Assassins Creed: Revelations
13.12.2011
Das Geheimnis guter Sequels?
Mit Assassin's Creed: Revelations schließt nun der nie zu enden scheinende »zweite Teil« der eigentlichen Assassin's Creed-Reihe. KAI HILPISCH blickt zurück auf all die vergangene Zeit und all die erklommenen Dächer.
Alt ist er geworden. Ezio Auditore da Firenze – einst unbedarfter Playboy in den Straßen von Florenz, dann racheschwörender Sohn und Assassine wider Willen und schließlich verehrter Anführer der geheimen Bruderschaft im Kampf gegen die Templer – ist ganz schön grau geworden um den Bart herum. Weit mehr als die laut Plot nur wenigen Jahre seit Brotherhood scheinen vergangen; der Zahn der Zeit hat tiefe Spuren hinterlassen – auch in Ezios Gewand, das noch grauer ist als seine Haarpracht. Vielleicht ist es Einbildung, aber stöhnt der Meisterassassine nicht auch ein wenig angestrengter beim akrobatischen Klettern an senkrechten Wänden? Bewegt sich fahriger? Er selbst murmelt gleich zu Anfang von Assassin’s Creed: Revelations: »Das war mal alles so einfach…«
Noch immer dabei - alle Jahre wieder
Vielleicht ist es auch dem Spieler anzulasten, wenn Ezio ein ums andere Mal versehentlich in den Tod stürzt oder trotz des noch immer sehr dynamischen Konter-Kampfsystems gefühlt öfter eins auf die Kapuze bekommt, als man erwarten würde: Es ist schließlich auch schon wieder ein Jahr her seit dem letzten Abenteuer in Rom. Zentraler Schauplatz ist dieses Jahr Konstantinopel bzw. Istanbul, das wie gewohnt sehr gekonnt und lebendig in Szene gesetzt wurde. Zuvor geht es jedoch nach Masyaf, der alten Hochburg der Assassinen und Zuhause des legendären Altair – Ezios Vorfahren aus dem ersten Teil. Im Gegensatz zu unserem letzten Besuch dort zeigt sich die Burg 300 Jahre später nicht nur von einem Schneesturm verborgen, sondern auch von Templern überrannt. Diese suchen, genau wie Ezio, die geheime Bibliothek Altairs, voll mit vergessenem Wissen des alten Meisters. Die Bibliothek ist schnell gefunden, doch aufbruchssicher versiegelt – es müssen, wie könnte es auch anders sein, eine Handvoll Schlüssel gefunden oder den Templern entrissen werden, und der Weg führt schnurgerade in den Nahen Osten.
Revelations soll der letzte Teil der Saga um Ezio werden, aber natürlich nicht der letzte der Serie. Mit Assassin’s Creed 3 erwartet uns dann wohl ein neuer Protagonist. Doch halt, was ist eigentlich mit Desmond? Für den Nachfahren Altairs und Ezios sind seit dem ersten Teil der Reihe nur wenige Monate vergangen, in denen er zunächst in Gefangenschaft der heutigen Templer und später umgeben von Assassinen-Kollegen der Moderne mithilfe eines Gerätes namens Animus die in seiner DNA gespeicherten Erinnerungen gleich zwei seiner Vorfahren durchleben musste. Nicht ohne Folgen: Sein Hirn ist mehr oder weniger Matsch, er ist gefangen in der surrealen Zwischenwelt des Animus und seine einzige Chance zu entkommen ist, die Erinnerungen Ezios bis zum Ende abzuarbeiten – begleitet von den mysteriösen Dialogen seiner Mitstreiter, die der komatöse Held aus dem Nirgendwo mithört. Revelations bietet die gewohnte Mischung aus einem beeindruckenden Abenteuer im historischen Setting und einem Plot, der nach wie vor irgendwo zwischen Dan Brown und Lost angesiedelt ist. Aber geht da nicht langsam die Luft aus?
Gewohnt und doch gekonnt
Das ist das vielleicht Mysteriöseste an der Assassin’s Creed Reihe: Während ein Modern Warfare 3 nur wie ein noch lauerer Aufguss des schon lauen zweiten Teils wirkt, und ein Need for Speed in jeder neuen Inkarnation nur noch trauriger dahinsiecht, hat Assassin’s Creed (fast) nichts von seiner Faszination verloren. Grund dafür ist vor allem konsequente Weiterentwicklung beim Gamedesign: War der erste Teil abseits der Grafikeuphorie des PS3-Launchtitels stark repetitiv, so wurden schon im zweiten Teil vor allem durch abwechslungsreiches Missionsdesign quasi alle nennenswerten Missstände ausgemerzt, um im dritten Teil der Reihe noch mehr Verfeinerungen und neue Elemente einzuführen.
Im nun vierten Teil gibt es wieder frische Inhalte, allen voran die neuen Bomben zum Selberbasteln, deren Verwendung aber leider spielerisch kaum eingefordert wird, sowie eine etwas hakelige Tower-Defense Variante. Ansonsten sieht es in Konstantinopel aus wie auch schon in Rom: Es gibt viel zu entdecken, zu sammeln, zu töten, und die Geschichte steuert auf einen ernstzunehmenden Höhepunkt zu. Grundsolide, unterhaltsam, witzig und spannend, abwechslungsreich wie eh und je. Revelations macht konsequent da weiter, wo die drei Spiele zuvor hingeführt haben, schlägt dabei den dramaturgischen Bogen zum Anfang, und macht das alles dabei auch noch wirklich sehr gut.
Verdientes Ende einer Ära
Und doch… Revelations überrascht letztlich nicht mehr, nicht mehr so wie damals. Die Serie ist mit dem Protagonisten Ezio gealtert, die Spieler ebenso. Bewegt man sich über die Dächer der osmanischen Metropole ist das nicht mehr unbedingt aufregend und gefährlich, sondern eher… entspannt. Doch das ist nicht unbedingt schlecht – man hat das Gefühl, gemeinsam mit dem gealterten Helden auch selbst etwas Altersweisheit entwickelt zu haben: Alles geht gut von der Hand, das Töten, das Klettern, das Flirten mit schelmisch lächelnden Buchhändlerinnen… man ist, wie Ezio, der Beste für den Job, der Lehrmeister aller Assassinen, il Mentore. Hoffen wir, dass den Entwicklern mit dem unvermeidlichen nächsten Teil der Reihe ein frischer und spannender Neustart gelingt und diese wirklich gute Spielereihe nicht doch noch irgendwann im Sequel-Sumpf verrottet.
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