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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:01

Cirkus Columbia - im Kino!

06.10.2011

Ist die Katze aus dem Haus...

Katzenmusik. Gleich am Anfang des Tages und am Anfang des Films, eine komisch-traurige Ode auf ein Land und seine Menschen. Alle zerrissen: das Land vom Konflikt zweier Bevölkerungsgruppen, die Einwohner zwischen den verschiedenen Parteien, der Regisseur und Drehbuchautor Danis Tanovic zwischen Sympathie für die menschliche Schwäche und Kummer über die menschliche Torheit und sein Film zwischen skurriler Komik und leiser Wehmut. Von LIDA BACH

 

Cirkus Columbia ist eine filmische Rummelplatztour über einen Jahrmarkt, dessen Tore längst geschlossen haben. Die Zukunftsmusik ist verklungen und die Karussells haben sich ausgedreht. Für eine letzte Runde bringt die scherzhafte Tragödie sie noch einmal in Schwung. In jedes Lachen mischt sich ein Hauch von Furcht, wenn Freudenschwindel und Angsttaumel vom einen ins andere gleiten und der Schwank das Leben der Figuren erschüttert.

 

Katzenmusik! Die alten Lieder von damals will Martin nicht mehr hören. Eine neue Ära ist mit der demokratischen Regierung angebrochen und den jungen Amateurfunker (Boris Ler) lockt die Zukunft. Amerika hat er erstmals erreicht und was seinem alten CB-Gerät gelang will der Zwanzigjährige persönlich nachmachen. Sein Vater floh vor dem früheren kommunistischen Regime in den Westen, ohne sich je bei seiner Ehefrau Lucija (Mira Furla) zu melden und als er zurückkehrt ist es, um Scheidungspapiere, sein Haus und seinen Sohn zu fordern.

 

Jahrmarktsluft und Bombenrauch

Katzenmusik! Bonny hat ein flaues Gefühl im Magen und auch Azra (Jelena Stupljanin) ist ein wenig unwohl, als sie mit Divko (Miki Manojlovic) in dessen Heimatort reist. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass er fliehen musste und Lucija ihm nicht folgen wollte. Dass Lucija dafür ausgewiesen wird verdrängt die Vorfreude auf seine Zukunft mit Azra und Bonny. Beide wurden im Regen stehen gelassen, beide hat Divko gefunden, beide gehören nun ihm. Der schwarze Kater hat ihm Glück gebracht, D-Mark und die junge Schöne an seiner Seite. Doch Bonnys Geheul auf dem örtlichen Friedhof wird zur ahnungsvollen Klage über zukünftige Tote. Der Kater läuft Divko davon und auch Azra droht ihm zu entgleiten. Das Glück hat sich da längst zur Hintertür heraus geschlichen. Statt seiner steht der Krieg vor den Toren des kleinen Dorfes im Sommer 1991 in Bosnien-Herzegowina

 

»Miau, miau, mio, bald brennt es lichterloh.« Die kleine Gemeinde, die der Krieg schon vor dem Ausbruch der Gefechte zerrüttet, das kuriose Lokalkolorit, indem der pittoreske Sowjet-Chic eine Moderne repräsentiert, die im Handlungsrahmen schon wieder gestrig ist und die kuriosen Charaktere, von denen Cirkus Columbia seine Dickköpfigkeit hat. Zwischen Nostalgie und Pessimismus schlängelt sich der Handlungsweg von Tanovics lichtem Drama, das mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Heimatlands des für sein Debüt No Mans Land mit dem Oscar ausgezeichneten Regisseurs blickt. Mit ungeschicktem Charme und seiner eigenwilligen, mitunter unentschlossenen Struktur verlockt das cineastische Original mehr als äußerlich makellose Mainstream-Unterhaltung. Fragile Symbolsprache und süffisante Pointen bewahren den ernsthaften Grundton der scheinbar leichtfertigen Handlung. Was zu sein man vorgebe, sei egal, bemerkt einer der Charaktere, wichtig sei, wofür die anderen einen halten. Bitter lächelnd schüttelt Cirkus Columbia den Kopf über die Absurdität von Krieg, nationaler Spaltung und persönlicher Animositäten, die plötzlich in gewalttätigen Hass ausbrechen. Immer erstickender wird die laue Sommerluft, bis das Grollen des Donners das bevorstehende Kriegsgewitter ankündigt und die Protagonisten beunruhigt zum Himmel blicken: »Das endet böse ...«

 

Katzenmusik. Noch im der allerletzten Moment, vor dem Ende des Friedens und dem Ende des Films. Die fröhliche Zirkusmusik, die den Bogen zum Titel schlägt, spielt nur der Soundtrack. Der Reigen von Freude und Kummer ist für immer vorüber. Am Horizont übertönt die bedrohliche Kakophonie des Krieges die Karnevalsmelodie. Die verlorene Mieze ist da wieder aufgetaucht, doch das Unhappy End der offenherzigen Tragikkomödie kann selbst sie nicht ins Hoffnungsvolle verkehren. So viel Glück kann keine Katze bringen.

 

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