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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:43

Just Cause 2

19.04.2010

Wie gut es tut, auf der richtigen Seite zu stehen

Inseln, Dschungel und amerikanische Geheimdienste – diese spezielle Form der Liebesgeschichte findet der geneigte Spieler im aktuellen Sandbox-Action-Titel Just Cause 2. Grund genug für RUDOLF INDERST, das „Märchenbuch“ der Zeitgeschichte aufzuschlagen und dieses ein wenig mit der Spielwelt zu vermischen: Willkommen zu Just History 2.1!

 

Ich hasse Bananenrepubliken!

Panau. Es ist heiß. Zu heiß. Der Schweiß rinnt in Strömen über meinen Körper. Die Zeit scheint stillzustehen. Ich sehe mich um. Die Welt scheint einem Katalog für Fernreisen entsprungen: Die Exotik des Augenblicks hält mich gefangen. Nicht nur erblickt meine Weitsicht tropische Landschaften, sondern nimmt außerdem wüstenartige Abschnitte und schneebedeckte Hänge wahr.

 

Panau. Eine Insel von 400 Quadratmeilen. Mein Name ist Rico Rodriguez, und ich bin die erste Wahl meines Nachrichtendiensts. Mein Ziel ist es, meinen ehemaligen Mentor Tom Sheldon ausfindig zu machen. Ich spucke aus – die Hitze macht mich fertig. Tom also, einfach übergelaufen. Mit einer Menge Cash übergelaufen. Nun soll er hier sein, auf Panau. Ein Fleckchen Erde, das das Paradies sein könnte, wenn es nicht unter diesem Hurensohn Panay leiden müsste. Ja, richtig, Pandak Panay. Er gibt den großen Stecher, den überpotenten Herrscher mit Eisenfaust! Vielleicht sollte ich den gleich mit ausschalten? Wir werden sehen. Vielleicht ergibt sich die Chance. Ich glaube, ich muss mich jetzt echt setzen. Mir ist schwindelig. Ich hätte es mit dem Fallschirm und dem Greifhaken nicht übertreiben sollen. Die verrücktesten Stunts habe ich mit diesen beiden Spielzeugen heute schon hingelegt. Hänge ich mich doch glatt an, oh, das ist nicht gut, sehe ich wirklich Sterne? Ich muss mich … verd…

 

Im Hinterhof der Demokratisierung

Fuck, was zur Hölle? Wo bin ich hier? … Warte, warte … ich KENNE diesen Ort. Ich WAR hier schon einmal. Moment, was sagt da mein PDA? Hmm, kann das sein? Es ist der 25. Oktober 1983. Wer sind die Menschen um mich herum? Wenn ich doch nur einen Blick auf die Abzeichen erhaschen könnte … US-Ranger? Jetzt klingelt es! Präsident Reagan hatte es doch gesagt, Grenada soll keine „sowjetisch-kubanische Kolonie [werden], die als militärische Bastion hergerichtet wurde, um die Demokratie zu erpressen und zu unterminieren“.

 

Ah, jetzt kommt die Erinnerung peu à peu zurück. Am 19. Oktober waren Maurice Bishop, der Premierminister sowie mehrere Kabinettsmitglieder und Arbeiterführer von ihren früheren militärischen Verbündeten ermordet worden. Nur wenig später trat ein revolutionärer Militärrat zusammen. Meine CIA-Kollegen hatten nachdrücklich vor einem neuen Kuba gewarnt! Geheime Waffenlager, militärische Nachrichtenverbindungen – hier war nicht weniger im Gange als kommunistische Expansion in Reinkultur. Da mussten wir handeln. Wir konnten gar nicht anders, als eine präzise Invasion zu starten, um demokratische Werte mit Waffengewalt zurück auf dieses Eiland zu bringen. Bis zum 2. November 1983 war ich mit den Rangern unterwegs. Mit den AC-130 rein, das Rollfeld einnehmen und zusammen mit den Jungs, die mit der Welle von C-130 ankamen, die Lage sichern. Ready for democracy. Kein Zweifel. 

 

Isle hopping for a better world

1983 … ja, das war ’ne Zeit! Da war doch noch was … ach ja. Ich kratze mich am Kopf. Einen Moment war mir schwarz vor Augen. Kein Wunder, mit den über 100 Fahrzeugen kann man jede Menge Blödsinn auf Panau anstellen. Und die satten Explosionen können einen schon mal vom eigentlichen Ziel ablenken. Ich muss zugeben, dass ich nicht übel Lust hätte, einfach hier weiter ein bisschen Chaos und Unruhe zu stiften, statt meinem eigentlichen Ziel nachzugehen. Fast fühlt es ich sich an, wie, ja, wie ein gewaltiger Sandkasten. Rico, reiß Dich jetzt mal schön zusammen. Gönn Dir noch ein paar Minuten und dann geht es weiter – irgendwo hier auf Panau ist schließlich dein Kumpel mit einem satten Vorsprung. Panau, Panau, wie hieß noch mal das verdammte andere Tropenloch, auf dem ich war? Wie ein Fluss? Irgendwas war doch mit Schiffen … hmm, ja, ja, aber natürlich. Wie konnte ich das vergessen? Oh, wie schön war Panama!

 

1983 kam in Panama General Manuel Antonio Noriega an die Macht. Natürlich wurde er von meinen CIA-Buddys kräftig mit Finanzen ausgestattet. Schließlich hatte er uns so manchen Gefallen in Nicaragua getan. Noriega konnte aber seinen Hals nicht voll kriegen und stieg immer dicker ins Drogengeschäft ein. Kein Grund zur Panik – am 20. Dezember 1989 startete Operation Just Cause. Hmm, tatsächlich? Das hieß damals wirklich so? Also, das Leben schreibt doch, ach, Ihr kennt den Rest. Mit über 22.000 Soldaten waren wir damals im Einsatz – die größte Operation seit Ende des Vietnamkriegs! Just Cause eben. Eine Milliarde Dollar Schaden haben wir da in der Hauptstadt verursacht, fast hätte man denken können, es machte mehr Spaß, ein bisschen Chaos und Unruhe zu stiften, statt dem eigentlichen Ziel nachzugehen. Aber den General haben wir dann doch dingfest gemacht. Der hat sich schnell gewünscht, er hätte sich nicht mit uns angelegt: „Give me your tired, your poor, your huddled masses yearning to breathe free!“

 

klimatisch-variantenreich, appetite-for-destruction-förderlich, erzählerisch stagnierend

 

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