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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:57

HALO: Reach

11.10.2010

Abschied und Aufbruch zugleich

Wo waren Sie eigentlich am 14. September 2010? Wenn Sie dieses Ressort lesen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch Sie – wie viele tausende andere – den Kampf in HALO: Reach auf der Xbox 360 aufgenommen haben. Zu diesen zählte auch eine kleine Münchner Widerstandszelle, die RUDOLF INDERST entdeckte …

 

Weniger als Superlative dürfen es nicht sein: Noch ist die Meldung „300 Millionen Umsatz für HALO 3 nach einer Woche“ im Kopf, als es nun schon donnert: „HALO: Reach – 200 Millionen Dollar Umsatz in 24 Stunden“. Keine Frage, das HALO-Universum ist eines der erfolgreichsten Konsolen-Shooter-Franchises des letzten Jahrzehnts. Und das nicht ohne Grund, weltweit loben Fachpresse und Spieler die Reihe über den Klee, und die Serie wächst – typisch für modernes Produktmanagement – in andere Medien hinein: Romane, Comics, Zeichentrickepisoden und Co lassen zusätzlich die Kassen klingeln.

 

HALO: Combat Evolved war für mich 2002 der Grund, eine Xbox zu kaufen. Und mit Ausnahme des Strategietitels HALO Wars spielte ich seither alle HALO Titel mit großer Freude. Kein anderer Shooter spielt sich derart intuitiv, kein anderer Titel des Genres bietet immer wieder diese (hinterhältigen) KI-Überraschungen. Entscheidend für viele Käufer ist und bleibt aber der Multiplayer-Part. Spätestens seit Teil 2 der Reihe, HALO 2, steht die Serie für Konsolen-Multiplayer-Schlachten.

 

Sci-Fi-Plausch

Die ursprünglichen Entwickler, Bungie, haben Microsoft verlassen und sind in die Dienste von Activision Blizzard getreten, die Rechte an der Marke HALO bleiben aber in Redmond. Zurzeit befindet sich bei 343 Industries ein neuer Halo-Teil in der Mache. Genau der richtige Zeitpunkt also, sich mit einem absoluten HALO-Aficionado über die Reihe zu unterhalten und insbesondere über den neuesten Ableger HALO: Reach zu sprechen. Ich traf den studierten Amerikanisten und ehrgeizigen Xbox-Achievement-Jäger Martin, der auf Xbox Live als mfk1138 bekannt ist, auf einen Sci-Fi-Plausch. 

 

Okay, mal so reines Zahlenwerk. Halo 3 – 1750 von 1750 Punkten, Halo 3: ODST – 1000 von 1000, Halo Wars 1200 von 1200 und Halo: Reach 1000 von 1000 Punkten. Martin, wenn man folgert, Du bist ein großer Fan der HALO-Reihe, wäre es wohl nicht übertrieben. Was begeistert Dich so sehr an der Sci-Fi-Saga?

 

Man merkt, dass die Autoren hintern dem Spiel große Science-Fiction Fans sind. Hier finden sich zahlreiche Einflüsse aus der Science-Fiction-Literatur wieder, doch wirkt es als eigenständige Geschichte und nicht als Kopie. Es gibt viel zu entdecken, nicht nur im Spiel, sondern eben auch in der Handlung, wenn man sich mit dieser auseinandersetzt. Der Einstieg, gerade in "Halo 3" war zwar nicht mehr leicht für jemanden, der zuvor noch nie einen“ Halo“-Teil gespielt hatte, aber wenn man sich die Mühe machte, das nachzuholen, dann wurde man dafür belohnt. Dazu finde ich die Erzählweise sehr gelungen, da die Handlung durch das Spiel vorangetrieben wird. Hier war Valve mit "Half-Life" und "Half-Life 2" sicherlich der Vorreiter, doch Bungie hat gut daran getan, sich an Valve zu orientieren. Hauptsächlich ist es jedoch die Spielbarkeit, welche die "Halo"-Reihe für mich auszeichnet. Kein anderer Shooter wirkt auf Konsolen so intuitiv, so abwechslungsreich und hat so viel zu bieten. "Halo Wars" darf man da nicht in einem Atemzug mit den anderen Titeln nennen, da es sich doch um ein vollkommen anderes Genre handelt. Bei "Halo" spielt sich jeder Level, jeder Kampf, mit jedem Versuch anders. Die geniale KI trägt ihren Teil dazu bei, was sich vor allem bei den höheren Schwierigkeitsgraden bemerkbar macht. Der Multiplayer bei "Halo 3", "Halo 3: ODST" und "Halo: Reach" ist genial. Man hat so viele Möglichkeiten, so viele Spielmodi…  dazu der sehr eingängige Karteneditor und die Möglichkeit, jeden Kampf als Video in allen möglichen Perspektiven erneut anzusehen. Zieht man das alles in Betracht ist jeder einzelne "Halo"-Titel auf der Xbox 360 so umfangreich, dass man eigentlich gar kein anderes Spiel mehr braucht.

 

Was meinst Du? Warum hat man sich wohl als Abschied ein Prequel aus dem Ärmel geschüttelt und kein echtes „Halo 4“? Warst Du – ganz ehrlich – nicht ein wenig enttäuscht, als das die Runde machte?

 

Enttäuscht war ich überhaupt nicht! Eher beruhigt! Die Handlung um den Master Chief wurde erzählt und abgeschlossen. Sicherlich lässt sich über das Ende von "Halo 3" spekulieren und diskutieren, aber ein weiteres Mal mit dem Master Chief in die Schlacht zu ziehen, hätte der Reihe, meiner Meinung nach, nicht gut getan. Da hätte auch die Glaubwürdigkeit der Handlung darunter gelitten. Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, dass ein Prequel daraus geworden ist und halte die Umsetzung für sehr gelungen, auch wie sich die Handlung des Spiels im "Halo"-Universum verankert.

 

HALO-Spiele sind ja mittlerweile wahre Umfangmonster geworden, nicht wenige Spieler sind davon ein wenig abgeschreckt. Wie gehst Du persönlich an solche Übertitel ran?

 

Der Umfang zwingt einen ja nicht dazu, gleich alles ausprobieren und spielen zu müssen, was das Spiel zu bieten hat. Ich spiele für gewöhnlich immer zuerst die Handlung auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal". Dann geht es an die höheren Schwierigkeitsgrade und schließlich in den Online-Multiplayer, der meiner Meinung nach, immer noch die Königsdisziplin der Konsolen-Shooter, zumindest auf der Xbox 360, darstellt. Im Gegensatz zur "Call of Duty"-Reihe, die ebenfalls über einen exzellenten Multiplayer-Modus verfügt, bin ich jedoch mehr von "Halo" überzeugt, da Bungie stets darum bemüht ist die Spielbarkeit und Fairness zu erhalten, also beispielsweise "Modder" aktiv sucht und aus seinem Multiplayer-Betrieb verbannt. Ich finde auch, dass Bungie das Meiste aus dem Erfolgs-System der Xbox 360 herausholt, da die Achievements sich über die verschiedenen Spielmodi erstrecken und so einen Spieler motivieren auch wirklich all das, was das Spiel zu bieten hat, auszuprobieren. Generell halte ich „Halo: Reach“ neben dem ersten HALO-Teil für den eingängigsten der Serie.

 

Neulich am Telefon kamen wir beide ja zu dem Schluss, dass Reach bisher der beste Wurf der HALO-Crew ist. Vielleicht magst Du noch einmal kurz darstellen, weshalb Du das so empfindest?

 

Mit Sicherheit hat Bungie in all den Jahren mit den verschiedenen "Halo"-Titeln vieles richtig, aber auch einiges falsch gemacht. "Halo: Reach" scheint mir hier das Produkt zu sein, das am meisten von all dieser Erfahrung profitiert hat. Im Singleplayer läuft man nun weniger auf denselben Karten "vor und zurück", die Wiederholungen fallen weg. Der Spielfluss ist abwechslungsreicher denn je, die Grafik hat sich natürlich verbessert, die Musik bleibt auf dem exzellenten Niveau der Vorgänger und ist dennoch etwas Neues. Der Multiplayer hat nun so viele Möglichkeiten, dass man schon ein wenig Zeit braucht, um sich zu Recht zu finden. Dies geht dann allerdings sehr schnell. Der "Forge"-Modus wurde überarbeitet und vereinfacht, der aus "Halo 3: ODST" bekannte "Firefight" Modus so aufpoliert, dass man fast schon von Perfektion sprechen kann. Wenn man die Foren auf bungie.net in den letzten Jahren immer wieder mal verfolgt hat, so findet sich bei "Halo: Reach" kaum etwas, das nicht aufgegriffen oder berücksichtigt wurde. Sicherlich kann man es nie allen recht machen, aber die Art und Weise wie Bungie mit seinen Usern umgeht und Kritik ernst nimmt ist doch beachtlich und in keiner Weise selbstverständlich. Das alles merkt man bei "Halo: Reach".

 

Jetzt frage ich mal reichlich ideologisch-angehaucht: Hat man denn als erwachsener Spieler nicht irgendwann die Schnauze voll von den ewig xenophoben Testosteron-Phantasien in Kombination mit überpatriotischem Opfermythos?

 

Wie ich eingangs schon sagte, ich empfinde das nicht so. Natürlich geht es in der Shooter-Welt immer um irgendeinen Weltkrieg, um irgendwelche Terroristen, oder halt Außerirdische. So ist das nun mal. Wenn ich davon "die Schnauze voll" hätte, würde ich einfach etwas anderes spielen. Es gibt schließlich mehr als genug Alternativen! Der Ideologie kommt man ja nicht aus, auch nicht in Literatur, Film und Fernsehen. Sicherlich würde jeder sich etwas Neues und Frisches wünschen, aber das entsteht meist doch eher als Zufallsprodukt und nur selten, wenn es "gewollt" ist. Die "ewig xenophoben Testosteron-Phantasien" und den "überpatriotischen Opfermythos" kann ich in vielen Videospielen erleben, aber diese haben dann an anderer Stelle Defizite, die "Halo" nicht hat.

 

Dich als fleißigen Vervollständiger (neudeutsch: Komplettionist) und Sammler kann ich ja fragen: Was war Dein bisheriger HALO-Moment?

 

Hat jetzt zwar nichts direkt etwas mit "Vervollständiger" zu tun, aber bitte: "Halo 3", Kapitel "Tsavo Highway" auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad – alleine. Da gab es eine Stelle, da bin ich sehr lange daran gesessen. Jedes Mal, wenn ich eine neue Taktik ausprobiert habe, war die KI an Ort und Stelle und hat anders reagiert. Da war nichts vorhersehbar. Jeder Versuch war wie ein neues Spiel. Dies führte jedoch nicht zu Frust, ich dachte nur die ganze Zeit: "Verdammt, ist das gut gemacht!" Und als ich die Passage dann endlich bezwungen hatte, das war dann so ein Moment, den wohl nur ein Videospieler, oder gar "Halo"-Veteran, wirklich nachvollziehen und verstehen kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch!


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