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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:57

Der Digitale Appetithappen - Front Mission Evolved

18.10.2010

"You can be my wingman any time." - "Bullshit! You can be mine."

Ah, wer könnte da als ewiger Junge (und Mädchen!) widerstehen? In Front Mission Evolved steigen Spieler in die Cockpits riesiger Roboter und lassen es kräftig krachen. RUDOLF INDERST denkt dabei an behagliche 32-Bit-Zeiten der Ära Playstation 1.

 

Rundenbasierte Strategiespiele und ich…das ist ein…schwieriges Verhältnis. Klar, Shining Force auf dem Mega Drive, das liebte ich, aber gleichzeitig muss ich zugeben: Ich habe dem Kumpanen seiner Zeit stundenlang ZUGESEHEN, nicht selbst Hand ans Pad angelegt. Ein Titel jedoch schaffte es – zumindest für kurze Zeit – mich an das Genre zu binden. Front Mission 3, aus dem Jahr XY, fesselte die Spieler, folgt man den Aussagen der Entwickler, mindestens 150 Stunden plus an die Bildschirme. Ich selbst brachte es damals zwar nur auf 2 bis 3, aber die blieben mir lange im Gedächtnis. Die Serie Front Mission kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, wobei traditionsgemäß viele europäische Spieler nicht im Bilde sein werden, da die Reihe oftmals den Sprung aus Nippon Richtung EU nicht schaffte.

 

Im Zentrum der Serie stehen die so genannten „Wanzer“ (kurz für „Wanderung Panzer“ – ein schönes Beispiel für Begeisterung japanischer Entwickler, was die deutsche Sprache betrifft). Spieler steigen in die Cockpits dieser beschränkt-individualisierbaren Riesenroboter und treffen dann mit allerlei Waffen auf andere Metall-Hünen in fest absteckten Arenen. Zwischen diesen Kämpfen wird dann die SciFi-Handlung vorangetrieben. So viel zur Geschichte: Front Mission Evolved ist, lässt man die diversen Spin-Offs außer Acht, der reguläre sechste Teil und stellt gleichzeitig auch den ersten Sprung der Reihe auf Xbox 360 und PS3 dar.

 

Ganz richtig stellt Enzensberger in Zickzack fest: „Verluste lassen sich verschmerzen, Enttäuschungen verwinden; wenn aber zum Schaden der Hohn kommt, wenn sich alte Wünsche auf so heimtückische Weise erfüllen wie im Märchen, schlägt die Frustration in Hysterie und Wut um.“ Auch für den vorliegenden Titel Front Mission Evolved gilt das leider. Nicht wenige Spieler, die die Serie ins Herz geschlossen hatten, waren natürlich Feuer und Flamme, aber ach, dann kehrte die Enttäuschung ein. Was war da nur passiert? Zunächst einmal das Augenscheinlichste: der Genrewechsel. Es handelt sich nicht mehr um einen rundenbasierten Strategie-Titel, sondern um einen Third-Person-Shooter. Eine doppelt schwierige Entscheidung, wie ich finde. Zum einen ist die Gefahr groß, die alteingesessenen Fans der Serie durch den Wechsel an sich zu vergraulen und zum anderen muss die Front Mission-Serie nun in einem Feld bestehen, in dem die Konkurrenz unheimlich dichtgedrängt und - technisch betrachtet – durch erstklassiger Qualität besticht.

 

DE-volution, heißt das, DE-volution

Und genau hier liegt das Problem: So sehr das Front Mission-Universum einzelne Fans packen mag, über die Mängel der Spielmechanik ist nur sehr schwerlich hinwegzusehen. Doch wollen wir zunächst einmal einen Blick auf das Szenario werfen. Die Geschichte des Spiels findet 50 Jahre nach Front Mission 5, welches ausschließlich in Japan auf der PS2 erschien, statt. Die Menschheit startet eine Expansionsoffensive in den Weltraum, unterstützt durch die Konstruktion mehrerer Orbitalaufzüge.

 

Es kommt jedoch zu politischen Spannungen, als unbekannte Kräfte den Aufzug Nordamerika zerstören. Schon bald findet sich der Spieler in der Rolle des Dylan Ramsey, eines jungen Ingenieurs, mitten in einem Strudel der Zerstörung, Verschwörung und zerfallenden Bündnisse wieder. Recht schnell wird es bleihaltig: In Einzelspielerkampagnen und im Online-Mehrspielermodus geht es dem Gegner an verschiedenen Orten wie Großstädten, aber auch Eiswüsten an den Kragen. Zu gewalttätig geht es dabei nicht zu: Das USK-12-Rating einerseits und das Gameplay andererseits bestätigen den Verdacht – nicht unähnlich dem Rosenkrieg in England halten sich die zivilen Opfer in Grenzen. Wieder einmal präsentieren uns Videospiele Krieg als hygienischen-klinischen Spielplatz für erwachsene Knaben.

 

Double Helix Games, die vor geraumer Zeit ihre Hände an die Silent Hill-Reihe anlegen durften (und ein eher durchschnittliches Spiel ablieferten), halten nun die nächste Serie in grauer Mittelmäßigkeit gefangen. Die Entscheidung, Richtung Shooter umzuschwenken, ist nachvollziehbar: Teil 5 war aufgrund schlechter Verkaufszahlen von Teil 4 gar nicht erst in den Staaten erschienen – und da man wohl fester Überzeugung war, dass Shooter in den Vereinigten Staaten DAS Genre überhaupt darstellen, versuchte man es eben auf diesem Weg.

 

Die Schwächen sind vielfältig. Das Spiel bietet jede Menge Deckung, aber kein ausgereiftes Deckungssystem. Die gigantischen Waffensysteme, die man in seiner unmittelbaren Vorstellung vor Augen hat, wenn man an die riesigen Wanzer denkt, geben nicht das nötige Feedback-Gefühl, zudem ist die Interaktion mit der verbündeten KI recht unbefriedigend. Die Endgegner bieten tatsächlich nicht mehr als eine gefühlte Ewigkeit an Kleinringung. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei erstaunlich würzig. Grafisch und soundtechnisch befindet sich der Titel, um eine Sportmetapher zu benutzen, auf Landesliga-Niveau – da könnte man guten Gewissens auf den japanischen Handy-Ableger Front Mission 2089: Border of Madness zurück greifen. Weiterhin ist die Dramaturgie der Cut Scenes ist … äußerst überambitioniert. Weit entfernt von seinen taktischen Wurzeln (wenn man einmal von der Waffenwahl absieht), erinnert Front Mission Evolved nun eher an Titel wie Time Crisis oder andere Arcade-Shooter. Auch der Multiplayer-Part ist Durchschnitt 101. Ein wenig Death Match hier, ein wenig Capture the flag da.

 

Übrig bleibt also ein Ausflug in die Welt der Front Missions mit fadem Nachgeschmack, der die meisten Spieler unzufrieden ob des Genreverlusts (RPG-Strategie) oder des Genre-Nichtgewinns (mittelmäßiger TPS) zurück lassen dürfte. Ob damit auch das Ende der gesamten Serie eingeläutet, bleibt jedoch abzuwarten. Wanzer und Hoffnung sterben zuletzt.  


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