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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:08

Troll Hunter (Trolljegeren) - auf DVD!

01.09.2011

Troll dich!

»Die Leute wollen natürliche Erklärungen«, hat Hans jahrelange Arbeitserfahrung gelehrt. Fantastische Märchen zu glauben, aus alten Kinderbüchern oder höchsten politischen Kreisen ist einfach angenehmer, als naturwissenschaftlichen Fakten mit globalen Konsequenzen, der Ausbeutung von Arbeitern und einer staatlichen Vertuschungsaktion von nationaler Bedeutung ins Auge zu sehen. Im Grunde sind die jungen Studenten, denen der mürrische Einzelgänger (Otto Jespers) Einblick in seinen Berufsalltag gewährt, keinen Deut besser. Zuerst lassen sie sich mit ihren Dokumentarfilmabsichten nicht abschütteln, dann glauben sie seinen Arbeitsberichten nicht, bis sie der Wahrheit in die drei Gesichter an den drei Köpfen sehen, die Hans angekündigt hat: »Troll!«. Von LIDA BACH.

 

Als wäre die Aufgabe des »Trolljägers« in Andre Ovredals satirischer Horror-Mockumentary nicht gefährlich genug, verfolgen ihn Thomas (Glenn Erland Tosterud), Johanna (Johanna Mørck) und Kalle (Tomas Alf Larsen) mit ihrer Filmkamera aufgrund von Verdächtigungen der Wilderei und Spekulationen über die vermehrt auftauchenden Bärenkadaver. Entweder erledigt der eigens engagierte polnische Bärenlieferant (Robert Stoltenberg) seinen Job zu gut oder die Leute folgen zu leicht falschen Fährten, auch wenn es in geheimem Staatsauftrag gelegte Tatzenabdrücke sind. Hätte sein schmieriger Vorgesetzter Finn (Hans Morten Hansen) nur Empathie für Hans Arbeitsbedingungen und wäre Thomas mit seinen Dokumentarfilm-Ambitionen nicht so verdammt hartnäckig: »Michael Moore hat auch nicht beim ersten Versuch aufgegeben!«

 

Amateurregisseur Thomas und seine Crew, von denen laut einer einleitenden Titelkarte nur das bizarre Found-Footage zurückblieb, haben die Witterung des Trolljägers aufgenommen – und der Schleim, mit dem er sich professionell eingerieben hat, schützt ihn nur vor den Nasen seiner Beute. Mehr als das in den feuchten Grotten und in von Moos und Nadelbäumen überwucherten Unterschlüpfen gesammelte Tarnsekret stinkt dem Jäger allerdings, dass seine lebensgefährliche Tätigkeit so miserabel bezahlt ist und nicht einmal Überstunden angerechnet werden. Dabei ist Hans Norwegens einziger Spezialist für das Eindämmen der Wildpopulation, die ein Ungleichgewicht im Ökosystem aus ihren Reservaten treibt. Er weiß, dass Trolle im Sonnenlicht zu Stein werden, weil ihre Körper UV-Strahlen nicht zu Vitamin D verarbeiten können; man lockt sie an, indem man »Oh, what a friend we have in Jesus« singt, denn Trolle können Christen riechen - und sie stinken ihnen.

 

»Niemand glaubt hier an Gott oder Jesus«, knurrt der lakonische Titelcharakter, dessen ebenso amüsante wie punktgenaue Darstellung dem Zuschauer zugleich das Wesen eigenbrötlerischer Norweger und ihrer inoffiziellen Nationaltiere nahebringt. Ovredals Trolle sind keine Monster, sondern ähneln Tieren, die Menschen nur gefährlich werden, wenn jene die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen missachten. Zottige Haarbüschel überwuchern ihre an knorrige Bäume erinnernden Leiber wie Moos und Walddickicht die Fjordlandschaft; ihre zerfurchten Gesichter gleichen bizarren Steinfratzen, die das raue Klima in den Fels geschlagen hat. Furchterregend und von trauriger Erhabenheit symbolisieren sie das Wilde und Unheimliche einer Natur, von der sich der Mensch entfremdet hat und die zurückgedrängt werden muss, weil ihre Urgewalt im Widerspruch zur Moderne steht.

 

»Wenn man weiß, worauf man achten muss, sieht man, was von Trollen verursacht wurde.«

Verbannt in Reservate und Sagenwelt sind die Trolle der pseudo-dokumentarischen Exkursion in nordische Mythen, deren makaberer Witz der Genre-Bezeichnung Mockumentary gerechter wird als das Selbstreferenzielle von Cloverfield oder Grave Encounters; doppelt Marginalisierte einer Umwelt, in der die Zivilisation monströser scheint als sie selbst. Hinter der absurden Ernsthaftigkeit, mit der Hans Hochspannungsleitungen als Troll-Zäune und die Kreaturen selbst als Ursache globaler Erwärmung erklärt werden, verbirgt sich sarkastische Zivilisationskritik an einer Gesellschaft, die ihre technisierte Einschränkung der Natur ebenso ignoriert wie die Ursachen für deren ökologische Reaktionen – mögen sie auch laut brüllend stampfen und bibeltreue deutsche Touristen verspeisen.

 

Die grotesken Naturdämonen verkörpern gleich Wasserspeiern die Frevel und Fehler ihrer Betrachter; deren Bereitwilligkeit sich täuschen zu lassen und bürokratisierte Grausamkeit, die Troll-Kinder schlachten lässt, um einen Straßenausbau zu ermöglichen, doch für jeden getöteten Troll ein Formular verlangt. Die drolligen Schauer von Theodor Kittelsens Illustrationen norwegischer Folklore, die sich in der grausig-skurrilen Märchenwirklichkeit von Trollhunter erfüllen, zerstreut auch die Versicherung des Abspanns nicht: »No trolls were harmed during the making of this movie«.

 

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Ein sehenswerter Film aus Norwegen, der die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt auf eine sehr "außergewöhnliche" Art darstellt. Eine erfrischend 'unperfekte' und gerade deswegen unterhaltsame (und spannende) Alternative zu den oft allzu glatten und stereotypen Hollywood-Produktionen.
| von Jörg Fuchs, 02.09.2011

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