Ein Puppenheim
Das Meer aus Spitze, Pailletten und Strass, in dem die Handlung Figuren ertränkt, berauscht rein optisch, doch ist letztendlich nicht origineller als die dunklen Märchenfantasien eines jeden kleinen Mädchens. Ionescos Schwäche ist, dass sie auch psychologisch niemals über die kindliche Beschränktheit ihrer Bilderwelt hinausgelangt. Ihr Melodram folgt dem Vorbild seiner Titelheldin: Es will verführen, während es jedoch anschuldigt und den Blick provoziert, den es dann ostentativ zurückweist. Ein Spiel wie die perversen Psycho-Spielchen, in denen die exzentrische Hannah und ihre bald nicht minder selbstbezogene Tochter aufgehen. Die Ähnlichkeit zwischen Mutter und Tochter bleibt auf Äußerlichkeiten reduziert, ohne dass ihre psychologische Relevanz je ergründet wird. Hannah liebt Violetta wie den Erfolg und das Geld, das ihr die Tochter einbringt.
Ob diese Passion so weit geht, wie es die anzüglichen Aktfotos der Minderjährigen mit ihrer Mischung aus Morbidität und lasziver Unschuld vermuten lassen, bleibt so verschwommen wie das dramaturgische Verständnis des zentralen Handlungsmotivs. Inzest sei, wenn man mit seinen Eltern schläft, sagt Hannah, worauf Violetta erwidert: »Das machst du mit mir.« Ob ihre Worte das schmerzliche Fazit eines Missbrauchsopfers sind oder die überspannte Anschuldigung eines verzogenen Kindes, weiß die Regisseurin und Drehbuchautorin nicht, deren Spielfilmdebüt die Moral des Betrachters hinterfragt, ohne sich über die eigene im Klaren zu sein. Gleich dem von Asias Argentos überlegenem Drama über eine pathologische Mutter-Kind-Beziehung The Heart is deceitful above all Things verlockt I´m Not a F**king Princess als manierierter Spaziergang durch ein makaberes Puppenhausszenario, dessen Bewohner unter ihrer Porzellanhaut leblos und hohl sind. Gleich Hannahs verschlingender Liebe hat das Exaltierte etwas Verlockendes. Im Grunde aber ist es zum Weglaufen.
