The Alien-Alamo
Als ein Steckbrief ihn als berüchtigten Wegelagerer Jake Lonergan identifiziert, wird der Namenlose zum Gesetzlosen. Das sich anbahnende Duell ist epischer als es das schäbige Minenbauernkaff Absolution je erlebt hat. Die unmenschlichen Wilden, die hilflose Bewohner entführen, greifen von jenseits der ewigen Jagdgründe an. »Sie unterschätzen dich«, verrät die schusssichere Ella (Olivia Wilde) Jake, der die zerstörerische Kraft seines rätselhaften Armaccessoires entdeckt. Dass sich das für Merchandising wie geschaffene Handgelenkutensil Jakes als Superwaffe gegen die Ufos entpuppt, überrascht nicht. Was die Aliens in den Wilden Westen lockt umso mehr – sie wollen Gold. Es geht nicht nicht nur um Leben und Tod, sondern die letzte sichere Wertanlage. Dass die Außerirdischen dafür in den Krieg ziehen statt die Menschheit mit Hochtechnologie zu vernichten, hängt vermutlich mit schmutzigen Machenschaften der Alien-Waffenlobby und korrupter Alien-Politiker zusammen.
Doch »Aliens, die auf Ziegen starren« und »The Inhumanoid Hurt Locker« stehen auf einem anderen Drehbuchblatt. Vorerst wartet die Kinoadaption von Scott Michael Rosenbergs Comic mit einem Who-is-Who von Western-Protagonisten auf: der verschreckte Saloon-Besitzer Doc (Sam Rockwell), der bedächtige Priester (Clancy Brown) und der aufrechte Sheriff. Letzten verkörpert Keith Carradine, dessen Großvater in einem nicht unähnlichen Genre-Mix mitwirkte: Billy The Kid vs. Dracula. Zusammen mit Jesse James meets Frankenstein's Daughter erinnert der Trash-Kult daran, dass selbst der mit dem Plot eines B-Movies aus der untersten Schlock-Schublade und dem Budget eines Hollywood-Blockbusters inszenierte Hybrid aus The Alamo und Invasion aus dem Weltraum nicht so originell ist, wie es das Marketing vorgibt.
Das Science-Fiction-Kinos der fünfziger Jahre projizierte auf die außerirdischen Invasoren das Feindbild, das im Western die Indianer repräsentierten. Favreaus Vereinigung zweier zeitloser Genre-Topoi tarnt deren reaktionäre Paranoia, indem er sie potenziert. Nichts eint so stark wie gemeinsamer Hass. Wird der Feind des Feindes zum Verbündeten, kann das vereinte Vorgehen gegen das dämonisierte Fremde als Toleranz dargestellt werden. Warum das krude Filmduell von Schießbudenfiguren und CGI-Monstern dennoch schuldbewusste Kinounterhaltung liefert, knurrt Dolarhyde auf der Leinwand: »Mann, das ist lächerlich!«
