Die Jagd nach der Blut-Orchidee
Was Leon, der Profi kann, kann Onkel Emilio erst recht. Denn beide zahlt das gleiche Syndikat aus. Luc Besson, der Pate der kompromisslosen Action-Streifen, setzt als Produzent das Kopfgeld der atemlosen Rache-Fantasie, auf der die filmische Handschrift von Co-Drehbuchautor Besson so unverkennbar steht wie die Cataleyas auf ihren Opfern. 23 sind es an der Zahl, doch das verringert weder Saldanas Sex-Appeal noch die übrigen reißerischen Schauwerte. Jedes der Opfer war ein »professionelles faules Ei«, versichert Colombiana, wo jeder Profikiller, Profi-Gangster oder Profiler (Lennie James) ist. Was aus dem Fahrer des Wagens, auf den Emilio zu Cataleyas Belehrung vor deren zukünftiger Grundschule schießt, wird, dem Gefängniswärter, dem Cataleya einen Mord anhängt und der Miezekatze, die ein Flugblatt auf dem Münztelefon in der letzten Szene als vermisst meldet, verraucht in der abstrusen Folge von Verfolgungen, Schießereien und voyeuristischen Aufnahmen der Hauptfigur, die sich suggestiv asiatisches Fast Food in den Mund schiebt, während der Soundtrack »Deeper down ... go deeper down« keucht.
Krude Vorurteile und blutige Ironie sind ebenso selbstverständlich, wie grelle Gewaltszenen und absurde Verwicklungen in dem Killer-Thriller, dem zu echter Pulp Fiction nur die billige Optik fehlt. Auf eine Todesnachricht folgt in Colombiana unweigerlich die Frage, wer der Mörder sei und selbst der Einfluss eines mächtigen Gangsterboss wie Cataleyas Erzfeind Don Luis (Beto Benites), der nichts anderes tut als Opernarien zu hören und Cognac aus bauchigen Gläsern zu schlürfen, reicht nicht bis zu den Sonntagsfahrern der Müllabfuhr. »Welcome to the USA!«, wird die kolumbianische Einwanderin in den Staaten mit einem Geldbündel und Pass begrüßt. Und der Dank? Sie wird Serienmörderin.
Ihr Rachefeldzug bietet alles, was Exploitation-Kino verlangt: Riesen-Knarren versteckt im Lüftungsschacht, Sprengstoffladungen deponiert an den unwahrscheinlichsten Orten, improvisierte Waffen von der Zahnbürste bis zum Frottee-Handtuch und sarkastische Todesschlagzeilen (»Haie fressen Immobilienhai«). Die CIA sei kein Vergnügungspark, behauptet ein Agent, der seine korrupten Geschäfte vor dem Barack-Obama-Porträt in seinem Büro regelt. Megaton straft ihn Lügen in Colombiana, das einem lauten und blutigen cineastischen Vergnügungspark gleicht, bis Johnny Cashs Schlusssong indirekt Bessons Widmung an das Kinopublikum besingt: »... and You could have it all, my empire of dirt.«
