Call of Duty: Modern Warfare 3
06.12.2011
Wenn Wasserbomben in Zeitlupe in Gesichtern zerplatzen
Am 9.11.2010 erschien Call of Duty: Black Ops in Deutschland. Und, weil doch schon wieder ein Jahr herum ist, kommt Call of Duty: Modern Warfare 3 gerade recht. Zwar mangelt es nicht an anderer Actionkost, aber wenn die Pflicht ruft, folgen eben doch die meisten Spielerinnen. Auch RUDOLF INDERST tritt zum Appell an.
Der Titel ist eine direkte Fortsetzung von Call of Duty: Modern Warfare 2. Während sich die Spielerinnen durch grafisch durchweg potente Schauplätze wie New York, London, Paris, Hamburg oder Berlin schießen, treffen sie fortlaufend auf alte Bekannte aus den ersten beiden Teilen: ein Klassentreffen der Elite-Soldaten, wenn man so will. Nur, dass es sich bei diesem Klassentreffen um ein milliardenschweres handeln dürfte. Ohne auf die genauen Zahlen eingehen zu wollen, dürfte jedem klar sein, dass die Call of Duty-Reihe, strukturell betrachtet, nichts anderes als ein Fifa oder Madden-Teil darstellt. Genau deshalb prallt auch die Kritik an der Formelhaftigkeit der Serie ab.
Natürlich gibt es noch einen weiteren Grund: den Multiplayer – oder, wie ich es nenne, das ›Spielplatzphänomen‹. Kinder, die oft auf ›ihren‹ Spielplatz gehen, sind dennoch lange Zeit von ihm eingenommen. Weshalb? Schließlich trifft man vor Ort immer wieder dieselben Gerüste und Ablenkungen an. Sie werden nicht über Nacht ausgetauscht, ergänzt oder modifiziert. Nein, es geht um zwei Dinge: Training und Sozialität. Man gewinnt den Gerätschaften immer wieder neue Seiten ab, indem man sich mit ihnen beschäftigt, entdeckt Unerwartetes, ›missbraucht‹ das Ungeplante, kurzum die eigene Kreativität prallt auf die Wippe, Holzburg oder das Klettergerüst. Der andere Punkt ist ebenfalls von Bedeutung. Auf dem Spielplatz ist man ungern allein. Man teilt sein Spielen gerne mit anderen. Man freut sich bekannte Gesichter zu sehen, trifft neue Freundschaften oder gerät auch mal in eine lautstarke Auseinandersetzung. All das sind die Multiplayer-Karten bei Call of Duty: Modern Warfare 3 ebenso.
Lass uns das wie »Männer« klären!
Es fällt vielleicht etwas schwer, es zuzugeben, aber seien wir doch mal ehrlich: Warum macht es uns (nicht nur als Kind) großen Spaß, mit beiden Füßen voran in volle Pfützen zu springen? Weshalb bereitet es uns diebische Freude, Sandburgen zu zertreten? Analog dazu kann man sich fragen, weshalb es kein großartiges Gefühl sein sollte, ganze Großstädte in Schutt und Asche zu schießen und sprengen? Die Entwickler von Call of Duty: Modern Warfare 3 haben es erneut äußerst spektakulär geschafft, einen der schrecklichsten Menschheitsbegleiter – den Krieg – zu entnormatisieren. Sie raubten ihm damit das schreckliche Moment, die unendliche Furcht vor Leid, Schmerz und Tod
Für SpielerInnen bedeutet der Titel eine sechsstündige Fahrattraktion in einem Theme Park. Die einzelnen Set Pieces (mehr sind sie tatsächlich nicht, da das Spiel Großstädte zu Schlauchparcours als sehr bewusste Designentscheidung zusammenschrumpfen lässt) werden durch Plotfragmente zusammengehalten, die digitale Geheimdienstaktivität und James-Bond-Geektum durch Grüntöne, Sinuswellen, Vektordarstellungen und aufblitzende Fotografien vorgaukeln. Dass die Entwickler diese Formel schon seit drei Modern Warfare-Teilen perfekt im Griff haben, wird klar, wenn man die Solo-Kampagne des direkten Konkurrenten Battlefield 3 gegenüberstellt. Dieser kann zwar im Mehrspieler-Teil durch seine weitläufigeren Level und die Möglichkeit, Fahrzeuge sowie Fluggeräte zu steuern in den Augen aktiver SpielerInnen punkten, aber in Sachen Skriptsequenzen und getimte Dramaturgie wischt der neueste Call of Duty-Teil mit allen Mitbewerbern den Boden tüchtig auf. Da hinter verschlossenen Türen bereits an einem Call of Duty: Black Ops 2 gewerkelt werden dürfte, die Konkurrenz aber auch schon so manchen Coder schwitzen lassen wird, bleibt die nächste Zukunft im First-Person-Shooter-Land zwar vorhersehbar und formelhaft, jedoch nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam und fesselnd.
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