Boss und Bully
Niemand kann sich mehr leisten zu kündigen, sogar einem Vorgesetzten, der den Vorstandsposten, auf den man acht Jahre lang hingearbeitet hat, einfach selbst besetzt. Jede Erniedrigung muss runtergewürgt werden wie das Glas 18 Jahre alten Scotch, das Mr. Harken Nick aufnötigt. Selbst die Intimsphäre ist nicht sicher, weil Frau Doktor einen wie eine fleischgewordene Fantasie aus der jüngsten Penthouse-Ausgabe bei der Patientenbehandlung mit der Munddusche nassspritzt und einen unter Vollnarkose für Sex-Spielchen missbraucht. Leitende Angestellte wie Kurt werden vor die Wahl gestellt, den Kollegen im Rollstuhl oder die Mitarbeiterin mit dem Babybauch zu feuern, während der neue Chef im Nebenzimmer mit Callgirls feiert und über die verantwortungsvolle Firmentradition seines Vaters die Koksnase rümpft. In einer dunklen Ecke seines von Klamauk erfüllten Herzens will Gordons cineastische Sitcom das Aufbegehren des kleinen Mannes feiern; genauer gesagt: von drei kleinen Männern.
Ihre potentiellen Opfer sind derart bizarr, dass die Todespläne so possenhaft wie die Wile E. Coyotes gegenüber Road Runner wirken, und Sudeikis, Day und Bateman gehen mit jungenhaftem Humor in ihren Rollen auf, wenn auch die heimlichen Stars Farrel und Spacey bleiben. Ein wenig unfair ist nur, dass zwei weiße Gutverdiener und ein weißer Besserverdiener mit versuchtem Doppelmord davonkommen, während ein schwarzer Schlechtverdiener zehn Jahre im Knast landet, weil auch Raubkopierer von Ethan-Hawke-Schnulzen Verbrecher sind. Der mit pakistanischem Akzent sprechende Fahrtencoach, der aus Kurts Autocomputer spricht, und der wie eine förmliche Version von Michael Knights K.I.T.T. wirkt, wird für seinen miesen Job verspottet, der ihm einen englischen Berufsnamen anstelle des fremdländischen eigenen aufzwingt. Akmanand? Aktmatand? »Ich nenne dich Gregory“, so Mr. Harkens.
Alle weiblichen Charaktere, abgesehen von Dale ahnungsloser Verlobter (Lindsay Sloane), sind Sexobjekte und die homophoben Witze lassen keinen Tiefpunkt unergründet. Von unhygienisch manipulierten Badezimmerartikeln über Missbrauch und Transvestiten bis hin zu männlicher Prostitution, repräsentiert durch Jones. Sie verweisen darauf, worum es ganz eigentlich geht: Kastration. Dem Figuren-Trio droht sie durch sexuell aggressive Frauen, sexuell potentere Männer und sexuell ambivalente Sprache, denen sie aufgrund ihrer beruflichen Unterlegenheit ausgeliefert sind, und angedeutete eigene Homophilie. Wie in Strangers on a Train. Mit dessen krude variiertem Plot, hingebungsvollen Darstellern und dem böse-sympathischen Titel unterhält Kill The Boss als frotzelndes Buddy-Movie voller populärkultureller Anspielungen. Hypothetisch.