Rolle darin lag – Boon scheint die darstellerische Lust zu fehlen. Den idealen Part schrieb er nicht sich, sondern seinem belgischen Berufskollegen auf und jenseits der Leinwand, Benoit Poelvoorde, auf den Leib. In dessen fanatischem Grenzkontrolleur Ruben klingt eine Spur der beklemmenden Soziopathie an, die Poelvoordes Hauptfigur in Remy Belvaux ironischem Thriller Mann beißt Hund auszeichnete. Diese latente Gefährlichkeit verweist auf das ernsthafte Grundthema, das den zwischen Unbedarftheit und politischer Korrektheit schwankenden Plot überfordert. Dass Rubens Xenophobie in einem gekränkten Nationalstolz wurzelt und ihm vom eigenen Vater ähnlich indoktriniert wurde, wie es Ruben seinem Sohn gegenüber tut, sind nur einige der hintergründigen Aspekte, die der Plot so willkürlich aufgreift, wie er sie fallenlässt. Seine in buchstäbliche Mordlust übergehende Feindseligkeit unterminiert die aufgesetzte Heiterkeit.
Der vernichtende Abschlussbericht, den Ruben seinem Vorgesetzten nach der ersten Patrouillenfahrt vorträgt, beschreibt treffend den unausgegorenen Kinofilm: »Keiner nimmt uns ernst. Die Ausrüstung ist totaler Schrott. Das Ganze funktioniert nicht.«