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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:00

Easy Money - Spür die Angst - ab heute im Kino!

15.09.2011

Die Rechnung ging nicht auf

Ein kurzes Flackern im Dunkeln. Eine Randnotiz, verdrängt an die äußerste Grenze der Leinwand und des Lebens. Easy Money heißt Daniel Espinosas haarscharf inszenierter Thriller, ein cineastischer Fiebertraum vom schnellen Geld, dem sich das desolate Figuren-Trio für zwei Kinostunden hingibt und aus dem es für jeden von ihnen ein unsanftes Erwachen gibt. Unrechtmäßig erworbene Gewinne, schmutziges Geld, thieves money. Snabba Cash, mit dem die in die Enge getrieben Charaktere sich freikaufen wollen und für das sie bitter bezahlen. LIDA BACH zieht Bilanz.

 

»Die Erwartungen stimmen nicht mit der Realität überein«, doch Johan Westlund (Joel Kinnaman) hört nur auf den nächsten Satz seines Professors. Im chinesischen bedeutet das Wort Krise auch Chance. Seine eigene sieht der junge Wirtschaftsstudent gekommen, als er für das Drogensyndikat von Abdulkarim (Mahmut Suvakci) den frisch aus dem Knast ausgebrochenen Jorge (Matias Padin Varela) finden soll, vor der Polizei oder der serbischen Konkurrenz. Vom illegalen Taxifahrer wird er zum Geldwäscher befördert. Mit dem Verdienst will er die kostspielige Fassade eines wohlhabenden Diplomatensohns aufrechterhalten, die vor seinen Oberschichtfreunden seine armselige Herkunft versteckt. Für ihn und Jorge, der für seine schwangere Schwester Paola sorgen will, erfüllt sich die Doppelbedeutung von Krise und Chance. Bis das Schicksalsrad sich weiter dreht und die Chance zur Krise wird.

 

Dreimal erhält J. W. die Lektion, dreimal ignoriert er sie. Zuerst, weil er sie nicht glaubt, dann weil er sie nicht glauben will, zuletzt, weil er sie nicht glauben kann. Da steht er mit dem serbischen Geldeintreiber Mrado im Flur eines Nobelhauses. In dem Apartment, aus dem J. W. gekommen ist, hat er bei einem Dinner die reichen Eltern seiner Freundin Sophie (Lisa Henni) kennengelernt. Das Blut vom letzten Einsatz für Abdulkarim klebt noch an J. W.s weißer Weste. Keiner kommt aus dem Geschäft sauber raus, weiß Mrado, der sich für den serbischen Gangsterboss Radovan (Dejan Cukic) die Hände schmutzig macht. Im Hausflur spielt Mrados Tochter Lovisa. Für sie braucht er Geld. Snabba Cash.

 

Schlechte Chancen für morgen

»In diesem Geschäft denkt jeder zuerst an sich - und das Geld!«, sagt Mrado in der letzten der trügerischen Atempausen, die der Plot den Charakteren lässt, bevor er sie zum unerbittlichen Endpunkt hetzt. Es gibt keine Solidarität unter Geächteten, keine romantische Vorstellung von Verbrecherehre, nur einen alles durchdringenden Grundton von Verrat und Auslieferung. »Jeder bescheißt jeden.« Zweimal wirft Jorge J. W. die zynische Wahrheit ins Gesicht, ohne dass der naive Möchtegern-Gauner ihre Konsequenz begreift. Die Interessen in der schmierigen Halbwelt Stockholms, deren Grau- und Brauntöne den moralischen Verfall symbolisieren, verlagern sich so sprunghaft, wie die nervöse Kamera jede Regung der Protagonisten einfängt.

 

In unscheinbaren Momentaufnahmen hält der aufreibende Stakkato-Schnitt inne: Ein Bekannter erzählt Mrado, wie er mit einem Freund im Fahrstuhl zwischen zwei Etagen stecken geblieben sei. Nachdem sie herausgeklettert waren, stieg der Freund zurück, um seinen Pullover zu holen. Der Lift fuhr weiter und er wurde zerquetscht. Wer mehr als das bloße Leben retten will, wird zerdrückt im Getriebe der korrumpierten Gesellschaft, in der Kleinganoven wie Jorge, Handlanger wie Mrado und verblendete Amateure wie J. W. die geringsten Rädchen sind, auf denen der meiste Druck lastet. Der Endtitel ist grausame Pointe; eine überdimensionale Beschwörung des Stoffs, aus dem die falschen Träume sind: Snabba Cash.

 

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