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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:55

Phantasy Star Portable 2

11.10.2010

Nie war Vergangenheit schöner

Von wegen Software-Flaute auf Sonys PSP! Bereits am 3. Dezember 2009 ist Phantasy Star Portable 2 in Japan erschienen. Seit Mitte September ist Segas Action-RPG auch hier bei uns erhältlich. Für RUDOLF INDERST ist das nicht weniger als eine Reise in seine eigene Videospiel-Vergangenheit.   

 

Seit der Ankündigung dieses Titels war meine Aufregung groß. Sehr groß. Phantasy Star Portable hatte ich seiner ziemlich Zeit liegen lassen, auch Phantasy Star Universe. Weshalb? Ich glaube nach wie vor, Nintendos GameCube hat Schuld. Es war ein törichtes Unterfangen gewesen, einem sehr guten Freund den Zauber des Spiels Phantasy Star Online auf einer fremden Konsole erklären zu wollen. Doch nicht so schnell …

 

Jetzt ist es doch passiert. Ich bin mittendrin, das Fieber der alten Tage hat mich gepackt. Ich möchte, nein, ich muss von dem Spiel erzählen, dass zu meinen zehn besten Spielen aller Zeiten gehört: Phantasy Star Online. Im Februar 2001 war es damals so weit gewesen – der Startschuss für das erste Online-Rollenspiel für Konsolen war gefallen. Und ich war mittendrin. Das Modem der Sega Dreamcast rauchte vor Anstrengung, die Telefonrechnung wuchs ins Endlose – Tag und Nacht war unser kleiner Mini-Clan (der „Flavor-Clan“) als Teil der Hunter’s Guild auf Ragol unterwegs. Dabei erfanden wir zunächst unsere eigene Art des Co-op-Spiels: einer am Pad, einer an der Tastatur. Wenig später operierten wir mit zwei Analog-Anschlüssen, um eben doch kooperativ zu Werke zu gehen. Den Battle Mode ließen wir dabei links liegen.

 

Auf das Höchste!

Uns gegenseitig an die Gurgel gehen, wo doch die Wunder des Planeten da draußen lagen? Lächerlich. Auch Version 2 machten wir natürlich mit. Schließlich jedoch hörten wir auf. Zu oft hatten uns unlustige Cheater das Spielerlebnis versaut, indem sie unsere Charaktere vom Server kickten. Und als schließlich einer dieser Zeitgenossen es irgendwie geschafft hatte, meine komplette Ausrüstung verschwinden zu lassen und meine Anrufe bei der Service-Hotline erfolglos („Sie geben mir jetzt sofort den Namen dieses Spielers und sagen mir, wo er wohnt! Warum? Damit ich ihm den Kopf abreißen und in den Hals scheißen kann!!!“) blieben, stellten wir das Spiel ein.

 

Dennoch sollte dies nicht die zentrale Erinnerung an das Spiel sein. Wenn ich nun im Nachhinein schätzen müsste, wie viele Spielstunden wir mit Phantasy Star Online verbracht hatten, würde ich locker lässig und lächelnd abwinken. So hoch kannst Du nicht zählen, mein Freund. Am 1. April 2007 war dann allerdings Schluss mit lustig: Sega schaltete die Server ab. Die äußerst engagierten, erfolgreichen Versuche, eigene Server für das Spiel auf die Beine zu stellen, bewundere ich bis heute auf das Höchste. Bis heute hat sich dieses Spielgefühl nicht mehr zu 100% wiederholen lassen, obwohl Borderlands auf der Xbox 360 in seinen besten Momenten schon recht nahe an die alten Zeiten herankam.

 

Einen Tick fordernder

Doch sprechen wir nun über Phantasy Star Portable 2. Drei Jahre sind nach den Ereignissen der Phantasy-Star-Universe-Saga vergangen. Spieler übernehmen die Rolle eines Söldners, welcher das Gurhal-System retten soll. Bevor ich kurz auf die kleinen Erweiterungen und Verbesserungen des neuen Teils eingehe, soll die zentrale Neuerung angesprochen werden. Der USK-12-Titel ist nun tatsächlich in der Online-Welt angekommen. Online spielen ist gratis, allerdings ist es an einen persönlichen, einmaligen Code gebunden: Gebrauchtäufer sehen so in die Röhre. Gerade auf in diesem Genre UND dieser Plattform könnte das zu einem bösen Bumerang werden. Mittels Infrastruktur- sowie Ad-hoc-Modus können bis zu vier Spieler mit- oder gegeneinander (wer will das schon ernsthaft?) auf die Jagd nach Punkten und Rängen gehen. Manchmal verflucht man zwar die fehlende Headset- oder Tastaturunterstützung, aber Shortcuts erledigen zumeist die Arbeit ebenso. Eine Auto-Chat-Funktion existiert ebenso. Battle- und Challenge-Missionen sind auch wieder mit an Bord. Der „3D My Room“ dient als nette show off-Bude für den geneigten Poser inklusive Juke-Box.

 

Richtig gelesen, Juke-Box. Eine Art Visitenkarte, die man mit anderen Spielern tauschen kann, ist eine willkommene Neuerung. Über 170 neue Gegnertypen machen den Spielern das Leben schwer (das Spiel erscheint im Übrigen tatsächlich einen Tick fordernder als der Vorgänger) und mehr als 2000 Waffen sorgen dabei für einen gerechten Ausgleich. Neue Kampftechniken und Fähigkeiten (Stichworte „Ausweichmanöver“ & „Konter“) der Figuren unterstreichen diese Optionsvielfalt. Wieder einmal wird im Kampfgeschehen das schmerzhafte Fehlen eines zweiten Analogsticks bewusst gemacht: das Handeln in der Ego-Perspektive ist auf diese Weise alles andere als elegant gelöst. Wir wollen das allerdings der Hardware anlasten, nicht dem Spiel. Solospieler werden es schätzen, dass die KI-Kollegen eine Runde Cleverness spendiert bekamen – tatsächlich sind sie aber kein Ersatz für menschliche Mitspieler. Um es ausdrücklich zu sagen, menschliches Interagieren ist das Herz des Spiels. Wer alleine vor sich hin offline spielt, wird den Reiz des Titels nicht nachvollziehen können. Zu guter Letzt sei noch bemerkt, dass auf eine Lokalisation verzichtet wurde, was allerdings – angesichts der bisher gesichteten Textinhalte - nicht weiter tragisch sein dürfte.        

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