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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:02

Der perfekte Ex - What´s Your Number? - im Kino!

06.10.2011

Die Qual der Zahl

»10,5?« Ja. Da steht es schwarz auf weiß vor Allys Augen, denen die Single-Frau nicht mehr traut. Die Zeitschrift, die ihr die Zahl entgegenhält, ist zwar nur die Marie Claire, aber die Studie, der sie den Durchschnittswert entnommen hat, ist eine der Harvard-Universität. Und Harvard könnte sich nie irren, oder? Zumindest nicht bei einem Thema: Sex. Um den und die Frage, wie viel zu viel ist, kreist Mark Mylords Romantikkomödie. Das »viel« bezieht sich dabei nicht auf den Sex selbst, sondern die Anzahl der Partner, mit denen er praktiziert wurde. »What´s Your Number?« steht bedeutsam über dem Harvard-Artikel und dem Originalkinoplakat. Zu hoch, glaubt Ally, die nur noch eine Rettung vor dem Schlampen-Stigma sieht: Der perfekte Ex. LIDA BACH konnte beim Ansehen nicht auf Unterhaltung zählen.

 

Die Dame neben Ally (Anna Faris) kann deren Entrüstung über die 10,5 gut verstehen. »Das ist sehr hoch.« Nein, das sei niedrig protestiert Ally. Es ist sogar sehr niedriger, wenn man bedenkt, dass Ally Mitte Dreißig ist, und noch niedriger für ihre Sitznachbarin im Seniorenalter. Für letzte stehen die Chancen eher ungünstig, aus der 10,5 noch eine 11 zu machen. Falls sie überhaupt die Quersumme erreicht hat. Ally hat, sogar fast zweimal. Ihre Entrüstung verwandelt sich in eine Art partnerschaftliche Torschlusspanik, die antiproportional zu ihrer sexuellen Freizügigkeit steigt. Mehr als zwanzig dürfen es nicht sein, beschließt die frisch Entlassene. Weil der letzte Freischuss, den ein Kerl bei ihr hat, zwar in physischer Hinsicht ein Treffer ist, aber an Allys Herz weit vorbeigeht, muss Der perfekte Ex gefunden werden.

 

Auf Nummer sicher

What´s Your Number?, fragt der Originaltitel der Kinoadaption von Karyn Bosnaks Roman 20 times a Lady. Was nach einer drittklassigen Anmache klingt, soll tief ins weibliche Gewissen schneiden. Betonung nicht auf »Number«, sondern »Your«. Die Formulierung klingt ein wenig nach »Auch du, Brutus?«, wobei Männer in der romantischen Sitten-Burleske nicht gefragt werden. Vergleichsstudien über Männer werden nicht thematisiert, während Ally einen Ex-Freund nach dem nächsten vergeblich abklappert. Der High-School-Rocker benutzt immer noch den gleichen Aufreiß-Trick, das gutaussehende Barack-Obama-Double ist schwul und der Traum jeder Schwiegermutter Jake (Dave Annable) einschläfernd perfekt. Das Gute liegt wie so oft in der Pärchenkomödie so nah; auf der Couch in Allys Apartment, das ihr attraktiver Nachbar Colin (Chris Evans) als Versteck vor seinen weiblichen Affären nutzt.

 

Welche Art Kerl interessiere es eigentlich, mit wie vielen Typen ein Mädchen geschlafen habe, fragt Colin, dessen sexuelle Routine Ally wie eine Klosterschülerin wirken lässt. Einer solchen ist die Antwort würdig, mit der Ally die Filmmoral artikuliert: »Anständige Kerle!« Den unterschwelligen Konflikt in gesellschaftlicher Doppelmoral gegenüber weiblicher und männlicher Sexualität löst die Liebeskomödie mit einer Doppelportion realitätsferner Bigotterie. Statt Frauen die sexuelle Freiheit von Männern zuzugestehen, verlangt der biedere Beziehungsklamauk Männern die gleiche Züchtigkeit ab wie Frauen. Colins Tolleranz gegenüber Allys Liebesleben verkehrt sich im Spiegel der Prüderie, die unter der inszenatorischen Pseudo-Liberalität dümpelt, zum charakterlichen Makel und Zeichen von Colins Beziehungsunfähigkeit. »Ich habe vielleicht keine Kontrolle über mich selbst, aber ich kontrolliere meine Intimflora!«, verkündet Alley. Kontrollierter Genuss existiert nicht in der keuschen Komödie, die Selbstbeherrschung mit Verzicht gleichsetzt. Alleys sexuelle Unbefangenheit geht einher mit Jobverlust und Alkoholexzessen, die sich in einer stabilen Beziehung in Wohlgefallen auflösen. Dass sie dafür nicht die magische Zahlengrenze brechen musste, lässt Alley vor Freude auf dem Bett hüpfen. Weniger Jugendfreies erlaubt die fade Romanze nicht.

 

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