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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:43

Endless Ocean 2 - Der Ruf des Meeres

22.03.2010

Der Groove des Meeres

Endless Ocean 2 entwickelt seine ganz eigene Art von Sog. Wenn man es lässt. Von JAN FISCHER

 

Erinnert sich noch jemand an die Space Night? Das war diese Sendung, bei der man landete, wenn man nachts angedotzt von irgendwelchen Drogen, legal, illegal, halblegal, nach Hause kam und noch nicht ins Bett wollte oder konnte. „Gesättigt von den wunderschönen Bildern fallen die Augen irgendwann ganz von alleine zu. Sie schweben zurück ins Bett und träumen von einem Planeten, den Sie am liebsten erobern würden. Gleich morgen!“, schreibt die Süddeutsche Zeitung darüber, hinzufügen müsste man dem nur noch Plastik-Ambient-Mucke. Das Spannende an der Space Night waren nie die Weltraumbilder, es war auch nicht die Musik: Es war der einlullende Groove, den sie nach spätestens einer Viertelstunde entwickelte, der – wenn man sich darauf einließ – so stark wurde, dass man einfach nicht mehr ausschalten konnte.

 

Von Pol zu Pol

So ähnlich funktioniert Endless Ocean 2 auch. Kurz zur Story: Wir sind ein rassenmäßig nicht eindeutig definierter Taucher, der sich von der Uni freigenommen hat, um zuerst in der Südsee, dann in so ziemlich allen Gewässern der Welt, von Pol zu Pol, der „Legende des Drachenliedes“ nachzugehen. Es fallen uns nun vorrangig zwei Aufgaben zu: Wir müssen tauchen, um Hinweise auf die „Legende des Drachenliedes“ einzusammeln, außerdem sollen wir Meeresbewohner erkunden. Dazu bekommen wir noch Hilfe von verschiedenen anderen Tauchern, die alle bestimmte Fähigkeiten haben. Nebenbei gibt es noch eine Unmenge von Nebenquests zu erledigen: kranke Fische heilen (mit Hilfe des „Pulsar“), verlorene Gegenstände unter Wasser finden (mit Hilfe des „Multisensor“), Fotos von bestimmten Fischen machen, ihr Verhalten studieren, Tauchführungen anbieten etc. pp.

 

Irgendwann wird unser Freund, der rassenmäßig nicht eindeutig definierte Taucher, auch Kurator eines Aquariums, wo er dann seine gefundenen Fische ausstellen kann. Ach ja, es ist auch unmöglich zu sterben. Wenn der Sauerstoff ausgeht, wird man einfach wieder zurück aufs Schiff geholt. Soweit klingt das erstmal wie das langweiligste Spiel der Welt.

 

Entspanntes Geblubber

Dann aber kommt – irgendwo zwischen Ägäis und Arktis – der Space-Night-Effekt, und zwar mit voller Macht, ein bisschen als würde man in Poes Mahlstrom gezerrt. Das ist ungefähr der Punkt, an dem man feststellt, dass man sich von dem Spiel nicht stressen lassen darf: Ja, es gibt die Hauptstory, ja, es gibt tausend undurchsichtige Nebenquests, aber das schöne an der ganzen Sache ist: Man kann auch einfach tauchen gehen. Und sogar an Land herumlaufen.

 

Zugegeben, die Unterwasserwelten, in denen man tauchen kann, sind nicht gerade groß, aber es sind viele und sie sehen wirklich gut aus: Die Steintexturen, die Wassereffekte, die Fische, denen man begegnet: Alles ganz wunderbar, der Enya-mäßige Soundtrack hält sich auch in einigermaßen vernünftigen Grenzen. So grooven sich das Spiel und der Spieler nach und nach aufeinander ein, getragen vom entspannenden Geblubber, und dann, spätnachts: „Gesättigt von den wunderschönen Bildern fallen die Augen irgendwann ganz von alleine zu. Sie schweben zurück ins Bett und träumen von einem Planeten, den Sie am liebsten erobern würden. Gleich morgen!“

 

Entspannend, groovy, meeresbiologisch.

 

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