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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:54

Im Cockpit mit HAWX 2

20.09.2010

Was steckt hinter dem Visier?

Der deutsche Packshot von Tom Clancy’s HAWX 2 zeigt einen Piloten in seinem Cockpit. Um ihn herum toben Dog Fights, die bereits den Vorgänger maßgeblich prägten. Auch russisch anmutende Gebäude unter Feuer finden Platz auf der Abbildung. Der „Luftkrieg ohne Limit“ (Tagline auf der Rückseite der Verpackung) zeigt den prominenten Piloten, in dessen Rolle SpielerInnen schlüpfen werden, mit geschlossenem Visier. Doch warum eigentlich? RUDOLF INDERST geht dieser Frage mit mehreren Mach Geschwindigkeit nach. 

 

Erinnert sich noch jemand an das – frei nach Quentin Tarantino- homosexuelle Fliegerepos Top Gun? 1986 sorgte Zahnpasta-Grinser Tom Cruise für jede Menge junger Burschen in schlecht sitzenden Fliegerjacken mit Pelzkragen (und Brillen). Entscheidend für die folgenden Absätze ist aber folgender Aspekt. Die Piloten der Sowjetunion, die immer wieder als finster-roten Gefahren am Horizont in ihren Migs auftauchen, sind nicht genau zu erkennen. Das hat einen einfachen Grund: Stets verdecken schwarze Visiere die Gesichter der UdSSR-Fliegerasse. Über die Funktion der Maske ist an anderer Stelle schon ausführlich geforscht und publiziert worden. Hier soll es genügen, darauf zu verweisen, dass es im Falle des Actionfilms Top Gun wohl klar darum geht, den sowjetischen Piloten als entmenschlichte, präzise  Tötungsmaschine zu zeigen – ohne jede Möglichkeit für den Zuseher, jedwede Emotionen erkennen zu können (am Ende Reue? Ekel?).

 

Jetzt möchte der erfahrene Videospieler einwenden, dass es seit jeher Konventionen gibt, die die Gesichtslosigkeit von Charakteren aus Spielen fördern. Man denke zum Beispiel an First Person Shooter, in deren Spielverlauf man kein einziges Mal „seine“ Spielfigur sieht, weil es die Spieler selbst sein sollen, die gefühlt in die Rolle der Protagonisten schlüpfen. Eine Identifikation mit einem solchen Avatar ist – folgt man dieser Meinung – natürlich leichter, wenn das Gesicht nicht konkret durch eine Bebilderung besetzt ist.

 

Was liegt hier aber im Falle von Ubisofts Tom Clancy’s HAWX 2 vor? Unterwegs als Teil des ultra-geheimen „H.A.W.X. 2“-Geschwaders (bis zur 4 Spieler in der Koop-Kampagne) in mehr als 35 echten Kampffliegern und Prototypen, im Spiel gestützt von echten Satellitenbildern, machen sich die Spieler auf ihre brisant-explosiven Missionen in der Gedankenwelt des Republikanerfreundes Tom Clancy. Dabei kommen wir nun auf die Visiere der Jagdpiloten zurück. Zwar schwingt man sich in der Rolle verschiedener nationalstaatlicher Piloten in die Lüfte, aber diese scheint eines zu einen: die eiskalte Lust auf Technologie. Dem Rausch globalistisch-interventionalistischer Ideologie-Ekstase geben sich diese – zumeist Alphatier-Machissimo – Heißsporne nur allzu gerne hin. Alles ist möglich, todbringendes Effektgewitter, egal, wo auf der Welt. Die Visiere dieser Piloten sind nach unten geklappt – und der militärisch-industrielle Komplex lächelt wissend. Nein, ideologiefrei ist hier gar nichts.  


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