Erinnert sich noch jemand an das – frei nach Quentin Tarantino- homosexuelle Fliegerepos Top Gun? 1986 sorgte Zahnpasta-Grinser Tom Cruise für jede Menge junger Burschen in schlecht sitzenden Fliegerjacken mit Pelzkragen (und Brillen). Entscheidend für die folgenden Absätze ist aber folgender Aspekt. Die Piloten der Sowjetunion, die immer wieder als finster-roten Gefahren am Horizont in ihren Migs auftauchen, sind nicht genau zu erkennen. Das hat einen einfachen Grund: Stets verdecken schwarze Visiere die Gesichter der UdSSR-Fliegerasse. Über die Funktion der Maske ist an anderer Stelle schon ausführlich geforscht und publiziert worden. Hier soll es genügen, darauf zu verweisen, dass es im Falle des Actionfilms Top Gun wohl klar darum geht, den sowjetischen Piloten als entmenschlichte, präzise Tötungsmaschine zu zeigen – ohne jede Möglichkeit für den Zuseher, jedwede Emotionen erkennen zu können (am Ende Reue? Ekel?).
Jetzt möchte der erfahrene Videospieler einwenden, dass es seit jeher Konventionen gibt, die die Gesichtslosigkeit von Charakteren aus Spielen fördern. Man denke zum Beispiel an First Person Shooter, in deren Spielverlauf man kein einziges Mal „seine“ Spielfigur sieht, weil es die Spieler selbst sein sollen, die gefühlt in die Rolle der Protagonisten schlüpfen. Eine Identifikation mit einem solchen Avatar ist – folgt man dieser Meinung – natürlich leichter, wenn das Gesicht nicht konkret durch eine Bebilderung besetzt ist.