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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:55

Der Medienbayer Franz Liebl im Gespräch

27.09.2010

"Äußerst entspannend und selbstreinigend!"

Frischer Wind in der Spielbericht-Erstattung! Franz Liebl, den der Autor 1999 an seinem ersten Studientag traf und mit dem ihm seither eine feine Freundschaft verbindet, schlug nach seinem Studium einen interessanten Weg ein, der ihn schließlich zu on3, dem  jungen Programm des Bayerischen Rundfunks, brachte. Dort tritt er nicht nur in der Rolle des sich echauffierenden bayerischen Originals auf („Grantler“), sondern nimmt kritisch auch digitale Spiele unter die Lupe. RUDOLF INDERST spricht mit dem Kenner von „Negamusi“ und rapid fire.

 

So, hier ist die Eingangsfrage, die Dich erstmal vor unserem spielaffinen Publikum als Mann mit street cred einführen wird: Turrican auf SNES oder Mega Drive - und wieso?    

 

Definitv Universal Soldier für das Mega Drive. Turrican II auf dem Amiga ist für mich das beste Turrican ever und trotz der absurden Release-Politik bei Accolade, und der Wandlung von Turrican II zur teilweise haarsträubenden Filmumsetzung auf dem Mega Drive, kann ich so mein Lieblings-Turrican auch auf der Konsole zocken. Der Amiga ist nämlich aus Platzproblemen in einer Kiste auf Mamas Speicher in Rente gegangen.

 

Nein, im Ernst. Nach Selbstbeschreibung „geboren in Oberbayern, aufgewachsen in Niederbayern, Verwandtschaft in der Oberpfalz, Wahlheimat München“ fragt man sich, wie kommt es nun, dass der studierte Politologe beim BR über Spiele spricht?

 

Eigentlich bin ich über meine Musikkompetenzen beim Radio gelandet. Zuerst war ich in der Musikredaktion von M 94,5, dann in der Musikredaktion von on3. Über meine zweite große Leidenschaft zu berichten hat sich dann zufällig ergeben. Eine Redakteurin wollte etwas zum Release von „GTA IV“ machen, das damals durch sämtliche Feuilletons ging. Als „der Zocker“ in der Redaktion bekannt, bekam ich den Beitrag. Der hat dann so vielen Leuten in der Redaktion gefallen, dass es hieß: Mehr davon!

 

Was bedeuten Spiele für Dich persönlich? Wie möchtest Du am liebsten mit ihnen umgehen und was soll das Publikum davon mitnehmen in Deiner Sendung?

 

Spiele sind für mich persönlich das Unterhaltungsmedium schlechthin. Ich lese auch viele Bücher und schaue mir viele Filme an. Aber Games haben den beiden durch ihre Interaktivität was voraus. Klar bleiben viele digitale Spiele oft einfach Spiele im Sinne von „meistere die Aufgabe im Rahmen der Regeln“. Aber in den letzten Jahren hat das Medium durch viele Beispiele gezeigt, dass es zu mehr fähig ist. Das ist auch eine der zentralen Fragen, die ich so gut wie immer in meinen Berichten stelle: „Wo wächst dieses und jenes Game über das bloße Spiel-sein hinaus?“ Die Beiträge haben dann oft einen sehr abstrakten, kunstorientierten und teilweise philosophischen Ansatz. Zum Beispiel reizt mich bei einem Game wie Fallout 3 vor allem die moralische Komponente, die das Game als roten Faden durchzieht. Von dem Typen mit Hut und seinem Schnösel-Boss soweit getrieben worden zu sein die Atombombe zu zünden und sich im Nachhinein richtig schlecht zu fühlen, weil man das mit seinem realen Moralkodex nie vereinen könnte, ist für mich eine hohe Stufe der Selbstreflexion. Das können kein Buch und kein Film leisten. Das ist auch das, was das Publikum bei meinen Berichten mitnehmen soll. Spiele haben auch abseits ihrer Frameraten und Extrawaffen einen Wert.

 

Kleiner Einschub unter Spielenden - jetzt erzähl mir bitte noch etwas über das Xbox-Spiel N3II: Ninety-Nine Nights. Neulich haben wir uns am Telephon kurz darüber unterhalten. Ich hadere momentan mit dem Titel etwas. Offensichtlich brauche ich einen geistigen Anreger von Dir!

 

Ich bin voll drauf hängen geblieben. Ich muss zugegen, ich habe eine Schwäche für Button-Smasher. Auf Kingdom under Fire: Circle of Doom hab ich zum Beispiel mindestens 30 Stunden verschwendet. Was mich auch an N3II wieder besonders reizt ist seine Ehrlichkeit. Die Quintessenz des Action-Genres wird einem hier schonungslos auf das Joypad gelegt: Besiege alle Gegner in einem Level, schnapp dir den Endboss und mach das gleiche im nächsten Level wieder. Hier ist nichts aufgehübscht durch ausladende Grafikexzesse. Die nackte steinerne Levelwand kommt wieder und wieder und wieder. Genauso abwechslungsarm sind die Gegner. Welle um Welle um Welle stürzt sich fast freiwillig in meine Schwerter. Diese ständige monotone Wiederholung lässt mich dann im Endeffekt in eine Art Meditation fallen. Schon nach zehn Minuten ist das Geschehen am Bildschirm nebensächlich und ich fange an über die letzten und die kommenden Tage nachzudenken. Äußerst entspannend und selbstreinigend. Psychologisch sehr wertvoll. Aber auch sehr gspinnert, ich weiß.

 

Als medialer Tausendsassa bist Du nun aber nicht nur in Sachen Spiele aktiv. Erzähl doch mal ein paar Takte von Deiner Band und was momentan so ansteht.

 

Doppel D heißt die Crew und wir machen Rap auf Bayerisch mit fetten HipHop-Beats drunter. Bayern-Klischees erfüllen wir nicht. Unser Album „B-aya-N“ von Ende 2009 war eine vielbeachtete Platte. Unser Video zum Song „Watschnbaam“ wird demnächst die 100.000er-Klickmarke durchbrechen. Das ist für uns immer noch ein fast unerwarteter Erfolg für unseren Mundart-Rap. Jetzt im Oktober wird das Album „B-aya-N“ noch mal als Remix-Album erscheinen. Umsonst zum Download auf unserer Homepage. Da sind unter anderen Cajus (Blumentopf), Teekanne (Echorausch), Roger Rekless oder Glam (Main Concept) an den Reglern und Feature-Gäste wie Fiva, Weeh78, Creme Fresh oder Demograffics am Mic. Dazu gehen wir dann auch wieder auf Tour. 

 

Viel Erfolg dabei und danke für das Gespräch!


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