Als wäre die Aufgabe des »Trolljägers« in Andre Ovredals satirischer Horror-Mockumentary nicht gefährlich genug, verfolgen ihn Thomas (Glenn Erland Tosterud), Johanna (Johanna Mørck) und Kalle (Tomas Alf Larsen) mit ihrer Filmkamera aufgrund von Verdächtigungen der Wilderei und Spekulationen über die vermehrt auftauchenden Bärenkadaver. Entweder erledigt der eigens engagierte polnische Bärenlieferant (Robert Stoltenberg) seinen Job zu gut oder die Leute folgen zu leicht falschen Fährten, auch wenn es in geheimem Staatsauftrag gelegte Tatzenabdrücke sind. Hätte sein schmieriger Vorgesetzter Finn (Hans Morten Hansen) nur Empathie für Hans Arbeitsbedingungen und wäre Thomas mit seinen Dokumentarfilm-Ambitionen nicht so verdammt hartnäckig: »Michael Moore hat auch nicht beim ersten Versuch aufgegeben!«
Amateurregisseur Thomas und seine Crew, von denen laut einer einleitenden Titelkarte nur das bizarre Found-Footage zurückblieb, haben die Witterung des Trolljägers aufgenommen – und der Schleim, mit dem er sich professionell eingerieben hat, schützt ihn nur vor den Nasen seiner Beute. Mehr als das in den feuchten Grotten und in von Moos und Nadelbäumen überwucherten Unterschlüpfen gesammelte Tarnsekret stinkt dem Jäger allerdings, dass seine lebensgefährliche Tätigkeit so miserabel bezahlt ist und nicht einmal Überstunden angerechnet werden. Dabei ist Hans Norwegens einziger Spezialist für das Eindämmen der Wildpopulation, die ein Ungleichgewicht im Ökosystem aus ihren Reservaten treibt. Er weiß, dass Trolle im Sonnenlicht zu Stein werden, weil ihre Körper UV-Strahlen nicht zu Vitamin D verarbeiten können; man lockt sie an, indem man »Oh, what a friend we have in Jesus« singt, denn Trolle können Christen riechen - und sie stinken ihnen.
»Niemand glaubt hier an Gott oder Jesus«, knurrt der lakonische Titelcharakter, dessen ebenso amüsante wie punktgenaue Darstellung dem Zuschauer zugleich das Wesen eigenbrötlerischer Norweger und ihrer inoffiziellen Nationaltiere nahebringt. Ovredals Trolle sind keine Monster, sondern ähneln Tieren, die Menschen nur gefährlich werden, wenn jene die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen missachten. Zottige Haarbüschel überwuchern ihre an knorrige Bäume erinnernden Leiber wie Moos und Walddickicht die Fjordlandschaft; ihre zerfurchten Gesichter gleichen bizarren Steinfratzen, die das raue Klima in den Fels geschlagen hat. Furchterregend und von trauriger Erhabenheit symbolisieren sie das Wilde und Unheimliche einer Natur, von der sich der Mensch entfremdet hat und die zurückgedrängt werden muss, weil ihre Urgewalt im Widerspruch zur Moderne steht.