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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:19

ICO / Shadow of the Colossus

08.11.2011

Nicht loslassen. Niemals!

Das Klassiker-Revival für die HD-Generation nimmt kein Ende: Sony bringt die beiden PS2 Perlen ICO und Shadow of the Colossus für die Playstation 3 auf den Markt. Eine echte Bereicherung findet FRANZISKA BECHTOLD.

 

Ursprünglich für die Playstation 1 konzipiert, erscheint 2001 ICO für die neue Playstation 2. Trotz mäßigen Verkaufszahlen wird es inzwischen als eines der Top-Spiele der PS2 gehandelt. 2006 folgt Shadow of the Colossus und ist deutlich erfolgreicher als sein Vorgänger. Nun bringt Sony die beiden Spiele als HD Classics in einer Box auf die PS3 - mit überarbeiteter Grafik und stereoskopischem 3D. Der Zeitpunkt könnte besser nicht sein: Im kommenden Jahr will Team ICO The Last Guardian vorstellen und macht mit dem Re-Release der beiden Games Lust auf mehr.

 

ICO: Zusammen ist man weniger allein!

Die Story von ICO ist simpel: Ein Junge wird als Opfer in einer alten Burg zum Sterben zurückgelassen. Er kann sich befreien und trifft bei seiner Flucht auf die schöne, ganz in weiß erstrahlende Yorda. Obwohl sie und Ico nicht dieselbe Sprache sprechen, sind sie einander gleich verbunden. Jedoch werden die beiden immer wieder von mysteriösen Schattenwesen angegriffen.

 

Kein Tutorial, keine Anzeigen, keine Karte: Nur die Flucht ist das Ziel! Dies versetzt den Spieler schlagartig in die Lage des Jungen, kann für Fans von Spielen im Stile von »LautBuntSchnell« allerdings ganz schön eintönig wirken. ICO ist ein klassisches Rätselspiel und außer Schalter drücken, Kisten schieben und gelegentlich Schattenwesen verkloppen passiert nicht viel. Wer Beschützermissionen hasst, sollte ebenfalls gewarnt sein: Um Yorda vor den Schattenwesen zu retten, muss man sie ständig an der Hand halten, sie Vorsprünge hinaufziehen und über Abgründe retten. Dabei wird die R1-Taste zum besten Freund, denn lässt man sie los, lässt man auch Yorda los.

 

All diese Elemente – vor allem das haptische »an-der-Hand-Halten« – fügen sich aber großartig in die Geschichte und wecken eine emotionale Bindung zwischen Spieler und Figur. Mit der Empathie zu Ico steht und fällt das Spielprinzip. Wem das zu wenig ist, der kann mit dem Game, das von Storytelling und Atmosphäre lebt, vielleicht nicht viel anfangen. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird am Ende mit einem Magic Moment allererster Güte belohnt.

 

Shadow of the Colossus - Kampf mit dem eigenen Gewissen

Shadow of the Colossus steht ICO in Sachen Minimalismus in nichts nach und scheint in derselben, grauen Welt zu spielen. Ein junger Krieger will seine verstorbene Frau ins Leben zurückholen und muss dafür sechzehn Kolosse besiegen. Auf seinem treuen Pferd reitet er durch die triste Landschaft, um die Giganten aufzusuchen.

 

In grandios inszenierten Zwischensequenzen bauen sich die Riesen vor dem Helden auf und die Aufgabe scheint von Mal zu Mal unmöglicher. Die Kolosse müssen erklommen werden (God of War 3 bediente sich dieser Idee), damit auf ihre wunden Stellen eingestochen werden kann. Immer und immer wieder, bis das magische Wesen in sich zusammensackt. Auch hier schafft es Team ICO auf unvergleichliche Weise, den Spieler auf einer emotionalen Ebene gefangen zu nehmen. Zwar verfolgt man sein Ziel, wird sich dessen Preis jedoch mit jedem toten Koloss mehr bewusst. Der rechte Zeigefinger bekommt wieder seine essenzielle Aufgabe: Das Festhalten am Koloss gelingt nur, solange man R1 gedrückt hält. Lässt man los, stürzt der Held in die Tiefe.

 

Atmosphäre steht über allem

Wurde bei ICO während des Spiels gänzlich auf einen Soundtrack verzichtet, erklingt bei SotC während der Kämpfe treibende, perfekt auf den Kampf abgestimmte, Musik. Dies fügt sich nahtlos in das extrem atmosphärische, bedrückende Gesamtbild. Trotzdem hätte man aus der HD-Version ein wenig mehr herausholen können. Die Texturen sind stellenweise unscharf, die Kolosse könnten noch detailreicher sein. Gerade in Kampfszenen wünscht man sich flüssigere Bewegungen - ohne dass Körperteile auf mysteriöse Weise in Boden oder Wand verschwinden. Auch ICO ist kein Grafikhammer, doch hier wirkt die Welt realer und die Details liebevoller. Dass die Spiele wegen ihrer beeindruckenden Grafik geliebt werden, hat allerdings keiner behauptet und das Update auf die PS3 ist eine echte Bereicherung für die heimische Games-Sammlung.

 

Ein großartiges Spiel wird auch über die Jahre nicht schlechter und Team ICO präsentiert hier zwei davon. Nicht jedem wird der Stil der Entwickler gefallen, doch man macht keinen Fehler, sich darauf einzulassen. ICO ist mit etwa 5 Spielstunden schnell erledigt, Shadow of the Colossus ist mit zirka 10 Stunden ein wenig mehr Arbeit. Für 36,99 Euro (Amazon) ein echtes Schnäppchen, das die Spannung steigert, welche Aufgabe bei The Last Guardian auf den rechten Zeigefinger wartet.

 



 

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