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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:12

Freunde mit gewissen Vorzügen - Friends with Benefits - ab heute im Kino!

08.09.2011

Eine selbstreferentielle Satiroparodie?

Scheiß auf all die blöden Filmklischees von wahrer Liebe! Scheiß auf Katherine Heigl. Von jetzt an werde ich mich emotional abschotten wie George Clooney. Warum haben diese Filme immer so einen bescheuerten Soundtrack? Damit man weiß, wie man sich fühlen soll. Und dann dieser dämliche Popsong am Ende, der mit der gesamten Handlung überhaupt nichts zu tun hat, der einen davon überzeugen soll, dass man sich super amüsiert hat: bei einem Scheißfilm. All das behaupten Jamie und Dylan, die über die Klischees des Genres herziehen, in dem sie sich selbst wiederfinden, als sie Freunde mit gewissen Vorzügen werden und sie ihr Verhalten von den Stereotypen der Filmkategorie diktieren lassen, dem sie in inniger Hass-Liebe verbunden sind: »Romantische Komödien!« Ein Genreeinblick von LIDA BACH.

 

Mit trügerischer Überlegenheit charakterisieren Jamie (Mila Kunis) und Regisseur Gluck in einem Dialogsatz das Genre, dessen gekünstelte Realität sie leben wollen. Die junge Headhunterin, der Webdesigner (Justin Timberlake) und ihr Regisseur und Drehbuchautor des Films ziehen über die gekünstelte Filmrealität her, die sie selbst leben wollen, und weil Friends with Benefits durch und durch zur Sorte »Romantische Komödien« gehört, wird ihr Wunsch nicht enttäuscht, sondern erfüllt sich gleich zweifach: auf der Leinwand für Jamie und Dylan, vor der Leinwand für Will Gluck und das Publikum, das all die innerhalb der Handlung durch Poster, Anzeigetafeln und Anspielungen zitierten Filmtitel zu Hause im Regal stehen hat, um sie immer wieder anzusehen. Genau wie Jamie und Dylan. »Romantische Komödien!«, sagt Jamie zu Beginn in einem abgeklärten Tonfall, der alle weiteren Erklärungen überflüssig macht, die im Anschluss selbstverständlich dennoch geliefert werden.

 

Liebe auf Umwegen

Filmische Klischees diktierten den Menschen, wie sie sich zu verhalten hätten. Eine Befürchtung, welche die zahlreichen cineastischen Referenzen des Plots mehr als begründet erscheinen lassen. Selbst Oscar Wilde würde unheimlich angesichts der Unerbittlichkeit, mit der das Leben innerhalb der Handlung das Künstliche nachahmt. Jamies verplante Hippie-Mutter (Patricia Clarkson) will mit ihrer Tochter ein Wochenende »wie in einem Film von Norah Ephron« verbringen. Woody Harrelson als Dylans schwuler Arbeitskollege Tommy springt beim Basketball herum, wie Woody Harrelson in White Men can't jump. New York ist so quirlig, ruppig und witzig wie in Seinfeld, Männer und Frauen können keine Freunde sein wie in Harry und Sally; und schlagfertige Männer und Frauen können nicht zusammen arbeiten, ohne sich zu verlieben – wie in His Girl Friday.

 

Jeder könne sich verlieben, sagt Jamie, wenn ein reicher Geschäftsmann und eine Prostituierte sich verlieben können wie in Pretty Woman, der modernen Romantikkomödie, an die Freunde mit gewissen Vorzügen heranreichen will. Sogar ein abgebrühter Reporter und eine reiche Erbin wie in It happened one Night, dürfen hier nicht fehlen. Ebenso wenig wie der dickliche Typ und die alternde Frau, die ständig von Pfannkuchen reden und in einer weißen Kutsche davonfahren, wie in Dylans und Jamies fiktionaler Lieblingsschnulze, von der sich Friends with Benefits radikal absetzen will. Indem sie das Kontra-Vorbild zur Parodie des Ideals macht, dem er nacheifert, endet die Romanze unweigerlich in der Selbstparodie.

 

»Rag Doll, livin´ in a movie Try and sell me on an old dream, a new version of the old scene« (Aerosmith)

Keusche Sexszenen, die nie die Jugendfreigabe gefährden, dramatische familiäre Konflikte von Dylans an Alzheimer leidendem Vater und Jamies pflichtvergessener Mutter, verkappte Homophobie, die den karikaturesken Schwulen die Bedeutung heterosexueller Paarbeziehungen betonen lässt. Die von den Figuren aufgezeigten romantischen Konventionen verinnerlicht der Plot nicht nur, er übertrumpft sie. »Ich weiß, dass du möchtest, dass dein Leben wie ein Film ist«, sagt Dylan, bevor er Jamie in letzter Sekunde ein spektakuläres Liebesgeständnis macht.

 

Der Metatext der Romanze steht exemplarisch für eine heuchlerische Satire, die Referenz mit Selbstreferenz und Selbstreferenz mit Selbstironie verwechselt – bis der dämliche Popsong am Ende einen davon überzeugen soll, dass man sich super amüsiert hat: bei einem Scheißfilm.

 

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