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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:07

Cowboys & Aliens - Fantasy Filmfest Special

19.08.2011

Aliens im Wilden Westen

»Was ist dieses Ding?« - »Was fragst du mich das?« - »Weil du es geschossen hast.« Das Ding ist Cowboys & Aliens, der von den Protagonisten über den Plot bis zu den Kulissen einen solchen Überfluss an Stereotypen und Klischees bündelt, dass fünf Drehbuchautoren und zwei Genres nötig waren, um sie in einem phänomenalen cineastischen Scheitern zu vereinen. Leider kommt die filmtechnische Zweideutigkeit des zitierten Dialogs in der Übersetzung weniger gut zur Geltung. Schon deshalb sollte Jon Favreaus mit selbstsicherer Inkompetenz inszenierter Film unbedingt in der Originalfassung angeschaut werden. Findet LIDA BACH.

 

Wenn es einen Grund gibt den Science-Fiction-Western zu sehen, sind es die Dialoge. Wenn. Der Grund für die notorische Schweigsamkeit des typischen Western-Helden scheint nach Cowboys & Aliens zu urteilen, dessen Tendenz zu unfreiwillig komischen Äußerungen. Der Ärger über deplatzierte Kommentare lässt selbst Rivalen wie den mysteriösen Fremden (Daniel Craig) und den erbitterten Viehbaron Dolarhyde (Harrison Ford) in der gleichen drohenden Tonlage in den gleichen rüden Worten Schweigen gebieten. Favreaus Zitat-Eifer hingegen schweigt nicht.

 

Die Eröffnungssequenz gibt den Auftakt zu einer Reihe von Standardszenen aus Western und Science-Fiction, die man fast alle schon mehrfach gesehen hat. Gleich einem Urahnen von Jason Bourne erwacht der Fremde inmitten der Wüste, ohne Gedächtnis, doch dafür mit einer seltsamen Manschette am Handgelenk. Seine Erinnerung mag beeinträchtigt sein, nicht jedoch seine Kampffähigkeit. Nachdem er einem von drei leichtsinnigen Banditen das Pferd abgenommen hat, ist der Fremde schon einsamer Reiter, nachdem er sich von Dolarhydes arrogantem Sohn Percy (Paul Dano) provozieren lässt, ist er geächtet.

 

The Alien-Alamo

Als ein Steckbrief ihn als berüchtigten Wegelagerer Jake Lonergan identifiziert, wird der Namenlose zum Gesetzlosen. Das sich anbahnende Duell ist epischer als es das schäbige Minenbauernkaff Absolution je erlebt hat. Die unmenschlichen Wilden, die hilflose Bewohner entführen, greifen von jenseits der ewigen Jagdgründe an. »Sie unterschätzen dich«, verrät die schusssichere Ella (Olivia Wilde) Jake, der die zerstörerische Kraft seines rätselhaften Armaccessoires entdeckt. Dass sich das für Merchandising wie geschaffene Handgelenkutensil Jakes als Superwaffe gegen die Ufos entpuppt, überrascht nicht. Was die Aliens in den Wilden Westen lockt umso mehr – sie wollen Gold. Es geht nicht nicht nur um Leben und Tod, sondern die letzte sichere Wertanlage. Dass die Außerirdischen dafür in den Krieg ziehen statt die Menschheit mit Hochtechnologie zu vernichten, hängt vermutlich mit schmutzigen Machenschaften der Alien-Waffenlobby und korrupter Alien-Politiker zusammen.

 

Doch »Aliens, die auf Ziegen starren« und »The Inhumanoid Hurt Locker« stehen auf einem anderen Drehbuchblatt. Vorerst wartet die Kinoadaption von Scott Michael Rosenbergs Comic mit einem Who-is-Who von Western-Protagonisten auf: der verschreckte Saloon-Besitzer Doc (Sam Rockwell), der bedächtige Priester (Clancy Brown) und der aufrechte Sheriff. Letzten verkörpert Keith Carradine, dessen Großvater in einem nicht unähnlichen Genre-Mix mitwirkte: Billy The Kid vs. Dracula. Zusammen mit Jesse James meets Frankenstein's Daughter erinnert der Trash-Kult daran, dass selbst der mit dem Plot eines B-Movies aus der untersten Schlock-Schublade und dem Budget eines Hollywood-Blockbusters inszenierte Hybrid aus The Alamo und Invasion aus dem Weltraum nicht so originell ist, wie es das Marketing vorgibt.

 

Das Science-Fiction-Kinos der fünfziger Jahre projizierte auf die außerirdischen Invasoren das Feindbild, das im Western die Indianer repräsentierten. Favreaus Vereinigung zweier zeitloser Genre-Topoi tarnt deren reaktionäre Paranoia, indem er sie potenziert. Nichts eint so stark wie gemeinsamer Hass. Wird der Feind des Feindes zum Verbündeten, kann das vereinte Vorgehen gegen das dämonisierte Fremde als Toleranz dargestellt werden. Warum das krude Filmduell von Schießbudenfiguren und CGI-Monstern dennoch schuldbewusste Kinounterhaltung liefert, knurrt Dolarhyde auf der Leinwand: »Mann, das ist lächerlich!«

 

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