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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:39

 

Digitale Spiele bei TITEL

01.02.2010

Dichte Beschreibungen

Längst sind Computerspiele nicht mehr das Privileg pubertierender Jugendlicher, längst fesseln sie als spannendes Kulturgut jeden Tag Millionen von Menschen jeden Alters und Geschlechts.  TITEL wird in Zukunft besonders gelungene (oder misslungene) Exemplare vorstellen und diskutieren. Doch zuerst steht die Frage: Wie kann eine Spielekritik aussehen, die sich von der banalen Rezensionsformel entfernt, mit der uns viele der blinkenden Fachpublikationen oft genug langweilen?  Eine kurze Programmatik von RUDOLF INDERST

 

Wenn wir festhalten, digitale Spiele seien Kulturgut und uns somit der Meinung des Deutschen Kulturrates anschließen, hat das selbstredend Konsequenzen für unser Verständnis des Mediums. Es bedeutet, dass wir das kulturelle Artefakt Video- und Computerspiel als eine sinnstiftende Institution begreifen, der wir uns am ehesten über eine Form der dichten Beschreibung nähern.

 

Wir „sprechen“ mit dem Spiel auf Augenhöhe – begreifen es gleichzeitig als kritisch zu hinterfragenden Träger von Ideologie genauso wie als aufregenden und beeindruckenden Technologietreiber mit fesselndem Unterhaltungswert.

 

Wir sind uns der magischen wie banalen Formel des Videospiel-Fachjournalismus (Beschreibung des Spiels + Meinung zum Spiel + Käuferinformation + Wertung = Besprechung) bewusst (und manchmal auch reichlich überdrüssig). Auch die Anwandlungen eines New Game Journalism sind uns vertraut: Das losgelassen Emotionale, ungezügelt Subjektive stellt den Spieler, nicht das Spiel in den Mittelpunkt und verkommt mitunter zu ungeahnten Egozentrismen, die sich bar jeglicher Lesefreundlichkeit ungehindert in Webumgebungen potenzieren.

 

Wir wollen versuchen, einen Weg zu finden, der sich respektvoll-kritisch dem Spiel, aber auch gleichzeitig dem Spielerlebnis nähert. Auf eine Einordnung des Produkts in seine Traditionen muss dabei nicht verzichtet werden, die rigorose Zersplitterung in Systemkomponenten sollte dabei jedoch nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Es wird keine „3 von 5 Bananen“, und keine „76 von 100 Powersternen“ geben.

 

Wohl aber wird es lesenswerte Besprechungen aktueller digitaler Spiele geben, die gleichzeitig informieren, aber genauso mit sensiblem Gespür Inhalte bewerten: Phänomene, die jeden Tag Millionen von Menschen unabhängig von Alter und Geschlecht emotional zutiefst bewegen, verdienen mehr als nur eine Wertungsbox, mehr als ein Ingenieursdiplom in Sachen „Grafik, Sound und Spielspaß“. Eine klare Position zwischen Franchisewahnsinn, Fortsetzungsrausch, seligen Kindheitserinnerungen, Genderstereotyping und neoimperialistischer Pose zu finden und auszudrücken ist unser Anliegen. Dies ist versprochene Ernsthaftigkeit – ernste Worte werden dem Versprechen folgen müssen.

 

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