Bilder einer Ausstellung
Dass man »das« als Beruf ausüben kann, sei ihm nicht bewusst gewesen. Mit Grauen erinnert sich Richter an seine Stationen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, der seinen Neigungen entgegenkommt. Schließlich wurde es eine Ausbildung zum Bühnen- und Werbemaler, die Richter 1949 begann. Den Aufnahmeantrag, den er ein Jahr später an der Dresdner Hochschule für bildende Künste stellte, wurde abgelehnt. Seine Eltern und Gemälde musste er bei der Flucht aus der DDR im Februar 1961 zurücklassen. Einen Teil seiner Bilder sah er wieder, die Eltern nie. Noch immer schmerzt ihn diese abrupte endgültige Trennung, lässt der diskrete Blick der Kamera erahnen. Man habe kein Gefühl dafür, dass die Menschen altern und sterben, erzählt Richter, es sei, als blieben sie unverändert: »Wie Eisleichen.«
Es ist einer der raren Momente, in denen die ganz auf das zeichnerische Schaffen zentrierte Dokumentation direkt zur Biografie ihres Studiensubjekts vordringt. Vielmehr ist der persönliche Hintergrund des Malers, Fotografen und Bildhauers unterschwellig konstant präsent gleich den übermalten Farbschichten auf den Leinwänden, auf denen das Abschaben unerwartete Nuancen hervorbringt, die Richter selbst überraschen. Eine helle Bahn von Zitronengelb zeigt sich unter der Deckschicht, als hätten die Farben absichtliche eine der bevorzugten Töne des Künstlers gemischt. »Primärfarben: Elfenbein-Schwarz, Stahl-Weiß. Keine Exoten wie Neapel-Gelb«, schätze Richter besonders, sagtt ein Galeriegehilfe. Ihre Aufgabe ist das Anrühren und Sieben der Farbmasse. Jedes Klümpchen zieht die umliegende Farbe anders ein und verändert den Effekt beim Abtragen.