Schlechte Chancen für morgen
»In diesem Geschäft denkt jeder zuerst an sich - und das Geld!«, sagt Mrado in der letzten der trügerischen Atempausen, die der Plot den Charakteren lässt, bevor er sie zum unerbittlichen Endpunkt hetzt. Es gibt keine Solidarität unter Geächteten, keine romantische Vorstellung von Verbrecherehre, nur einen alles durchdringenden Grundton von Verrat und Auslieferung. »Jeder bescheißt jeden.« Zweimal wirft Jorge J. W. die zynische Wahrheit ins Gesicht, ohne dass der naive Möchtegern-Gauner ihre Konsequenz begreift. Die Interessen in der schmierigen Halbwelt Stockholms, deren Grau- und Brauntöne den moralischen Verfall symbolisieren, verlagern sich so sprunghaft, wie die nervöse Kamera jede Regung der Protagonisten einfängt.
In unscheinbaren Momentaufnahmen hält der aufreibende Stakkato-Schnitt inne: Ein Bekannter erzählt Mrado, wie er mit einem Freund im Fahrstuhl zwischen zwei Etagen stecken geblieben sei. Nachdem sie herausgeklettert waren, stieg der Freund zurück, um seinen Pullover zu holen. Der Lift fuhr weiter und er wurde zerquetscht. Wer mehr als das bloße Leben retten will, wird zerdrückt im Getriebe der korrumpierten Gesellschaft, in der Kleinganoven wie Jorge, Handlanger wie Mrado und verblendete Amateure wie J. W. die geringsten Rädchen sind, auf denen der meiste Druck lastet. Der Endtitel ist grausame Pointe; eine überdimensionale Beschwörung des Stoffs, aus dem die falschen Träume sind: Snabba Cash.
