Über Gert Voss, den genialen Schauspieler, ist fast alles gesagt. Ob er »unumstritten als bedeutendster deutschsprachiger Theaterschauspieler seiner Generation« gilt, wie es im Vorspann heißt, sei dahingestellt. Auch Bruno Ganz, Otto Sander, Peter Fitz, Christian Grashof, Ignaz Kirchner, Branko Samarovski, Martin Schwab, Thomas Thieme, Manfred Zapatka, Josef Bierbichler und manch andere – nicht zu vergessen der unvergleichliche Ulrich Wildgruber, der sich, wie schon ein Vorbild von Gert Voss, Norbert Kappen, das Leben nahm – sind nicht ganz schlecht.
Aber wer benötigt solche Hitlisten? Die mögen für Peter Kraus, Falco, die im Film am Rande erwähnt werden, oder für André Heller selbst tauglich sein – im Theater sind sie es nicht. Hier im Film plaudert Voss aus dem Nähkästchen. Und wir erfahren Intimes über Claus Peymann, George Tabori, Peter Zadek, Luc Bondy, Peter Stein, die hervorragenden Regisseure ihrer Generation, mit denen Voss im Lauf seiner Karriere gearbeitet hat. Wir erfahren Anekdotisches, auch Komisches, vor allem aber, wie sie arbeiten, welche Eigenarten sie dabei auszeichnen und was sie unterscheidet.
Was sie mit einander und mit Gert Voss verbindet, ist die bedingungslose Liebe zur Schauspielkunst. Und so hat dieses Gespräch keinen Augenblick den Charakter einer Abrechnung. Es ist vielmehr Ausdruck von Dankbarkeit und auch Bewunderung für Kollegen, die einem großen Menschendarsteller behilflich waren bei seiner Arbeit, denen er Erkenntnisse verdankt und Herausforderungen, die ihn wachsen ließen. Kein Wort der Eifersucht, wenn Voss von anderen Schauspielern spricht, sondern Respekt und Freude über deren Leistungen, ob es sich um seine unmittelbare Kollegen handelt wie Branko Samarovski, Ignaz Kirchner, Kirsten Dene, Ulrich Wildgruber oder Hermann Lause oder um die Idole seiner Jugend wie etwa Fritz Kortner. Über den Burgtheaterdirektor Hartmann spricht Harald Schmidt, und es ist wenig schmeichelhaft, was er zu sagen hat.