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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:02

Colombiana - im Kino!

22.09.2011

Blume des Bösen

»Du bist ein cleveres Mädchen. Und clevere Mädchen bekommen in diesem Leben immer, was sie sich wünschen«, lautet die erste Lektion, die Cataleya bei ihrer Einweihung in die Welt der organisierten Kriminalität erhält. Und das kleine Mädchen begreift schnell. Schneller als der gewissenlose Gangster Marco begreift, den er sich zum Feind gemacht hat, als er Cataleyas Eltern ermorden ließ. Das Leben, in dem clevere Mädchen immer kriegen, was sie wollen, kann kurz sein in den Straßen Bogotas – wo zwischen bunten Häusern und sonnendurchfluteten Gassen niemand ohne Maschinengewehr und Goldkette das Haus verlässt. Auch Cataleya trägt eine Kette, die ihr Vater ihr vor seinem Tod gab. Daran hängt die Orchidee, die Namensblume der eiskalten Rächerin von Colombiana. Von LIDA BACH.

 

»Vergiss nie, wo du herkommst!«, sagt der kleinen Cataleya (Amandla Stenberg) ihr Vater, und das Mädchen vergisst das auch als Erwachsene (Zoe Saldana) nicht, nachdem sie das glühende Pflaster Bogotas gegen die hitzigen Straßen Kaliforniens eingetauscht hat, wo sie von ihrem Onkel Emilio (Cliff Curtis) und ihrer Großmutter aufgenommen wird. Spielerisch den Botschaftsagenten entkommen, in deren Obhut sie die Grenze überquerte, blättert Cataleya in einem Xena-Comic. Früher wollte sie wie die Krieger-Prinzessin werden, erzählt sie Emilio. Jetzt hat sie ein neues Ziel: »Ich will ein Killer werden! Kannst du mir helfen?« Und das kann der liebe Onkel, denn kriminelle Verbindungen sind für die Hispanier in Oliver Megatons Actionreißer Ehrensache. Seine Figuren kommen nicht aus Südamerika, sondern aus Colombiana, einem cineastischen Paralleluniversum, in dem die Handfeuerwaffen treffsicherer sind als die Dialoge und die Mordaktionen origineller als die Charaktere.

 

Die Jagd nach der Blut-Orchidee

Was Leon, der Profi kann, kann Onkel Emilio erst recht. Denn beide zahlt das gleiche Syndikat aus. Luc Besson, der Pate der kompromisslosen Action-Streifen, setzt als Produzent das Kopfgeld der atemlosen Rache-Fantasie, auf der die filmische Handschrift von Co-Drehbuchautor Besson so unverkennbar steht wie die Cataleyas auf ihren Opfern. 23 sind es an der Zahl, doch das verringert weder Saldanas Sex-Appeal noch die übrigen reißerischen Schauwerte. Jedes der Opfer war ein »professionelles faules Ei«, versichert Colombiana, wo jeder Profikiller, Profi-Gangster oder Profiler (Lennie James) ist. Was aus dem Fahrer des Wagens, auf den Emilio zu Cataleyas Belehrung vor deren zukünftiger Grundschule schießt, wird, dem Gefängniswärter, dem Cataleya einen Mord anhängt und der Miezekatze, die ein Flugblatt auf dem Münztelefon in der letzten Szene als vermisst meldet, verraucht in der abstrusen Folge von Verfolgungen, Schießereien und voyeuristischen Aufnahmen der Hauptfigur, die sich suggestiv asiatisches Fast Food in den Mund schiebt, während der Soundtrack »Deeper down ... go deeper down« keucht.

 

Krude Vorurteile und blutige Ironie sind ebenso selbstverständlich, wie grelle Gewaltszenen und absurde Verwicklungen in dem Killer-Thriller, dem zu echter Pulp Fiction nur die billige Optik fehlt. Auf eine Todesnachricht folgt in Colombiana unweigerlich die Frage, wer der Mörder sei und selbst der Einfluss eines mächtigen Gangsterboss wie Cataleyas Erzfeind Don Luis (Beto Benites), der nichts anderes tut als Opernarien zu hören und Cognac aus bauchigen Gläsern zu schlürfen, reicht nicht bis zu den Sonntagsfahrern der Müllabfuhr. »Welcome to the USA!«, wird die kolumbianische Einwanderin in den Staaten mit einem Geldbündel und Pass begrüßt. Und der Dank? Sie wird Serienmörderin.

 

Ihr Rachefeldzug bietet alles, was Exploitation-Kino verlangt: Riesen-Knarren versteckt im Lüftungsschacht, Sprengstoffladungen deponiert an den unwahrscheinlichsten Orten, improvisierte Waffen von der Zahnbürste bis zum Frottee-Handtuch und sarkastische Todesschlagzeilen (»Haie fressen Immobilienhai«). Die CIA sei kein Vergnügungspark, behauptet ein Agent, der seine korrupten Geschäfte vor dem Barack-Obama-Porträt in seinem Büro regelt. Megaton straft ihn Lügen in Colombiana, das einem lauten und blutigen cineastischen Vergnügungspark gleicht, bis Johnny Cashs Schlusssong indirekt Bessons Widmung an das Kinopublikum besingt: »... and You could have it all, my empire of dirt.«

 

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