Reality Check
Wrestling hat es als Sport nicht ganz einfach. Als ›richtige‹ Sportart will man das Spektakel, wenn man kein Fan ist, sowieso nur ungern ansehen. »Das ist doch eh alles gestellt!«, hört man es da aus einer Ecke rufen – dennoch werden hier nur die besten Champions. »Die wissen doch, wie zu fallen haben!«, sagt der Nächste. Klar, haben Wrestler eine spezielle Technik – Menschen sind sie trotzdem und da tut es weh, wenn man auf den Rücken fällt.
Gerade jetzt, in einer Zeit in der UFC weltweit immer mehr an Bekannt- und Beliebtheit zunimmt, ist Wrestling noch verlachter als in den vorherigen Jahrzenten. Und das, obwohl die Charaktere der 80er und 90er Jahre zum Großteil wirken, als kämen sie direkt aus einem (schlechten) Comic. Böse Zahnärzte, Cowboys, Dämonen und natürlich auch immer wieder mal der infiltrierende Russe – doch die Fans lieben genau das an der WWE. Dadurch, dass das Kayfabe zu dieser Zeit noch nicht gebrochen wurde, waren alle Akteure mysteriös und wirklich larger than life. Es wurde einfach angenommen, dass sie nicht nur eine Rolle spielten, sondern schon irgendwie ›echt‹ waren.
Heutzutage lechzt man mehr nach Realität, man will die Personen hinter den Gimmicks kennenlernen und durch Twitter und Co. ist es leichter, genau das zu erreichen. Im Umkehrschluss ist es aber auch so viel schwieriger, Überraschungen, Ankündigungen oder Ähnliches lang genug geheim zu halten. Den ›Zauber‹ der letzten zwei Jahrzehnte auch heute noch zu spüren bekommen, ist um einiges schwerer. Da ist natürlich der Sport selbst nur teilweise für verantwortlich, aber eine entsprechende Adaption hat leider noch nicht stattgefunden – denn genau so kurzlebig wie die Trends im Internet werden auch die Fehden der Wrestling-Superstars – dabei ist doch die spannende Storyline der wichtigste Bestandteil (außer für die Technikpuristen, versteht sich) einer Show.
Eins steht, trotz aller Kritik, fest: Wrestling ist ein Sport, der nur durch die Leidenschaft der Akteure leben kann. Die Wrestler der WWE sind im Jahr jede Woche mindestens vier Mal in unterschiedlichen Städten auf der ganzen Welt zu Gast, um dort Groß und Klein zu unterhalten. Fliegen, fahren, trainieren – Wrestler zu sein ist ein Knochenjob ohne Offseason. THQ würdigt seit über 10 Jahren jedes Jahr diese Leidenschaft und schafft es auch Jahr um Jahr, neue Aspekte in das Spiel zu bringen, die sich für Fans lohnen. Dieses Jahr ließ vor allem der neue Name aufhorchen und suggerierte Veränderung. So vereinfachte (böse Zungen würden an dieser Stelle von ›Verschlimmbessern‹ sprechen) man zum Beispiel die Steuerung. Durch eine fehlende physische Anleitung kommt man aber während der ersten Kämpfe ordentlich ins Straucheln. Ich habe das letzte Mal den 2010er-Teil der Reihe gespielt und konnte im ersten Match vielleicht 4 Aktionen landen, bevor ich ungespitzt in den Boden gerammt wurde. Besonders entmutigend ist dabei vor allem das Abwehr- und Reversal-System: Während der Gegner viele Griffe recht einfach abwehrt, fällt mir das Drücken der Taste im richtigen Moment sehr schwer – der Zeitrahmen ist einfach zu knapp bemessen, weshalb sich anfangs recht schnell Frust breit macht.
Nach Anpassung der Schwierigkeit sowie den Reversal-Raten (ähnlich den Sliders der NBA 2k-Serie) spielt es sich dann schon etwas angenehmer und die Stärken der neuen Spielmechanik werden deutlich. Dynamischer ist es geworden – Gegner stehen schneller auf, Aktionen können an vielen Stellen abgebrochen oder abgewehrt werden und durch das Comeback-System können auch nahezu verloren geglaubte Matches noch einmal rumgerissen werden. Das hohe Tempo spiegelt nicht unbedingt die Realität wieder, in der Gegner nach einem krachenden Suplex schon mal ein wenig länger liegen bleiben, für ein Videospiel ergibt es aber durchaus Sinn.