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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:55

Trine

04.10.2010

Ein Märchen in 2,5 Dimensionen

Ein verwunschenes Königreich, ein magisches Artefakt, drei Helden mit unterschiedlichen Fähigkeiten und eine Erzählerstimme, der nur noch ein Kamin und ein Schaukelstuhl zum Märchenonkel fehlt? Das klingt alles nach der Art Märchen-Fantasy, die wir ohne entsprechende Wendungen schon langweilig finden würden. Glücklicherweise ist Trine von Frozenbyte voll von solchen Wendungen, und erhält trotzdem seinen märchenhaften Charme. GISELA WOLF erkundet diese Welt und wird natürlich versuchen, sie zu zu retten!

 

Es war einmal...

In der unbestimmten Zeit und dem unbestimmten Ort, in dem Märchen immer spielen, spielt auch Trine, und die Umgebungen der Welt sind uns sofort vertraut. Ein Königreich hat seine besten Zeiten hinter sich, wird nun vom Bösen bevölkert und benötigt Helden, um es wieder zurück zu altem Glanz zu führen. Diese Mischung aus Märchen und altgedienter Fantasy gibt der Welt von Trine eine Atmosphäre, in der sich jeder sofort zuhause fühlen dürfte, so sehr sind diese Prinzipien und Strukturen in unseren Geschichten verwurzelt.

 

Zentral sind hier natürlich auch wieder die Helden der Geschichte, deren Aufgabe es eben ist, das Königreich und die Welt zu retten. Und hier weicht das Spiel dann von den Traditionen ab und vermischt sehr klassische, heroische Konzepte mit Charakteren, die uns erstaunlich bekannt und modern vorkommen. Durch einen unglücklichen Zufall und den „Zur falschen Zeit am falschen Ort“-Effekt finden sich drei ungleiche Gestalten magisch verbunden wieder, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als alles ins Reine zu bringen, um sich wieder trennen zu können. Dass sie nebenbei zu Helden des Königreiches werden, scheint dabei eher nebensächlich, aber alle drei nicht wenig zu überraschen.

 

Helden wider Willen

Die Diebin ist zunächst einmal nur des Profits wegen unterwegs, oder zumindest lässt sie das alle glauben. Sie ist ausgesprochen intelligent und, sagen wir, gewinnorientiert und eigentlich nur bemüht, die anderen loszuwerden und dabei so viel mitzunehmen wie sie kann, jedenfalls am Anfang noch. Sie hat einen Bogen und verschiedene Pfeile und kann in alle hölzernen Oberflächen einen Seilpfeil schießen und daran über Hindernisse schwingen.

 

Der Magier ist hingegen viel mehr daran interessiert, bei den Damen gut anzukommen, als tatsächlich zu zaubern. Vor allem weil er zu seinem Ärgernis niemals in der Lage war, einen richtigen Feuerball zustande zu bringen. Er kann mittels Gedankenkraft Objekte bewegen, oder aber auch eigene Dinge hervorrufen, wie Kisten, Bretter oder eine schwebende Pyramide, was im Verlauf des Spiels auch viel nützlicher ist als ein Feuerball.

 

Der Krieger hingegen hält da eher mit den Freuden des Essens und Trinkens, weshalb er im verlauf der Zeit auch einen ziemlichen Bauch unter seiner Plattenrüstung aufgebaut hat. Trotzdem ist er ein versierter Kämpfer und hält sich für den Anführer, jedenfalls solange andere unauffällig das Denken übernehmen. Er führt wahlweise Schwert und Schild oder einen schweren Hammer und kann mit seiner Kraft besonders gut Dinge bewegen und später sogar hochnehmen und schleudern.

 

Ein beachtlicher Teil des großen Charmes von Trine stammt von diesen Charakteren und der Interaktion untereinander, die ebenfalls ausgesprochen humorvoll und modern daher kommt und durchgehend sehr gut vertont wird.

 

Physik in 2,5D

Die Technik dieses Spiels bezeichnet man gemeinhin als „2,5D“ und meint damit, dass die Welt dreidimensional dargestellt wird, die Spielfiguren sich aber nur entlang einer zweidimensionalen Linie, meistens wie hier von Links nach Rechts, durch die Level bewegen. Diese Technik erscheint oft als ein bisschen minimalistisch, entwickelt in diesem Fall aber durch die liebevolle Gestaltung der Umgebungen und der Hintergründe einen ganz eigenen Charme.

 

Ungewöhnlich für ein solches Spiel sind auch die Physikeffekte, die die Rätsel ausmachen. Um die Level zu bewältigen ist es notwendig, die Fähigkeiten der drei Protagonisten in Interaktion mit der Umgebung, etwa Gewicht, Hebelwirkung und Schwung diverser Objekte einzusetzen, um weiter zu kommen. Besonders interessant hierbei ist das unterschiedliche Gewicht der Dinge, das immer berücksichtigt werden muss. Je größter die vom Magier herbei gezauberten Kisten sind, desto schwerer sind sie. Aber auch das Gewicht der Figuren wird für die Rätsel eingesetzt. Die Diebin ist die leichteste, der Krieger natürlich die schwerste. Soll also etwas in Schwung versetzt werden, wird man den Plattenträger nehmen, zum Hüpfen über Plattformen, die unter Gewicht schnell nachgeben, aber natürlich nicht.

 

Die Spielmechanik ist für diese doch relativ einfache Technik bemerkenswert komplex und funktioniert einwandfrei, was einen sehr stimmigen und schönen Spielfluss erzeugt, in dem man bald ganz natürlich schwingt, schießt, springt, die Figur wechselt, zuschlägt, oder einem Skelett eine Kiste auf den Kopf wirft. Alle Aktionen, die in der Welt die Physik beeinflussen, bieten auch ausgesprochen kreative und unterhaltsame Methoden, um Gegner aus dem Weg zu räumen. Die große kreative Freiheit, die der Spieler dabei erlangen kann, ist leider auch eine Schwäche des Spiels. Je kreativer man seine Fähigkeiten einsetzt, desto leichter werden die Rätsel, was aber gerade zum Ende oft dazu führt, dass man die meisten sorgfältig angeordneten physikalischen Spielzeuge ignorieren kann, da man praktisch über alles hinweg fliegt, wenn man es richtig anstellt. Das gilt auch für die gelegentlichen Bosskämpfe, in denen es zu einfach ist, einen für den armen Boss unerreichbaren Punkt zu finden und ihn von da aus unbehelligt zu erschießen.

 

Und wenn sie nicht gestorben sind...

Trine ist wirklich ein besonderes Spiel. Wie in den Kreisen der unabhängigen Spielemacher üblich, wird auch hier ein geringes Budget mit einem Überschuss an Liebe und Kreativität wieder gut gemacht. Die märchenhafte Stimmung, die durch die wunderschön gezeichneten Hintergründe, die Musik und die ausgezeichneten Sprecher zustande kommt, fesselt vor dem Bildschirm und erzeugt zusammen mit der spaßigen Mechanik ein Jump´n´Run, dass sich jeder ansehen sollte, der sich gerne verzaubern lässt.


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