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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:06

Don´t be afraid of the Dark - Fantasy Filmfest Eröffnungsfilm

18.08.2011

Haus der langen Schatten

»Als das erste Baby zum ersten mal lachte, zerbrach sein Lachen in Millionen Stücke, die herum sprangen. Das war der Ursprug der Feen.« Nach J. M. Barries Zitat sind die Elfen geboren aus einem zerstörten Kinderlachen, das in den düsteren Sälen des alten Anwesens widerzuhallen scheint, in das die kleine Sally (Bailee Madison) mit ihrem Vater Alex (Guy Pearce) gezogen ist. Mit seiner Freundin Kim (Katie Holmes) will der Architekt das Gemäuer restaurieren, das nicht so verlassen ist wie es scheint. Aus den finsteren Ecken des Hauses locken in Troy Nixeys Remake des Fernsehspiels, welches Co-Drehbuchautor Guillermo del Toro als Kind Alpträume bereitete, dessen (un)heimlichen Bewohner: Geschöpfe mit schmeichelnden Stimmen und scharfen Zähnen, deren Absichten dunkler sind als die Kellergewölbe, aus denen die dämonischen Kreaturen hervorgekrochen sind. Von LIDA BACH.

 

Als in sich gekehrtes Mädchen, aus deren Augen der wissende Blick einer Erwachsenen von einer beunruhigenden verfrühten Reife kündet, teilt die zehnjährige Sally das Schicksal ihrer filmischen Vorgängerin aus dem gleichnamigen TV-Film von 1973. Sie ist eine Vernachlässigte, deren Bedürfnisse genauso übergangen werden wie ihre Ängste. Sind sie aus Sallys Mund zum Schweigen gebracht, flüstern sie umso eindringlicher aus den lichtlosen Ecken des Anwesens. Wenn sie verstummt, scheint das Haus, in dessen ebenholzfarbenem Schnitzwerk und verblassten Tapeten die Geschichte des Ortes fast graphisch eingeschrieben scheint, für sie weiter zu sprechen. »It was like a myth of childhood.« (Guillermo del Toro über Don´t be afraid of the Dark, 1973).

 

Gleich einer Verirrten durchstreift Sally das alte Haus, dessen hohe Zimmer sie klein und verloren erscheinen lassen und so visuell ihre psychische Nähe zu den Kreaturen betonen. Der Comiczeichner, der die verschlungenen Fantastereien Neil Gaimans und Mike Mignolas zu Papier brachte, ist Troy Nixey – ein versierter Arrangeur von Szenenbildern. Spannung erzeugt er mehr aus gespenstischen Details aus als den Erlebnissen der Charaktere.

 

The People in the Shadows

Drei entscheidende Veränderungen vollzieht Guillermo del Toro und Matthew Robbins Drehbuch an den Kreaturen. Das Organische ihrer Art weicht verrenkten Körperchen mit Fangzähnen und grellen Knopfaugen, die die makellose CGI-Animation noch surrealer machen. Ihr Konsens ist nicht mehr das gespenstische »All the time in the world...«, sondern, dass ein Leben genommen werden muss. Der Aspekt des Opferns tritt am deutlichsten im Prolog des Remakes hervor, der die Vorgeschichte des Hauses erzählt, und die Kreaturen mit uralten Naturgeistern verknüpft, die durch die Gabe von Blutopfern besänftigt werden können. Ihr Hunger ist universeller Natur, der sich nur zufällig Sally zum Ziel wählt, während die Monster des Originals schon immer auf ihre Befreierin gewartet zu haben scheinen.

 

Der unvorstellbare Schrecken einer Ewigkeit gefangen im Reich der Kreaturen weicht einer konkreten Bedrohung durch den Tod. Solange die Wesen im Verborgenen verharren, wecken ihre flüsternden Stimmen märchenhaften Schauer, der verfliegt wenn »Don't be afraid of the Dark« sie zu früh und zu detailliert vorführt. Ihre Lichtscheue wird zu skurriler Ironie, als wollten sie sich vor den Protagonisten ebenso wie vor dem Publikum verbergen. Nach ihrer Enthüllung ähneln sie Mini-Monstern, deren immer heftigere Attacken den psychologischen Subplot unterwandern. Trügerisch ist so nicht mehr der beschwichtigende Titel, sondern dessen unheimliche Suggestion »Don´t be afraid of the Dark.«

 

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