JAN FISCHER spielte All Points Bulletin nur kurz. Dann wurde es ihm gestohlen.
Manchmal ist der Gott der Journalisten einem gnädig, manchmal hat er einen seltsamen Humor dabei. Eines abends spielte ich All Points Bulletin an, nur kurz, dann ging ich aus, und als ich morgens wieder kam, stand die Polizei in unserer Wohnung und sicherte Spuren, sie nahmen Fingerabdrücke und machten Tatortfotos.
Bei uns war eingebrochen worden, es war nur das Wohnzimmer ausgeräumt, wo, aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, die All-Points-Bulletin-DVD herumlag, bzw. dann eben nicht mehr.
Wie gesagt, der Journalistengott hat einen eigenartigen Humor: Bei All Points Bulletin geht es darum, entweder Krimineller oder Polizist zu sein. Das Ganze wird über ein paar Server irgendwo auf der Welt im Multiplayer-Modus gespielt, man kann sich einer Organisation anschließen, und innerhalb dieser Organisation nochmal bestimmten Unterfraktionen, bekommt dann teambasierte Missionen zugeteilt, kann sich also, kurz gesagt, gegenseitig abknallen, eine Mischung aus GTA und WOW ist das, oder besser: soll es sein.
Eine Frau auf Abwegen
Ich würde jetzt gerne schreiben, dass ich an diesem einen Abend, an dem ich das Spiel besaß, so tief eingestiegen bin, dass ich den Impuls verspührte, sofort meine Waffe zu zücken und den Polizisten dabei zu helfen, diese fiese Gang, die mich ausgeraubt hatte dingfest zu machen. Andererseits hätte mich auch die Polizeipräsenz in meiner Wohnung zu einem Rachefeldzug der anderen Seite für diese Geldkofferaktion – meine einzige Mission, abgesehen von den Single-Player-Missionen - anstaveln können. Beides trat nicht ein. Dafür hatte ich das Spiel leider nur zu kurz besessen.
Was ich aber gespielt habe, den kleinen Teil, der war nett: Der Charaktereditor, beispielsweise, ist super. Ich habe ja immer den Ehrgeiz, entweder mich genau nachzubilden, oder eine Frau zu erschaffen, mit der ich niemals etwas anfangen könnte. Bei APB versuche ich es mit der Frau: Man kann sogar Augenabstände, Narben und den Brustumfang einstellen. Außerdem wird meine Frau Kriminelle. Das ist noch so ein Grund, weshalb die Polizei in meiner Wohnung mich zuerst eher irritierte.
Danach wird’s dann eher etwas enttäuschend: Meine heiße Verbrecherbraut lenkt sich wie eine Kuh, die Single-Player-Tutorial-Missionen erschöpfen sich darin, irgendwohin zu fahren und auf F zu drücken, egal, wie die Mission jetzt inhaltlich aussieht. Sich einfach ein schmuckes, rotes Cabrio zu klauen, das Autoradio mit Last.fm zu koppeln und breite Boulevards entlangzubrettern ist auch nur halb so spaßig wie bei GTA. APB sieht einfach nicht so gut aus, obwohl San Paro als Stadt doch auch ein relativ weitläufiger Spielplatz ist.
Multiplayer-Mission: Wohnzimmer
Spaß machte dann allerdings die einzige Multiplayer-Mission, die ich schaffte zu spielen: Ein Geldkoffer musste abgeliefert werden. Warum, wurde nicht erklärt. Man schloß sich einem Team an, irgendwo poppten grundlos irgendwelche Missionen auf, und der Teamleiter – meiner war ungefähr 15 - entschied, welche davon gespielt wurde. Alle anderen lungerten derweil rum. Und dann ging’s los mit dem Abknallen, was, wie gesagt, zuerst noch spaßig war. Irgendwann stellte ich dann fest, dass nicht ich ein Problem mit der Waffensteuerung hatte, so als Neuling, sondern die Waffensteuerung eher ein Problem damit, so zu reagieren, wie ich das gerne wollte. Dafür aber in ganz schön schnell.
Das ist es dann eigentlich: Mehr schaffte ich nicht, bevor ein paar Kriminelle es zu ihrer RL-Mission erklärten, unser Wohnzimmer leerzuräumen. Am Ende also nur soviel zu APB: Langweilig, zwar, aber immer noch besser als das echte Leben.
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