The Bodies in the Barrels
John hat konkrete Vorstellungen davon, was zu tun ist – und das Ziel, sie umzusetzen. Troy sollte man fertigmachen. Troy, Pädophile, Homosexuelle, geistig Behinderte, Drogensüchtige und all diejenigen, bei denen John ein mieses Gefühl hat. Wenn John sie fertigmacht, mit Zangen, Messern und unvorstellbarer Bestialität, hat John das miese Gefühl nicht; und wenn Jamie es spürt, ist es zu schwach, um ihn abzuhalten. Jamie beobachtet, lernt und wendet das Erlernte an. Schlafwandlerisch ergibt er sich dem Kult um John, John Bunting, Australiens berüchtigstem Serienmörder.
Kurzel beklemmendes Debüt zieht in einen abgeschlossenen Mikrokosmos, in dem Kameradschaft und Zuneigung zu seelischem und physischem Missbrauch pervertieren. Beziehungsanalyse und Gesellschaftsstudie bündelt der australische Regisseur zu einem filmischen Erdbeben, das psychologische Risse und soziale Abgründe aufreißt und den Zuschauer erschüttert zurücklässt. Der Außenbezirk ist topografische Allegorie sozialer Marginalisierung. Verrohung und Brutalität sind nicht Folgen von Armut, sondern seelischer Verwahrlosung, Monotonie und willkürlicher Aggression, die in stillschweigend sanktionierten Vigilantismus mündet.
Unter der brütenden Apathie vibriert eine dumpfe Intensität, die sich nur in pathologischer Form manifestieren kann. Von Unrat und Sperrmüll gesäumten Straßen verlieren sich zwischen heruntergekommenen Geschäften und Sozialbauten in eine menschliche Randzone. Richtet sich die Kamera auf die gleißende Sonne, erschrecken solche Aufnahmen fast in ihrer plötzlichen Weite und Strahlkraft. Das bleierne Grau und die ausgeblichenen Farben verschmelzen mit den Geräuschen des ständig laufenden Fernsehers und dem pochenden Soundtrack zum Herzschlag des quälenden Seelenhorrors.