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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 08:25

Prince of Persia

02.08.2010

Der Prinz und sie

Die Traditionsreihe um den mal optimistisch-lustig, mal eher getrieben-verzweifelten (aber stets fidel-sprungkräftigen) jungen Mann zieht bereits seit vielen Jahren viele SpielerInnen in ihren Bann. So auch Bettina Lämmle, die an der Universität Mannheim u.a. zu den Themen Mündlichkeit/Schriftlichkeit und Kreolistik im Rahmen ihrer Promotion arbeitet. Ihre Erkenntnisse werden den Weg in einen Game Studies-Sammelband finden, der am Ende des Jahres erscheinen wird. RUDOLF INDERST traf sich mit der sympathischen Romanistin auf einen semi-orientalischen Plausch.

 

Man munkelt ja, Du und der Prinz, also quasi Ihr beiden, Ihr kennt Euch schon länger. Wie habt Ihr Euch eigentlich damals kennengelernt?

BL: In der Tat kennen wir uns bereits länger als manche Ehen halten, wir führen sozusagen eine ON-OFF-Beziehung. Das erst Mal begegnete ich dem Prinzen auf dem PC meines Vaters im Jahre 1992, der dieses Spiel in langweiligen Meetings spielte. Ich war damals ein großer Tetris-Fan und sofort begeistert von der Tetris-Optik des Titelbilds. In diesem Fall war es also tatsächlich „Liebe auf den ersten Blick“. Viel größer wurde meine Begeisterung jedoch mit jedem Versuch, dieses Spiel erfolgreich zu spielen. Ich wurde nie müde, immer wieder verschiedene Sprünge zu versuchen und auch das mechanische „Klack-Klack“ der Tore und Falltüren, sowie die Pseudo-Schalmei der Titelmusik fand ich umwerfend. Ich war also sofort infiziert! Natürlich war die Figur des Prinzen selbst zu diesem Zeitpunkt charakterlich noch nicht so ausgefeilt wie sie es jetzt ist.

 

Wie muss ich mir diesen Abenteurer eigentlich vorstellen? Was für ein Typ ist er?

Von EINEM Typen kann man tatsächlich nicht sprechen. Jeder Prince of Persia-Teil hat seinen eigenen Abenteurer und sogar innerhalb der Sands of Time-Saga sind Unterschiede in der Figur des Prinzen zu erkennen. Wenn man Prince of Persia aus dem Jahr 2008 betrachtet, trifft man auf einen lebenslustigen „Landstreicher“, der jede noch so ernste Situation durch einen Scherz oder Ulk meistert. Ich persönlich konnte mit diesem Prinzen nicht so viel anfangen, da Humor zwar auflockert, aber auch wahnsinnig nerven kann, wenn man zum wiederholten Male versucht, drei Gegner auf einmal zu bekämpfen. In The Sands of Time ist er nicht mehr der Einzelgänger, sondern hat eine Gefährtin zur Seite, welche er natürlich stets aus brenzligen Situationen rettet und ihr mit seinem Zynismus und seinen ironischen Bemerkungen das Leben ein wenig schwer macht. Der interessanteste Prinz, der mir persönlich am meisten Freude im Spiel bereitete, war die Figur in The Warrior Within. Zum ersten Mal bekommt der Spieler und somit der Prinz die Möglichkeit zu entscheiden, ob er einen Gegner bekämpfen möchte oder nicht, ohne dass es dem Spiel schadet. Zudem, und das ist das Interessante, bekommt der Prinz zu seinem äußeren Konflikt mit Gegnern und Feinden ein inneres Hadern zugeschrieben. Er hat nicht mehr die traditionelle Aufgabe, die Tochter des Maharadjas aus Gefahrensituationen zu retten und verliert somit sein Ziel vor Augen. Der Held muss sich nun fragen, wofür er kämpft und ob es sich lohnt. Somit wird die Figur des Prinzen in The Warrior Within getrieben von schierer Verzweiflung und großer Ernsthaftigkeit, die sich darin bündelt, dass er um sein eigenes Leben, und nur das seine, kämpfen muss. Insofern trifft man also in jedem Spiel auf einen anderen Prinzen, so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Das Einzige, das alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass der Prinz selbst in keiner Version einen Namen zugesprochen bekommt, somit also identitätslos scheint. Vielleicht ist dies jedoch nur ein Trick, um dem Spieler die Identifikation mit dem Helden zu erleichtern beziehungsweise diese zu fördern. Dies ist jedoch ein anderes Thema.

 

Was habt Ihr beiden für die Zukunft geplant?

Da  der Prinz und ich mittlerweile untrennbar geworden sind, werden wir wohl zusammen noch das Abenteuer The Forgotten Sands auf uns nehmen. Und wenn es dann irgendwann mal auf die Rente zugeht, können wir ja vielleicht den Weiten des Alls einen Besuch abstatten, wo wir dann sicher gerne auch gegen Aliens oder Predators das Schwert, besser noch, den Säbel schwingen werden.

 

Dabei wünschen wir natürlich viel Glück und danken für das Gespräch – Euch beiden natürlich noch eine schöne (digitale) Zeit!


 

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