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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:54

Kane & Lynch 2: Dog Days

13.09.2010

Was ist schon "echt"?

Seiner Zeit war Kane & Lynch das schlechtere Army of Two – so jedenfalls habe ich den Titel in Erinnerung. Zweifelsohne bot die Geschichte durch die „etwas anderen“ Charaktere die besseren narrativen Voraussetzungen, um den Spieler zu überraschen und bei Laune zu halten, allerdings lag technisch gesehen einiges im Argen. Jetzt allerdings sind die beiden älteren Herren wieder am Start – im Sequel Kane & Lynch 2: Dog Days aus dem Hause IO Interactive werden sie von RUDOLF INDERST unterstützt, der zudem ein wenig über den Begriff der „Echtheit“ sprechen möchte.

 

In dem vorliegenden Third-Person-Shooter, von den Machern der Hitman-Reihe, bilden ein gescheiterter Söldner und ein unberechenbarer Psychopath auf der Suche nach Rache und Erlösung eine Zwangsallianz. Nach dem tragischen Tod seines Sohnes verlässt Kane seine Familie und schließt sich der Söldnergruppe The 7 an. Doch schließlich endet eine Mission in einer Katastrophe. Kane entkommt als einziger Überlebender mit der Beute, wird aber wenig später verhaftet und zum Tode verurteilt. Doch nicht alle Mitglieder von The 7 sind tot und schwören Rache für den vermeintlichen Verrat.

 

Sie befreien Kane aus einem Gefängnistransporter und schlagen ihm ein Geschäft vor: Wenn Kane die Beute zurückgibt, verschont The 7 das Leben seiner Frau und seiner Tochter. Kane selbst wird in jedem Fall sterben. Lynch, ein unberechenbarer Psychopath wird ebenfalls befreit und soll als Kanes Wachhund dafür sorgen, dass dieser seinen Teil der Abmachung erfüllt. Der erfahrene Söldner, für den alles auf dem Spiel steht, und Lynch, ein unberechenbarer Psychopath, der in diesem Spiel nur gewinnen kann. Diese beiden ungleichen Männer begeben sich auf eine gewalttätige Reise, um Kanes Familie zu retten und The 7 zu zerschlagen.

 

Von der Grafik, die auszog ...

Die Geschichte der Grafik digitaler Spiele ist keine sonderlich eigentümliche. Während es einige Jahre darum ging, Grafik dahingehend zu schrauben, auf dass diese möglichst „realistisch“ wirke, kam irgendwann durch die Hintertür die Wende. Vielleicht vergleichbar mit der Zäsur um die vorletzte Jahrhundertwende, als Kunstrichtungen wie Impressionismus oder wenig später der Kubismus Einzug in die Malerei hielten, spaltete sich auch bei digitalen Spielen eine gewisse Schiene vom „Realismusrennen“ ab.

 

Zwar finden auch heute noch Spiele wie Crysis, Fifa 11 oder Formel 1 ihre begeisterten Käufer, die von Wassereffekten oder Spielergesichtern angetan für zwei sind. Aber die Retro-Welle erfasste das Medium genauso heftig wie andere Medien zu verschiedenen Zeiten und Epochen. Plötzlich war „alte“ oder „unrealistisch“ wirkende Grafik (Schlagwort „8-Bit-Comeback“) zweitrangig, da der Spielspaß oder die Spielmechanik im Vordergrund steht. Mit Retro hat nun Kane & Lynch 2: Dog Days allerdings weniger zu tun, bevor ich allerdings darauf genauer eingehe, soll noch ein Filmvergleich bemüht werden.

 

Etwas sieht aus „wie echt“. Was ist damit gemeint? Das können in etwa die neusten Special Effects sein, die die Zuschauer beeindrucken. Eine satte Autoexplosion, ein Kopfschuss in Zeitlupe oder angreifende Alienraumgleiter – es sieht „echt“ aus, weil es „in Echt“ (Kindergegenteil: „In echt, nicht in Spiel.“) so aussehen könnte. Glauben wir. Schaut man sich dasselbe Effektspektakel zehn Jahre später an, wird man merken, dass manche Streifen „nicht in Würde altern“. Die Effekte wirken heillos veraltet und die gesamte Arbeit wird „unglaubwürdig“ – im Sinne von „wirkt nicht mehr echt“.

 

Effektarbeit ist also ein Rennen gegen die Zeit und nur wenige Filme sind derart fesselnd und packend, dass man – trotz der Effekte mit Bart – immer wieder gerne das Tape, die DVD oder die BluRay einlegt. Ein anderes „echt“ bietet hingegen die nüchterne und sachliche Optik des Dokumentarfilms. Trotz des Wissens um Manipulierbarkeit neigt der Zuschauer zu einem Glauben an. Er vertraut den typischen verwackelten, schlecht ausgeleuchteten Videobildern mit Tonausfällen oder Bildartefakten. Gerade diese unsaubere Art und Weise scheint die Glaubhaftigkeit zu erhöhen. Das, was im Dunkeln bleibt, lässt die Fragen stellen, lässt die Aufmerksamkeit erhöhen.

 

Aktiv sprechen die Marketingmenschen von Publisher Square Enix nun bei Kane & Lynch 2: Dog Days von einem „Youtube-Look“. Das Spiel wirkt grafisch also wie ein schnell abgedrehter, mit mangelhaften, technischen Equipment erstellter Videoclip – was einen absolut genialen Schachzug darstellt. Es ist die konsequente Marktforschung, die zu dieser Entscheidung führte. Die Zugriffszahlen auf das Portal sind gigantisch.

 

Auf YouTube werden jeden Tag zwei Milliarden Videos abgespielt und Hunderttausende von Videos hochgeladen. In jeder Minute laden Nutzer 24 Stunden Videomaterial hoch. Auch die Demographie ist beeindruckend. YouTube wird von Nutzern im Alter von 18-55 Jahren auf der ganzen Welt verwendet. Es verwenden ebenso viele Frauen wie Männer die Website. 51 Prozent der Nutzer besuchen YouTube mindestens einmal wöchentlich. 52 Prozent der 18-34Jährigen empfehlen Freunden und Kollegen häufig Videos. Das bedeutet: Längst ist die Optik der Videoclips in der Mitte der Gesellschaft angekommen und damit im kollektiven visuellen Gedächtnis verankert. Rein formal ist Kane & Lynch 2: Dog Days also das passende Spiel für diese Generation von Mediennutzern. Und nach Shanghai wollten wir doch alle schon einmal.


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