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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:32

Anno 2070

20.12.2011

Zurück in die Zukunft

Wir haben die Vergangenheit hinter uns gelassen. Die spitzen Hausecken haben ausgedient. Die Segel sind gestrichen und die Galionsfiguren liegen still auf dem Grund des Ozeans. Die Marktplätze und Wirtshäuser sind Stadtzentren und Casinos gewichen. Statt nach Kleidung verlangen die Siedler nun nach Lifestyle-Waren und Telekommunikation. ANNO 2070 segelt in eine neue Epoche: keine Holzschiffchen mehr – jetzt gibt es Ölfrachter und U-Boote. Und ALEXANDER FUNK ist dabei. 

 

Dass die ANNO-Reihe mit ihrem neuen Ableger ANNO 2070 in die Zukunft startet, hätten vorher wohl die Wenigsten vermutet. Trotzdem ist dieser Schritt der Entwickler von Blue Byte und Related Designs nachvollziehbar. Es musste einfach etwas Neues her. Trotzdem bleibt das Spielprinzip von ANNO sich selbst treu. Der Spieler startet mit einem Schiff in eine unbekannte Inselwelt, um neue Siedlungen zu gründen, seine Wirtschaft aufzubauen, Handel zu treiben und gegen Feinde Krieg zu führen. Allein das Setting hat sich grundlegend verändert. Die Folgen von Naturkatastrophen und Umweltzerstörung sind deutlich spürbar. Der ansteigende Meeresspiegel hat weite Teile der Welt unter Wasser gesetzt und zwingt die Bevölkerung, auf Inseln auszuweichen.

 

Bionade Biedermaier vs. Atommülltransport

Erschreckend nah ist das Szenario von ANNO 2070 an die gegenwärtigen Probleme unserer eigenen, realen Welt angelehnt: Umweltverschmutzung, Energiehunger, Konsumwahn und Abhängigkeit von der Telekommunikation sind nur vier der vielen Aspekte, die das Spiel thematisiert. Viele Details im Spiel nehmen Bezug auf diese Themen, wenn z.B. die Energieversorgung auf der Insel knapp wird oder die Umweltverschmutzung einen kritischen Level erreicht. Beinahe wie ein Serious Game nimmt sich das neue ANNO spielerisch der Probleme unserer Zeit an und stellt den Spieler in die Verantwortung. ANNO gibt ihm die Entscheidungsfreiheit, zwischen verschiedenen Lebensweisen zu wählen, die Inseln auszubeuten und zu verseuchen oder mit der Umwelt im Einklang zu leben.

Um diesen Spagat zwischen Industrialismus und Naturverbundenheit zu schaffen, hat man in ANNO 2070 die Wahl zwischen drei Fraktionen: Tycoons, Ecos und Techs, deren Haltung zur Umwelt und Gesellschaft im Spielprinzip zum Tragen kommt. Während man aufseiten der Tycoons fröhlich Kohle- und Atomkraftwerke baut, nutzen die umweltbewussten Ecos Solar und Wind für die Energiegewinnung. Auch bei der Nahrung unterscheiden sich die drei Parteien. Während die Tycoon-Siedler Burger futtern, verlangen die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Techs nach funktionellem Essen, das aus Algen hergestellt wird.

 

Industrie, Ökologie, Wissenschaft

Einzig die Fischerhütten erinnern noch an die guten alten Holztage von ANNO. Doch auch das Meer ist nicht mehr das, was es früher mal war. Wo sich vor Jahren zwischen den Inseln höchstens Seeungeheuer und Schiffe tummelten, hält im neuen Ableger eine ganze Unterwasserebene Einzug. Diese ist nicht nur als Zierde gedacht, sondern bereichert das Spiel (vor allem im Hinblick auf die Fraktion der Techs) um einige Technologien und Unterwassergebäude. So ist es nun möglich, auf einem Unterwasserplateau mittels eines U-Boots einen Kontor zu eröffnen, Ölbohrinseln zu errichten und Energie mit Hilfe von Turbinen zu gewinnen. Allein die Steuerung vermag hier noch ein wenig die Spielfreude zu trüben, wenn man zwischen der Unterwasserwelt und der Erdoberfläche scrollt. Auch das Baumenü mit seinen Einteilungen in die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Fraktionen ist zu Anfang sehr verwirrend.

Das Äußere von ANNO 2070 hat sich seinem Setting angepasst. Während in den Vorgängern grelle Farben, ein sattes Blau des Meeres und saftige Grüntöne dominierten, wirkt die »schöne, neue Welt« trister, grauer und smokiger. Natürlich ist das gesamte Aussehen trotzdem stimmig. Etwas anderes wäre auch kein ANNO. Und doch vermisst man hier und da einen Akzent oder einen Farbtupfer, der einen wieder über die architektonische Niedlichkeit oder Extravaganz staunen lässt. Zu sehr verschwimmen in ANNO 2070 die Häuser der Siedlungen und die verschiedenen Werkstätten im breiigen Einerlei. Nichtsdestotrotz lohnt sich auch dieses ANNO wieder, weil es eine Mischung aus Waterworld, mahnender Zukunftsperspektive und … naja … ANNO ist.

 



 

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