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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:07

The Veteran - Fantasy Fimlfest Special

25.08.2011

Die Verdammten des Krieges

»Du bist entweder für uns oder du bist gegen uns.« So absolut sind die Bedingungen des Krieges. Es gibt nur Verbündete und Feinde, kein Dazwischen und keine Neutralität. Gerade erst ist Robert Miller auf dem Kampfschauplatz angekommen, doch einen Moment der Ruhe findet er nicht. Um den britischen Irakkriegs-Soldaten (Toby Kebbell) tobt ein Gebietskrieg zwischen Drogenbaron und bewaffneten Banden, in dem jene, welche die Sicherheit wiederherstellen sollen, so skrupellos handeln wie der Feind. Robert muss sich entscheiden, ob er zu den Guten gehören will oder den Bösen. Doch wer sind in Matthew Hopes resigniertem Polit-Thriller die Guten? Und gibt es hier überhaupt noch Gute? Von LIDA BACH

 

The Veteran macht sich darüber so wenig Illusionen wie sein zerrissener Antiheld. The Veteran ist ein Kriegsdrama, doch sein bitteres Kinodebüt inszeniert Hopkins nicht in der irakischen Wüste, sondern der Betonwüste Londons südlicher Außenbezirke. Die klaustrophobische Enge heruntergekommener Wohnsiedlungen und düsterer Straßen doubliert Roberts seelisches Gefängnis um ihn herum. Seine wütenden Schläge gegen die Wände der stickigen Mietwohnung spiegeln den vergeblichen Ausbruchsversuch aus der emotionalen und existentiellen Sackgasse. Das Trauma hat sich so tief in Roberts Psyche gefressen, dass es ein Teil seiner selbst geworden ist, den keine Katharsis exorzieren kann.

 

Psychologische Schlachtfelder

Die stumme Eingangssequenz zeigt ihn als Gefangenen seiner existentiellen und seelischen Leere, die so abrupt in Gewalt umbricht wie das gärende Komplott um ihn herum. Schleichend entgleiten ihm seine Selbstkontrolle und die deprimierende Realität. Adaptieren kann er sich im Gefecht, nicht im Alltag. Der Krieg gegen den Terror tobt in seinem Inneren; indem er sich für das Geheimkommando, dem auch sein einstiger Kampfgefährte Danny (Tom Broke) und dessen Bruder Chris (Tony Curran) angehören, rekrutieren lässt, externalisiert er ihn nur.

 

Robert kämpft für sein Land und den Finanzier Gerry Langdon (Brian Cox), der so undurchsichtig ist wie die Agentin Alanya (Adi Bielski), die beim Infiltrieren der avisierten Terroristenorganisation ihre Sympathien verlagert haben könnte. Robert kämpft gegen den Feind, der überall und in jedem lauern kann, und den Feind in seinem Inneren. Das Spielfeld hat sich geändert, die Regeln sind die gleichen geblieben. Kriegsheimkehrer Robert kennt sie nur zu gut, und Langdon ist nicht der einzige, der von dessen Kampferfahrung profitieren will.

 

Der den Drogenhandel und das Wohnviertel kontrollierende Bandenführer Jones (Ashley Thomas) stellt Robert das Diktum des »Für uns oder gegen uns«. Mit sarkastischer Akkuratesse erklärt Jones, dass sie im Grunde an gleicher Front kämpften, für den Zugriff des Westens auf arabisches Opium. In ihrem Kontrollanspruch und Profitstreben wird die Drogengang als schädigender Eindringling im Wohngebiet zur Metapher für die amerikanische Militärpräsenz im Irak. Organisiertes Verbrechen und organisierte Kriegsführung werden zu zwei Seiten der gleichen Medaille: Auffangbecken für die gebrochenen Existenzen, zu denen Robert und Danny genauso gehören wie Roberts Freund Farhad (Ivanno Jeremiah) und dessen krimineller kleiner Bruder (Eboseta Ayemere).

 

Gemeinschaft, Zusammenhalt sind nur hohle Worte auf Flugblättern, die sich für Robert nur im Erhalt des soldatischen Schemas in erfüllen. »Wir verdienen weiter Geld, während die Welt brennt«, sagt Langdon zynisch, dessen tatsächliche Ziele so unscharf sind wie Roberts Blick auf die Ereignisse.

 

»Furcht ist Kontrolle.« (The Veteran)

In seiner Dekonstruktion gesellschaftlicher Ideale wandelt sich Hopes pessimistisches Werk vom Kriegsdrama zur sozialen Dystopie, die neben dem Heimkehrer die Heimat selbst demontiert. Rauch- und Aschefarben erschaffen vor seinen Augen ein von Gewalt versengtes Niemandsland, das er von den brennenden Städten des Irak immer weniger unterscheiden kann. Hinter seiner Apathie zuckt eine unberechenbare Anspannung, die parallel zu der Verschwörung, die ihn festhält, ins Konfuse wächst. Jeder der Charaktere offeriert eine eigene Theorie, die ihn wie zufällig entlastet. Politische und soziale Feindbilder verstricken sich zu einem Netz, hinter dem sich ein mächtigeres weltpolitisches Netz andeutet. Furcht sei die Rechtfertigung, sagt Langdon. Rechtfertigung zur Blendung der Öffentlichkeit oder für einen langsamen privaten Amoklauf, wie ihn The Veteran zeigt.

 

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