Im Reich ohne Sinne
Im Rahmen einer psychologischen Parabel greift die dem Untergang geweihte Romanze die Geschichte Helen Kellers auf, die sie auf symbolischer Ebene spiegelt und dramaturgisch in ihr Gegenteil verkehrt. Mackenzie wird zum »Miracle Worker«, der die innerlich vereinsamten Figuren aus der seelischen Isolation führt und sie gleichzeitig in ein sinnliches Dunkel schickt: eine absolute Finsternis kann auch die Liebe nicht mehr erhellen. Von den Exzessen, die unmittelbare Symptome der sensorischen Verstümmelung sind, scheint die intensive emotionale und physische Verbindung nur der längste. Der letzte verbleibende Sinn ist der taktile, durch den der Partner zum letzten wahrnehmbaren Subjekt für die Charaktere wird. Susan und Michael sind einander die Welt geworden, im emotionalen und im grausamen wörtlichen Sinn. Das Ende von Mackenzies morbider Utopie ist nicht romantisch, sondern grausam und straft die Zärtlichkeit, welche die süßlichen Szenen der Liaison erwecken, Lügen. Das absolutistische Konzept makelloser Liebe umschließt Sex als Kompensation von Todesangst, die Gewissheit wachsender physischer Abhängigkeit als Vertrauensersatz und die Erkenntnis eines Ideals zum Preis von dessen unerreichbarer Entrückung.
Der Titel verweist auf die Unvollkommenheit der Charaktere, die zusammenfinden, während die bedrückende Elegie ihren Auslöschung besingt. Als fühle er selbst die Vorzeichen der Epidemie schwelgt Perfect Sense in der eigenen Sinnhaftigkeit. Schmelzende Melodien, eine unbekannte Erzählerin (Katy Engels) und die explizite Erotik verwandeln, was eine düstere Seelenstudie hätte sein können, in ein sentimentales Horror-Märchen. In seiner Intimität, der schemenhaften, kühlen Farbpalette und dem gewählten Ensemble ergibt das elliptische Science-Fiction-Drama allegorisch, was ihm cineastisch mangelt: »Perfect Sense«.
