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Saints Row - The Third

06.12.2011

Red and Blue makes Purple

Die 3rd Street Saints haben es im nunmehr dritten Teil des Open World Games aus dem Entwicklerhaus Volition ans Licht der Öffentlichkeit geschafft. Sie ließen das Dasein als Straßengang in dunklen Hinterzimmern und kleinen Gassen hinter sich und wurden zum anerkannten Medienimperium - ein Schritt, der in der amerikanischen Populärkultur derzeit auch außerhalb fiktiver Narrative nachvollzogen werden kann. Peter Just übt schon mal die Gangsigns am Controller. Von PETER JUST

 

Im Saints Row Universum schaffte es die Straßengang durch den Zusammenschluss mit dee Ultor Corporation ins Rampenlicht zu gelangen und aus ihrer kriminellen Vereinigung ein anerkanntes wirtschaftliches Unternehmen zu machen. So findet man in Steelport, dem Schauplatz des dritten Teils der Reihe, gigantische Werbeanzeigen für den eigenen Energy Drink der Saints, Comics mit den Anführern der Gang als Helden und eine Kette an Modegeschäften, in denen die Fans nun auch die offizielle Kleidung der Berühmtheiten kaufen können. An vielen Ecken warten auch Möglichkeiten die Waffen wegzustecken und lieber Fotos mit den Bewunderern der Saints zu schießen. Es ist die offene, natürliche Akzeptanz der Bevölkerung zu Beginn des Spiels, welche den SpielerInnen eigentlich vor den Kopf stoßen sollte - wenn sie diese denn nicht selbst bereits ein Stück weit angenommen hätten.

 

Betrachtet man die derzeitige amerikanische Populärkultur, so trifft man insbesondere in der Musik auf viele Beispiele für die Akzeptanz von Repräsentation unterschiedlicher Gangkulturen. Insbesondere afroamerikanische Gangs sind dabei im Mainstream längst angekommen. Die Alben von Künstlern wie Snoop Dogg oder Lil Wayne haben sich weltweit millionenfach verkauft und dabei ganz selbstverständlich Bekenntnisse zu ihrer jeweiligen Zugehörigkeit. Mit „I keep a blue flag hanging out my backside/ But only out my left side, yeah that‘s the Crip side“ manifestiert Snoop auch im Jahre 2004 als Mainstreamphänomen noch seine Mitgliedschaft aus Jugendzeiten in Long Beach, Kalifornien bei den Rollin‘ 20 Crips. Ähnlich und doch komplett anders sieht es bei Lil Waynes Referenzen zur Blood Gang aus. Zwar übernimmt er deren Ausdrücke („Throwin‘ blood in the air, leave blood on the ground“) und auch deren Kleidung (in diesem Falle ein rotes Bandana aus - wie man bereits erahnen kann - der rechten hinteren Hosentasche), jedoch scheint er sich diese Zugehörigkeit erst recht spät im Laufe seiner Karriere zugelegt zu haben. An der Authentizität darf also gezweifelt werden. 

Dennoch scheinen beide Künstler ihren Ganghintergrund als gewinnbringendes Element in ihren zur Schau gestellten Persönlichkeiten zu sehen - in wie weit diese nur gespielt sind, sei dahin gestellt. Andersrum formuliert: es tut ihrem Erfolg keinen Abbruch, mit den beiden größten Straßengangs in den USA in Verbindung gebracht zu werden. Ein Blood oder Crip zu sein und die damit verbundenen Assoziationen zu Kriminalität dient als Gütesiegel im Gangsta Rap Genre und steigert heut zu tage wohl eher noch die Vermarktungsmöglichkeiten im Mainstream der Musikindustrie. 

 

Red and blue makes green!

Die 3rd Street Saints als akzeptierter, umjubelter Wirtschaftskonzern könnten also tatsächlich als logischer nächster Schritt aus dieser Entwicklung gesehen werden. Dennoch dient die Vermarktung der Gangkultur im Spiel nur nur als Konsequenz der Absurdität im herrlich überdrehten und selbstironischen Saints Row Universum. Und genau mit diesem Wissen macht die Zerstörungswut eigentlich noch mehr Spaß: Der digitalen kriminellen Ader freien Lauf lassen und dafür auch noch gefeiert werden.

 



 

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