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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:17

The Binding of Isaac

18.10.2011

Like a Roguelike

Das neuste Spiel von Florian Himsel und Super Meat Boy Erfinder Edmund McMillen lässt ein heulendes Baby gegen morbide Monster kämpfen und bricht das Konzept Roguelike aufs Nötigste herunter. Was macht es so erfolgreich? Von DENNIS KOGEL.

 

Über 7 Stunden und Tausende jedes Mal bittere Videospieltode – und ich bin noch keinen Schritt näher daran, das Ende eines Spiels zu sehen, dessen Durchspielen ungefähr eine halbe Stunde einnehmen sollte. The Binding of Isaac ist schwer, es ist gemein, es hat keine Liebe übrig für seine Spieler. Es ist gut, verdammt gut und verdammt süchtig machend. Und es ist sehr unüblich. Edmund McMillen ist nicht dafür bekannt, unfair zu sein. Streng, ja. Zusammen mit Tommy Refenes hat er mit Super Meat Boy ein Meisterwerk in Schwierigkeitsdesign geschaffen, ein Spiel, das viel fordert, und gleichsam belohnt. The Binding of Isaac ist hingegen eine Todesfalle. Warum also überhaupt weiterspielen?

 

Am Szenario kann es nur bedingt liegen. Super Meat Boy war mit seinen Kettensägen und Höllenschlunden Itchy & Scratchy; in Binding of Isaac macht Edmund McMillen auf Ren & Stimpy und dreht den Ekelfaktor in die Höhe. Weil ihn seine Mutter opfern will, flüchtet Isaac, ein glupschäugiges, nacktes Kind, durch Verliese voller Blut spuckender Maden, hüpfender Monsterköpfe, unzähliger Videospielreferenzen (Zelda! Bomberman! Centipede!) und bösartiger Fliegen, um letztendlich (danke, Videospiellogik) wieder die eigene Mutter zu konfrontieren.

 

Schokoladenmilchspucke

The Binding of Isaac ist, grob betrachtet, vor allem ein Twin Stick Shooter. Isaac läuft rum, und macht mit seinen Tränen, in 4 Richtungen schießend, Feinde kaputt. Und dann ist es aber auch vor allem ein Roguelike: die Dungeons sind zufällig generiert, die Gegner treten in unterschiedlichen Variationen auf, Isaac kann das wunderlichste Zeug aus Schatzkisten aufsammeln und kriegt damit Vor- oder Nachteile, etwa aufladbare Schokoladenmilchspucke oder Dämonenflügel. Das Wichtigste dabei: Versagt der Spieler, fängt alles wieder von vorne an und alle bisher gesammelten Gegenstände sind weg.

 

Die einzelnen Elemente an sich sind nicht besonders interessant – eher altbekannt aus sowohl Roguelikes wie Stone Crawl Soup als auch von Twin Stick Shootern – die Weise, wie The Binding of Isaac die einzelnen Elemente einsetzt, macht es besonders. Ähnlich wie auch beim derzeit viel diskutierten Rollenspiel Dark Souls geht es gar nicht so sehr darum, dass The Binding of Isaac furchtbar schwer ist (auch wenn es gerade im Vergleich mit Dark Souls auch dazu unglaublich unfair, zufällig und zu sehr von Glück abhängt statt von erlerntem Können), viel mehr geht es hier um das Wiederherstellen des Geheimnisvollen im Spiel durch bewusste Unzugänglichkeit. 

 

Die frustrierend zufällige und inkonsistente Art, wie The Binding of Isaac Herausforderung konzipiert, hat einen Sinn. Es hat unglaublich viele Gegenstände, die nur durch unglaublich viele Versuche alle gefunden werden können und die sich alle irgendwie bemerkbar machen, sei es durch neue Effekte oder verändertes Aussehen des Spielcharakters. Es hat alternative Levelbosse, Geheimräume und kleine Tricks, die erst zufällig rausgefunden werden können.

 

Nougat und Zyankali

The Binding of Isaac fühlt sich an, wie eine mit Stacheldraht umwickelte Schatzkiste, eine Pralinenschachtel mit 9 Stückchen Zyankalikonfekt und einem dicken Nougatbonbon. Selbst nach mehrmaligem Versagen gegen Isaacs Mutter habe ich nur an der Oberfläche gekratzt. The Binding of Isaac legt einen Schalter in meinem Kopf um, an dem nur wenige Spiele überhaupt rütteln.

Andere moderne Roguelikes wie Dungeons of Dredmor oder Cardinal Quest versuchen die Erfahrung durch Speicherpunkte, einfache Bedienung oder knuffige Comic-Grafik entspannter zu machen, dabei kommt es bei dieser Art Spiel gar nicht so auf das Genre der Spielmechaniken an – meinetwegen könnte Isaac auch ein Bullet Hell Shooter sein. The Binding of Isaac übertrumpft sie alle, indem es durch einfache Methoden die Illusion erzeugt, es würde niemals alle seine Geheimnisse preisgeben, nicht mal einem Wiki. Ich hoffe die Illusion hält.

 

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gut auf den punkt gebracht!
| von nase, 26.10.2011

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