Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...
Louise und Spencer teilen eine Affinität zu Klassik, Alkohol und Serienmord. Mit morbider Neugier degustieren sie jeden Zeitungsartikel über eine neue Frauenleiche, die in dem schäbig-alternativen Stadtteil Montreals auftaucht. Mit Spencer teilt Victor eine Affinität zu Louise, die sich mal verführerisch räkelt, mal bissig zeigt und mit Louise die Affinität zu Katzen. Die Folgen der Gemeinsamkeiten auf das nachbarschaftliche Klima sind verhängnisvoll. Jeder täte Dinge in seinem Privatleben, die er nach außen hin niemals erklären könnte, sagt Grace Kelly in Das Fenster zum Hof. Ein Erkenntnis, die der eigenwillig konstruierte Plot von Good Neighbours wie so vieles mit Übereifer statt Feingespür vermittelt. Mit dem unbedarften Victor beginnt Jacob Tierneys poliertes kleines Psycho-Exposé, doch das neue Mitglied der pathologischen Hausgemeinschaft ist nicht Haupt-, sondern Leitfigur. Mit ihm zieht der Zuschauer in das Backsteingemäuer, dessen verfallende Fassade auf das Versteckte und Verdrehte deutet, das sich dahinter abspielt.
Seine Figurenkonstellation setzt der kanadische Regisseurs und Drehbuchautor aus Gegensatzpaaren zusammen, die einander gerade aufgrund ihrer Verschiedenheit anziehen. Eines dieser Paare sind Viktor und seine beiden neuen Bekannten. Sein jungenhaftes Wesen steht im Kontrast zu beider Verschrobenheit. Konträr zu ihrer Reserviertheit wächst seine Anhänglichkeit. Diese augenscheinliche Immunität gegen Zurückweisungen weckt schließlich die Neugier des Duos, ein ungesundes Interesse, das Viktor mit Freundschaft verwechselt. Während der Grundschullehrerberuf seine Extrovertiertheit unterstreicht, deutet Louises Kellnern auf ihre Unverbindlichkeit, und die seltsame Leere des Restaurants auf ihr einzelgängerisches Wesen. Letztes charakterisiert sie als Seelenverwandte ihrer Katzen. Haustiere sind die auffälligste Metapher, die das Ränkespiel für die Psyche der Good Neighbours verwendet. Spencer und Louise spiegeln einander in ihrer speziellen Beziehung zu ihren Tieren, deren Wesensart der ihrer Besitzer gleicht.